Foto: The Birthday Massacre

THE BIRTHDAY MASSACRE – Superstition

Es ist mittlerweile knapp über zehn Jahre her, seitdem ich das erste Mal mit THE BIRTHDAY MASSACRE (oder kurz: TBM) in Verbindung gekommen bin. Seinerzeit bestand mein Musikgeschmack mehr aus jeglichem Techno und Basscore Gedudel als aus diversen Gothic Bands. Unser Hausmeister hier empfahl mir, mal TBM zu hören. Da mir das soeben genannte Gedudel zu diesem Zeitpunkt eh ein wenig auf den Keks ging, hörte ich rein – kann ja nicht schaden. Und es sollte sich lohnen. Sicherlich war es nicht meine erste Begegnung mit der „Szene“, aber der Auslöser für mich, mich tiefer in die schwarzen Gefilde zu begeben. Das Ende vom Lied ist klar. Jetzt, zehn Jahre später, alle Alben – angefangen bei „Nothing and Nowhere“ bis hin zum letzten „Hide and Seek“ – stehen gut sortiert im Regal, es gab das erste Live Konzert im März 2014 für mich (endlich!!!) zu sehen und der neue Silberling „Superstition“ steht in den Startlöchern. Zeit, uns diesem intensiv zu widmen und zu bewerten, was den interessierten Hörer erwarten wird.

Ich war überrascht, dass ein neues Album erscheint, denn es kam mir bislang nicht so vor, dass bereits über zwei Jahre seit „Hide and Seek“ vergangen sind. Zehn Tracks haben es auf „Superstition“ geschafft, wobei, eigentlich neun, aber dazu später mehr. Mir scheint es insgesamt, dass The Birthday Massacre mittlerweile verstärkter auf den deutschen Markt vorbereitet werden. Sie sind ja generell nur sporadisch hier zu sehen gewesen, doch hat sich dieser Umstand nun etwas verändert, seit die Band bei Out of Line zu finden ist. Einige wenige Konzerte zu Beginn des Jahres und der Auftritt beim Out of Line Weekender 2014, sowie die Veröffentlichung von Merchandise Artikeln im Shop unterstreichen diese These. Hoffen wir auf den einen oder anderen Auftritt auf einem der zahlreichen größeren Festivals 2015. Aber nun zurück zum neuen Album.

Irgendwie hat man beim Hören von TBM immer das Gefühl in einer anderen, surrealen lila Welt zu versinken, in der gute und böse Hasen umherwandern (mag an der Covergestaltung liegen, wer weiß), man durchaus geneigt ist, das ein oder andere abzufackeln, zu flüchten oder durch Portale zu wandern. Vielleicht geht auch grad meine eigene Fantasie mit mir durch, dennoch wirkt es für mich häufiger so, als hätte man es mit einer bösen, noch abgedrehteren „Alice im Wunderland“-Version zu tun, in der mal Gefahr droht, in der der Hörer ab und an entspannen kann oder er im Gegenzug selbst auf Attacke umschaltet. Im Grunde wie eine eigene Geschichte, die nicht visuell, sondern akustisch erzählt wird.

Eingeleitet wird „Superstition“ vom Track „Divide“. Dieser ist fast ein typischer Song, mit welchem ein TBM-Album eingeleitet wird. Nicht richtig hart, nicht richtig Soft, dafür mit jeder Menge Synthie-Klängen und Chibis toller Stimme, die zum Ende hin ähnlich verzerrt wird, wie es seinerzeit bei „Lovers End“ der Fall war. Eine Mischung also aus Attacke und Gefahr – wohin mag die Reise gehen? Starker Auftakt, was allein dadurch bestätigt wird, dass meine bessere Hälfte beim Hören mitgenickt und –gesummt hat, obwohl sie mit dieser Musik im Allgemeinen recht wenig anfangen kann. Es folgt der etwas ruhigere Track „Diaries“, der zunächst wie eine Reminiszenz an die 80er Jahre Synthie-Musik wirkt. Sobald Chibi jedoch zu Singen beginnt wird der typische TBM-Klang erkennbar. Diesmal zwar leider keine verzerrte Stimme, dennoch ein ganz starker Song, der vor allem durch den Refrain zum Mitsingen und Träumen animiert. Alleine die Passage „When we were strangers, i would believe, i was walking in my sleep“ lässt einen wieder über einsame Wege wandern, rechts und links ein Abgrund, auf der Suche nach etwas, das sich einfach nicht anfinden will. Recht ruhig wird es dann beim namensgebenden Song „Superstition“. Langsam und eher melancholisch kommt dieser daher und hat wenig mit den beiden vorherigen gemein. Dies soll nicht heißen, dass er schlecht ist – keineswegs. Man wird zwangsläufig nachdenklich, fragt sich ob alles immer so richtig ist und woran man glauben soll. Vielmehr bildet er den ruhigen Abschluss zu den Songs und den Auftakt zum härtesten Song des Albums „Destroyer“. Ein bisschen Ruhe muss ja auch sein.

I burn it down“ ist eine der Passagen des Liedes, welches durch Chibis verzerrte Stimme eingeleitet und im, mit normaler Stimme gesungenen Refrain, begleitet wird. Ganz starker Song, weitestgehend ohne die typischen Synthie-Klänge, dennoch unverkennbar. Er verleitet einen dazu gerade auf Angriff zu schalten und einfach alles abzufackeln, was einem in der anderen Welt – wie auch immer man sich diese gerade vorstellt – in den Weg kommt. Seien es Häuser, Wälder oder sonst was – „The End is here and now“ scheint als Textpassage nicht unpassend gewählt.

Es folgt „Surrender“, ein üblicher TBM-Song mit dem bekannten, ruhigerem Sound, Text und hervorgehobenem Refrain. Man muss nach der vergangenen Zerstörungsorgie wieder zur Ruhe kommen. Flippiger wird’s mit „Oceania“. Fette Synthie-Klänge, ein Refrain, schon wieder zum Mitsingen gemacht, welcher irgendwie – zumindest bei mir – sofort für gudde Laune sorgt. Ob es jetzt in der Realität beim Autofahren mit Fenster runter und Arm raus gehört wird (ok, aktuell eher zu kalt) oder man in Gedanken durch die lila Welt wandert, sei jedem selbst überlassen. Neben „Divide“ mit Sicherheit der Track bei dem am stärksten mitgewippt und –gesungen wird. Nummer sieben auf der Tracklist ist „Rain“. Nein, kein Cover des Pitchfork-Übersongs, sondern eine eigene Kreation . „Rain“ ist definitiv das ruhigste Lied auf dem Silberling, welcher jedoch nicht so düster und melancholisch rüberkommt wie „Superstition“, auch wenn man sich irgendwie träge und nachdenklich durch den Regen wandern sieht. Hach, diese gemeinen Lyrics, die einem jegliche eigene Vorstellungen rauben. Ähnelt von der Geschwindigkeit her älteren Songs wie „Remember Me“ oder „To die For“.

Beyond“ hilft dem Hörer wieder wach zu werden und verträumt durch die TBM-Welt zu wandern, ohne dabei so flippig zu sein, wie es zum Beispiel „Diaries“ ist. Der Song bildet quasi die Ruhe vor dem Sturm, denn den Abschluss des Albums bildet „The other Side“. Hier wird es wieder etwas rockiger und düsterer, wenn auch nicht schneller. Der „break through the other side“ darf ja auch nicht zu heftig sein – stellt man sich hierbei gerade wieder vor, im Attacke-Modus zu sein, sollte ein Durchbrechen ja auch wohlgeplant sein. Herrlich, wenn der Hörer sich komplett auf die Musik einlassen und einfach in eine andere Welt abtauchen kann, in der es gutes, böses, surreales und irgendwie doch nichts greifbares gibt, weil es eben nicht existent ist. Wie sagt man so schön: ganz großes Kino!

Warum eigentlich Abschluss des Albums, wenn es zehn Tracks gibt? Ganz einfach. „Trinity“ ist ein rein akustischer Song ohne jeglichen Gesang. Solche Lückenfüller sind ja bereits von den Colors aus „Violet“ bekannt.


Insgesamt betrachtet ist „Superstition“ ein gutes TBM Album geworden, welches vom Umfang jedoch recht knapp gehalten ist. Manche EP der Band hatte Titel in ähnlicher Höhe zu bieten. Positiv ist jedoch, dass jeder Song auf seine eigene Weise gut zu hören ist und den typischen TBM Sound aus alternativem Rock und fetten Synthies, inklusive des Abtauchens in andere Welten, rüberbringt. Kurz gesagt: Es gibt keinen Rohrkrepierer auf dem Album. „Superstition“ ist meiner Meinung nach nicht „the finest Album The Birthday Massacre has recorded to date“ (Pressetext), aber dennoch ein gutes, welches sich sicherlich in der oberen Hälfte einreiht. Das beste Album ist und bleibt bis heute „Violet“ – „Superstition“ ist aber nicht weit weg. Wer bisher noch keinen Kontakt mit der Band hatte, kann hier bedenkenlos zugreifen, die Fans tun es sowieso und ermöglichen der Band hoffentlich damit so langsam mal den großen Durchbruch in Deutschland. Dieser wurde in letzter Zeit zu vielen Durchschnittsbands mit auf Hochglanz polierter Musik ermöglicht.



THE BIRTHDAY MASSACRE - SUPERSTITION.
FAZIT.
Kurz gesagt: Es gibt keinen Rohrkrepierer auf dem Album. „Superstition“ ist meiner Meinung nach nicht „the finest Album The Birthday Massacre has recorded to date“ (Pressetext), aber dennoch ein gutes, welches sich sicherlich in der oberen Hälfte einreiht. Das beste Album ist und bleibt bis heute „Violet“ – „Superstition“ ist aber nicht weit weg. Wer bisher noch keinen Kontakt mit der Band hatte, kann hier bedenkenlos zugreifen, die Fans tun es sowieso und ermöglichen der Band hoffentlich damit so langsam mal den großen Durchbruch in Deutschland. Dieser wurde in letzter Zeit zu vielen Durchschnittsbands mit auf Hochglanz polierter Musik ermöglicht.
INHALT / KONZEPT.
8
TEXTE.
8
GESANG.
8.5
PRODUKTION.
8.5
UMFANG.
8
GESAMTEINDRUCK.
8.5
LESERWERTUNG0 Bewertungen
0
POSITIV.
The Birthday Massacre wie man sie kennt.
NEGATIV.
The Birthday Massacre wie man sie kennt.
8.3
PUNKTE.