THYX: Neues Projekt von mind.in.a.box - Mastermind Stefan Poiss am Start

THYX – Super Vision

„30% Vocoder, 40% elektronische Musik, 20% NSA und 10% mind.in.a.box.“ – so kündigte Stefan Poiss Ende letzten Jahres das neue THYX Album „Super Vision“ an. Nicht einmal ein Jahr, nachdem das bis dato aktuelle Album „Below The City“ bei Feinkostelektronikern für Entzücken sorgte. Seit 25. März ist „Super Vision“ endlich erhältlich. Und um das schon einmal vorneweg zu sagen: mit diesem raschen Ausstoß neuen Materials unter dem Namen Thyx rückt die Sehnsucht nach einem neuen mind.in.a.box Album durchaus in den Hintergrund.

Bereits in der Ankündigung wurde deutlich, was eine der inhaltichen Inspirationsquellen für „Super Vision“ gewesen sein muss: die absolute, permanente Totalüberwachung durch die NSA und ihre Verbündeten. Ein bisschen schließt sich damit der Kreis zu mind.in.a.box. Beim musikalischen großen Bruder finden sich, verpackt in ein Science-Fiction Gerüst, auch immer wieder Referenzen zu einer Agency. Und die Paranoia des Protagonisten Black kommt auch nicht von ungefähr. Mit dem, was wir heute wissen, lässt sich das bei mind.in.a.box gesponnene Dreamweb mit ganz anderen Augen betrachten. Es zeigt sich immer wieder: Science-Fiction ist weniger Fiktion als offenbar eine Anleitung, wie man es machen könnte bzw. ein Ausblick auf die Dinge, die da kommen mögen. Es überrascht also keineswegs, dass sich dieses Thema auch auf dem neuen Thyx Album wiederfindet. Nehmen wir beispielsweise den Song „Robots Don’t Lie“, in dem es unter anderem heißt: confirm the rules / undress yourself / empty your dead soul / observation never stops / only to stay in control. Eine Frage an die Smartphone- und/oder Social-Media-Nutzer: überlegt Ihr inzwischen, was Ihr postet, wo Ihr ein Like setzt oder was Ihr so an Nachrichten verschickt? Ja? Herzlichen Glückwunsch, der große Bruder hat gewonnen, die Schere im Kopf ist bereits da. Deshalb kann und sollte diese erschreckende Angelegenheit von Leuten mit entsprechender Reichweite nicht oft genug thematisiert werden.

Für Aufhorchen sorgte aber auch eine andere Sache, einhergehend mit der Ankündigung des Albums: 10% mind.in.a.box! Sieht man von inhaltlichen Überschneidungen ab, steckt gefühlt noch sehr viel mehr mind.in.a.box in diesem Album. Vor allem musikalisch. Wenn Stefan Poiss beispielsweise in „Every Time“ oder „Für immer“ seine typische, beinahe markenzeichenartige dunkle Stimme bemüht, fühle zumindest ich mich unweigerlich ein bisschen an „Crossroads“ oder „Revelations“ erinnert. Überhaupt steckt „Super Vision“ voller toller Songs. Das rebellische „Loyalty“ hat klanglich nichts mit seinem Namensvetter eines miab-Albums zu tun. Stattdessen lebt es von einer üppigen, sehr luftigen Klanglandschaft, mit herrlich druckvollen Drums. Das Ding spannt einen so großen Bogen, dass man sich glatt darin verlaufen könnte! Oder nehmen wir „Believe“. So unerhört catchy, man muss es gleich noch mal hören, wenn die letzten Töne verklungen sind. Und noch mal. Und noch mal. Um an dieser Stelle nicht jeden Song im Detail sezieren zu müssen: musikalisch setzt Stefan Poiss auf bewährte Zutaten. Synthieflächen in epischer Breite, ganz viel Tastenspielerei, dezent im Hintergrund schrabbelnde Gitarren, mal mehr, mal weniger  verzerrte Stimme. Mitunter lässt uns Stefan seine markante Stimme aber auch ungefiltert hören. All das, was sich auch bei anderen Künstlern finden lässt, vermischt er hier einmal mehr zu einem Sound, der einmal mehr schlicht und ergreifend einzigartig ist. Es ist ein Glücksfall nicht nur für Düsterelektroniker, dass sich Stefan Poiss dereinst dazu entschied, Musik zu machen. Die Krönung ist allerdings, dass der Mann scheinbar am Fließband produzieren kann, ohne Ideen oder Kreativität einzubüßen.

Erinnern wir uns: Um die Ursprünge von Thyx zu finden, könnte man eine Zeitreise von wenigstens fünfzehn Jahren zurück unternehmen. Ursprünglich war Thyx ein Song, den Stefan Poiss geschrieben hat und steht inzwischen für eine ganz bestimmte Klanglandschaft, gleich einer Spalte in der Zeit, einem Ton zwischen den Noten – ja eine Anomalie im Klang gar, welcher er seit anno dunnemals nachjagt. Wir alle kennen das: wenn uns etwas ganz besonderes gelingt, uns ein absolut erhebendes Gefühl überkommt – bedingt durch was auch immer – dann neigen wir dazu, diese Situation erneut herbeiführen zu wollen, nur um noch ein einziges Mal zu erleben, zu fühlen und zu denken, was wir beim ersten Mal erlebten, fühlten und dachten. Und auch das kennen wir: oftmals funktioniert es nicht, der Wunsch bleibt unerfüllt. Ich habe keine Ahnung, ob Stefan Poiss dieser Klanganomalie, womöglich sein persönlicher weißer Wal, überhaupt noch einmal auf die Schliche kommen wird. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob das nötig oder gar wünschenswert ist, schließlich könnte dies auch das Ende von Thyx bedeuten. Denn: wenn alle Wünsche erfüllt sind, was bleibt dann noch? Eben. Daher ist die Suche vielleicht viel spannender als das Finden. Mit „Super Vision“ dürfen wir nun ein drittes Mal an dieser Suche teilhaben. Bleibt zu hoffen, dass wir das noch diverse Male wiederholen können.

Fazit

Zu sagen gäbe es sicher noch so viel mehr zu diesem Meisterstück. Doch irgendwie lande ich immer wieder bei der Feststellung, dass der Elektro-Sound, den Stefan Poiss erschafft, genreübergreifend seinesgleichen sucht. Das ist mit dem neuen Thyx Album „Super Vision“ nicht anders. Einmal mehr macht der Österreicher den Mitbewerbern vor, dass man eigene Visionen verfolgen kann, ohne dabei irgendwelchen Trends hinterher zu hecheln. Zudem: wer ebenfalls händeringend auf ein neues mind.in.a.box Album wartet, freut sich über die „10% mind.in.a.box Anteil“, die ihren Weg in den Sound dieses Albums gefunden haben. Und sich nach deutlich mehr anfühlen. Für mich zweifelsohne eines der Elektro-Highlights 2014, weil es so herrlich unaufgeregt daherkommt, weil es einzig und alleine Stefans musikalischer Vision entspricht und nicht dem, was man uns gerade als trendy verkaufen will. Und weil es schon wieder eine ganz einzigartige Reise durch Raum und Zeit ist, eingesperrt in die Grenzen des eigenen Verstands. mind.in.a.box, quasi. Wie macht der das nur immer?


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[su_tab title=“Cover“]Thyx - Super Vision[/su_tab]
[su_tab title=“Infos“]

  • Medium: Audio CD (25. März 2014)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: Dreamweb Music

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[su_tab title=“Trackliste“]

  1. Intro
  2. Will They Learn?
  3. Robots Don’t Lie
  4. Für immer
  5. Waiting For You
  6. Don’t Let Yourself Go
  7. Loyalty
  8. Our Only Home
  9. Believe
  10. Forgotten
  11. Every Time

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[su_tab title=“Anspieltipps“]

  1. Intro
  2. Will They Learn?
  3. Robots Don’t Lie
  4. Für immer
  5. Waiting For You
  6. Don’t Let Yourself Go
  7. Loyalty
  8. Our Only Home
  9. Believe
  10. Forgotten
  11. Every Time

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[su_tab title=“Video“]

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