THYX: Neues Projekt von mind.in.a.box - Mastermind Stefan Poiss am Start
Foto: Roman Jasiek / AVALOST

THYX – The Way Home

Es passiert immer wieder: Künstler, die bereits eine renommierte Band am Start haben suchen sich eine weitere Spielwiese um sich kreativ austoben zu können. Oftmals lässt sich beobachten, dass es zwei Herzen sind, die da in einer Brust schlagen. Ist Künstler X sonst in elektronischen Gefilden zuhause wird für die Nebenbeschäftigung die Gitarre hervorgeholt. Oder eben andersherum. Auch Stefan Poiss, für gewöhnlich die musikalische, treibende Kraft hinter mind.in.a.box ist ganz offensichtlich noch nicht ausgelastet. Deshalb gibt es seit heute das Album “The Way Home” seines Nebenprojekts THYX. Da spitzen wir doch glatt die Löffel.

Wenn Ihr uns fragt, dann war es nur eine Frage der Zeit, bis mind.in.a.box ein Schwesterchen an die Seite gestellt bekommt. Schließlich ist der Rahmen, in dem man sich als Künstler bewegen kann, bei mind.in.a.box eng gesteckt. Möchte man sich nicht zu weit vom eigentlichen Konzept der Band entfernen, dann ist die Vorgabe immer: elektronisch muss es sein, mit extrem ausschweifenden Klanglandschaften. Und es muss sich in die zugrundeliegende Science Fiction-Rahmenhandlung um die Figur Black einfügen. Klar, dass man hier irgendwann eine Art Landflucht betreibt, wenn die eigentliche Beschäftigung nicht langweilig werden soll.

Und das hat Stefan Poiss getan. Für Thyx hat er mind.in.a.box einfach mind.in.a.box sein lassen. Aber keine Sorge, liebe Leute – wer nun befürchtet, Poiss macht jetzt in Rock oder so, kann beruhigt aufatmen. Wer mind.in.a.box schätzt wird sich für das Klangerlebnis Thyx nicht umgewöhnen müssen. Wie wir dem Booklet entnehmen können, handelt es sich bei Thyx ursprünglich um einen Song, den Herr Poiss vor fünfzehn Jahren geschrieben hat. Für ihn, so wird überliefert, stehe Thyx für eine bestimmte Soundlandschaft. Was er damals entdeckt habe sei eine Spalte in der Zeit, ein Ton zwischen den Noten. Eine zufällige Anomalie im Klang, den er mittels dieses Albums erneut erschaffen möchte. Die Musik dieses Albums sei das Ergebnis dieser Suche, so heißt es.

Das hört sich in der Theorie ja spannend an. In der Praxis klingt “The Way Home” wie ein verloren geglaubtes Bindeglied der letzten beiden mind.in.a.box-Alben. Unerhört ausschweifende, luftige, elektronische Klanglandschaften. Um es in Bildern auszudrücken: “The Way Home” ist wie ein Nachtflug über eine gigantische Großstadt. Langsam gleitet der Sound zwischen himmelshohen Wolkenkratzern dahin, flankiert von flackernden Neon-Leuchtreklamen, umgarnt von allgegenwärtigem Schatten… Musikalisch bewegt sich Poiss auf gewohntem Terrain. Verzerrte Vocals, wie wir sie von mind.in.a.box kennen, pulsierende elektronische Grundgerüste, und immer wieder auch ein Hauch akustischer Spurenelemente. Und hin und wieder zeigt uns Herr Poiss auch, dass die verzerrte Stimme lediglich ein Stilmittel aus dramatischen Gründen ist und nicht etwa nötig, um etwaige Unzulänglichkeiten zu kaschieren.

mind.in.a.box-Fans können hier blind zugreifen. Alle anderen Freunde elektronischer Spielmannskost, die genug haben vom ewig gleichen 4/4-Takt Gebummer ohne Inhalt, ohne Seele, eigentlich auch. Es gab in der elektronischen Musiklandschaft unserer Szene bisher keine Band, die auch nur ansatzweise an den einzigartigen Charakter von mind.in.a.box heranreicht. Mit Thyx haben wir nun zwei Bands, die ihr ganz eigenes Genre definieren. Die entsprechende Genußanleitung liefert Thyx im Booklet übrigens gleich mit: “Put your headphones on and join me on this trip”. Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.


Ich hatte nicht erwartet, dass sich Thyx musikalisch sonderlich von mind.in.a.box unterscheidet. Und tatsächlich bin ich auch sehr froh darüber, dass diese Erwartung erfüllt wurde. Ich halte mind.in.a.box für eine der spannendsten Bands im düsteren Electro-Bereich und bin sehr froh, dass Thyx diese Tradition fort führt. Das grundsätzliche musikalische Konzept funktioniert also auch, ohne dass es um die Geschichte von Black drumherum konstruiert wird. “The Way Home” überbrückt ganz wunderbar die Zeit bis zum nächsten mind.in.a.box Album – und ist dabei sehr viel mehr als nur ein Lückenfüller. Eine faszinierende, knapp 50-minütige Reise durch Zeit und Raum und Klang. Das ist es, was es ist.


Thyx - The Way Home


mind.in.a.box-Fans können hier blind zugreifen. Alle anderen Freunde elektronischer Spielmannskost, die genug haben vom ewig gleichen 4/4-Takt Gebummer ohne Inhalt, ohne Seele, eigentlich auch. Es gab in der elektronischen Musiklandschaft unserer Szene bisher keine Band, die auch nur ansatzweise an den einzigartigen Charakter von mind.in.a.box heranreicht. Mit Thyx haben wir nun zwei Bands, die ihr ganz eigenes Genre definieren.
INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8.5
GESANG.8.5
PRODUKTION.9
UMFANG.8.5
GESAMTEINDRUCK.9
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Musikalisch das gleiche Schwergewicht wie mind.in.a.box - gleiche Einzigartigkeit inklusive
8.6
TOTAL.