Quelle: Bakraufarfita Records

TOMAS TULPE – Der Mann im Pfandautomat

Im Frühjahr traf es die Musikwelt wie ein Donnerschlag. Auf seiner Tour gab der beste Sänger der Welt – Tomas ‚fucking‘ Tulpe – seinen Abschied aus dem Business bekannt. Dies sollte nun also die Abschiedstour des ‚King of Trash‘ sein. Man sah Fans in Tränen ausbrechen, apathisch zur Bar gehen, ihre Trauer in Fanta ertrinken. Menschenmassen gingen in der Folge auf die Straßen zum „Tuesday for Tulpe“. Sie wollten es nicht wahrhaben. Nun ist Tomas Tulpe ein empathischer Verrückter unter den Verrückten. Mit „Der Mann im Pfandautomat“ ist jetzt also das Comeback Album auf dem Weg. Die Fans atmen auf, rennen freudestrahlend zur Bar und feiern diese Nachricht mit Fanta.

Das Vorgängeralbum „In der Kantine gab es Bohnen“ war ein wilder Ritt durch das Leben des ‚Iggy Pop vom Ostkreuz‘. Auch der Opener des neuen Polycarbonats ist eine sozialkritische Abrechnung mit der auf Perfektion getrimmten Gesellschaft. In „Botox im Bauch“ verarbeitet Tulpe die Erfahrung regelmäßig auf seinen angeblich zu dicken Bauch angesprochen zu werden. Skandal. Ein Tomas Tulpe ist nicht dick, er hat Botox im Bauch seines exklusiven Spitzenkörpers. Musikalisch eine tanzbare Electronummer mit popiger Hookline. Der exklusive Spitzenkörper eines Tomas Tulpe wird zudem regelmäßig gepflegt. Tulpe erzählt in „Ich geh in die Sauna“ wie er dort sitzt und schwitzt und ins kalte Nass springt. Schwitzen scheint ein Thema zu sein, welches den Künstler regelmäßig beschäftigt.

Das erste Video wurde zum Song „Gebäck im Gepäck“ veröffentlicht. Laut Tulpe der beste Song den er je geschrieben hat. Wilder Acid wird mit den tulpschen Drumloops unterlegt. Tatsächlich einer der Hits des Albums. Im Video rennt Tomas als Rotkäppchen durch die Berliner Nacht und versucht seine Großmutter vor dem bösen Wolf zu retten. Dadaistischer Thrill und eine der besten Adaptionen grimmscher Märchen. Sollten sich Fans auf der kommenden Tour ihrem Idol T.T. nähern, ist es jedoch ratsam keine Schnitten von Mutti dabei zu haben. Ansonsten heißt es sofort „Komm doch bitte nicht mit Deiner dicken Butterstulle an mich ran“. Diese Erfahrungen musste einst eine junge Dame machen, welche im Straßenverkehr den God of Trash auf seinem Moped übersah. Musikalisch verewigt als melodischer Electroclash. In der Hauptstadt scheint Tulpe gerne Ravepartys zu veranstalten. Aber Obacht, fragt er dich ob er „Dein Zimmer in Berlin“ haben kann, kannst du deine Kaution vergessen. Als Gast jedoch eine echte Alternative zum Berghain, falls Sven Marquardt einen mal wieder nicht reinlässt. Melodischer Electroclash mit einem schönen popigen Refrain.

Den ultimativen Lifehack um reich zu werden hat der Meister des Wahnsinns auch parat. „Save Money, Get Rich“ ist eine wilde Acid-Nummer, die an das Feature „Synthesizer“ mit Korrekte Aussprache erinnert. Tanzbar und wild. Allerdings sollten Musikenthusiasten beim Kauf des neuen Werks von Tomas Tulpe nicht sparen. Dies darf gern käuflich erworben werden (Anm. d. Autors).
Für alle Feierwütigen und Vereinssportler ist wohl die Acid-Electroclash-Hymne „Bier auf’n Weg“ geschrieben worden. Auf dem Weg in die Disco (oder nach dem Training) immer mal ein Bier dabeihaben. Macht wohl glücklich und geht immer. Egal ob bei Regen oder Sonne. Falls der Künstler aber mal keine Lust auf Party auswärts hat, veranstaltet er diese im eigenen Mietshaus. Dann heißt es „Freude im Gebäude“. Als Partykracher der legitime Nachfolger zu „Disco“ vom Debutalbum „Hatschi“.

Das gesamte Album handelte bisher irgendwie von Sex – außer dem Song „I don‘t want a photo“. Der laut Pressetext erste Song, den Tulpe komplett auf Englisch schrieb und das obwohl er gar keine Fremdsprachen spricht (außer etwas Spanisch, und fließend Französisch oder wahlweise Italienisch. Auch im Russischen kann er sich akzentfrei verständigen). Wahnsinn. Der Mann macht aus jedem Talent, welches er nicht hat, ein Kunstwerk. Der Hörer taucht hier in das Leben eines Superstars ein. Die melancholische Minimalnummer behandelt auf eingängige Weise die Schattenseiten des Musikerlebens. Papparazzi, Fans und kaum Privatsphäre. Auch bei Konzerten von Tulpe sind Fotos unerwünscht. Bei Konzerten hat man zu tanzen. Mutige zücken trotzdem das Handy.

Ein weiteres Talent von Tomas Tulpe ist die musikalische Biografie. „Jeder kennt Jarvis Cocker“ ist eine mitreißende Electro-Pop-Nummer mit einer herausragend intimen Charakterisierung des Sängers der Band Pulp. Dies könnte ein zweites berufliches Standbein für den Berliner Künstler werden. Was Sven Marquardt für das Berghain ist, ist „Der Mann im Pfandautomat“ im Supermarkt. Das Grande Finale des Albums. Die melancholische Geschichte vom einsamsten Job im Supermarkt, ist so tragisch wie ergreifend. Wie schon im Song über Jarvis Cocker gelingt es Tulpe auf einfühlsame Weise dem Zuhörer die Augen zu öffnen. Denkt bitte – BITTE – immer daran das Etikett auf dem Leergut zu lassen. Wie soll der Mann sonst arbeiten?


Der King of Trash begeistert nun zum vierten Mal die Massen mit seiner Kunst des minimalen Electro/EBM. Die Sequenzen und Drumloops sitzen perfekt. Die eingängigen Melodien und tanzbaren Arrangements begeistern den Hörer sofort. Leider sind einige Songs recht kurz. Deshalb der Tipp der Plattenfirma, dass man sie direkt zweimal hören kann. Einfach die Polycarbonat neu starten und der Spaß beginnt von vorn. Selbst Tomas’ Nachbarin fragte an, ob sie sich die CD brennen könne, denn sie gefiel ihr sehr. Jedoch muss auch sie diese kaufen. Da hilft es nicht, dass sie eine jahrelange Sexualaffäre mit dem Künstler selbst verbindet. Auch er muss in Zeiten des Streamings überleben. Es ist ein hartes Künstlerlife. Deshalb wird auch in diesem Spätsommer und Herbst wieder viel Live gespielt. Mir ist tatsächlich langsam schleierhaft, warum Tomas Tulpe noch immer in kleinen Klubs auftritt. Denn TULPE buchstabiert man: „Tanzt unbändig leidenschaftlich pfoller Esktase“ (eventuell steht das „P“ auch für Porno, geht es bei Tulpe ja irgendwie immer um Sex). Andererseits ist die Wahl kleiner Bühnen für alle Fans jedes Mal ein Highlight. Denn wie schon erwähnt, ist der Künstler ein nahbarer Verrückter. Auch die neuen Songs werden die Massen begeistern und von der elektronischen Bühnenwurst mit vollem Körpereinsatz vorgetragen. Aber denkt dran: keine Fotos bei Konzerten. Bei Konzerten – TOTAL EKSTATISCH TANZEN!


Bei Apple Music abspielen

Apple Music Player laden

Durch das Laden akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Apple.


TOMAS TULPE – Der Mann im Pfandautomat
FAZIT
Der King of Trash begeistert nun zum vierten Mal die Massen mit seiner Kunst des minimalen Electro/EBM. Die Sequenzen und Drumloops sitzen perfekt. Die eingängigen Melodien und tanzbaren Arrangements begeistern den Hörer sofort. Leider sind einige Songs recht kurz. Deshalb der Tipp der Plattenfirma, dass man sie direkt zweimal hören kann. Einfach die Polycarbonat neu starten und der Spaß beginnt von vorn. Selbst Tomas’ Nachbarin fragte an, ob sie sich die CD brennen könne, denn sie gefiel ihr sehr. Jedoch muss auch sie diese kaufen. Da hilft es nicht, dass sie eine jahrelange Sexualaffäre mit dem Künstler selbst verbindet. Auch er muss in Zeiten des Streamings überleben. Es ist ein hartes Künstlerlife. Deshalb wird auch in diesem Spätsommer und Herbst wieder viel Live gespielt. Mir ist tatsächlich langsam schleierhaft, warum Tomas Tulpe noch immer in kleinen Klubs auftritt. Denn TULPE buchstabiert man: „Tanzt unbändig leidenschaftlich pfoller Esktase“ (eventuell steht das „P“ auch für Porno, geht es bei Tulpe ja irgendwie immer um Sex).
INHALT / KONZEPTE
9
TEXTE
10
GESANG
9
PRODUKTION
10
UMFANG
6
GESAMTEINDRUCK
9
Leserwertung0 Bewertungen
0
POSITIV
+ Funtastische Texte.
+ Hervorragend produziert.
+ Eingängige Melodien.
+ Abwechslungsreicher und tanzbarer Mix aus Minimal, Electro, EBM.
NEGATIV
- Kurze Spieldauer.
8.8
PUNKTE
Redakteur

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

INHALT / KONZEPTE
TEXTE
GESANG
PRODUKTION
UMFANG
GESAMTEINDRUCK
Finale Bewertung