WELLE ERDBALL – Die Unsichtbaren

Um Sie an dieser Stelle noch einmal kurz ins Boot zu holen: Am 11. Oktober dieses Jahres erscheint mit „Die Unsichtbaren“ eine neue Schallplatte von Welle: Erdball, die als Vorbote des kommenden Albums „Mumien, Monstren, Mutationen“ dient. Soweit, so bekannt. Weiterhin bekannt sind die personellen Veränderungen im Moderationsteam des Senders; aus den Anfangstagen ist nur noch Honey übrig. Das sind die Fakten, meine Damen und Herren, und die Frage die sich nun stellt: Wie klingt diese neue Sendung? Wie machen sich die Änderungen im Programmablauf bemerkbar? Machen sie sich überhaupt bemerkbar? Oder ist dort, wo Welle: Erdball angeschrieben steht, noch immer Welle: Erdball enthalten – so wie man es kennt und schätzt? Spekulieren kann man viel, doch es hilft nichts: Man wird selbst ein Ohr riskieren müssen. Und das haben wir getan und berichten nachfolgend von der neuen Sendung „Die Unsichtbaren“.

Vielleicht ein Wort vorab: Auch die neue Sendung lässt sich ganz bequem als Welle: Erdball-Sendung verkaufen, etwaige Befürchtungen einer Neuausrichtung oder dergleichen bleiben unbegründet. Viele vertraute Elemente schwingen aus dem Äther ins Ohr der Hörerschaft, gleichwohl wäre es falsch zu sagen: Es hat sich nichts getan im Funkhaus. Denn dem ist nicht so. Dem Titelstück „Die Unsichtbaren“ ließe sich noch am ehesten der Stempel „typisch“ aufdrücken. Leider will zumindest mich diese Musik gewordene Fantasie über den Spaß, unsichtbar zu sein (das haben wir alle schon mal geträumt, dessen bin ich sicher), nicht wirklich abholen. Musikalisch ist alles drin, was man vom Sender gewohnt ist, dennoch wirkt es angestrengt und gewollt ohrwurmig – und schießt damit über das Ziel hinaus. Jede Wette, dass „Die Unsichtbaren“ in der Geschichte des Senders nicht den wichtigsten Platz einnehmen wird. In der Gunst der Hörer ebenso wenig. Nun besteht dieser musikalische Vorgeschmack des kommenden Albums aber nicht nur aus „Die Unsichtbaren“ – zum Glück!

Das (für Senderverhältnisse) überraschend düstere „Mama, Papa, Zombie“ beispielsweise kann ungleich mehr und erinnert an jene früheren Tage des Senders, als eher die minimalelekronische Seite den Vorrang gegenüber Schlagerkitsch und NDW hatte. Wer also der Meinung ist, früher sei alles besser gewesen, möge es doch mal mit dieser Nummer versuchen. „Mama, Papa, Zombie“ kommt diesem ominösen Früher™️, in welchem Arbeit noch adelte, erstaunlich nahe. Und vollbringt dabei das Kunststück, frisch und unverbraucht zu klingen. Irgendwie vertraut und doch aufregend neu.

Persönliches Highlight des Autoren dieser Zeilen ist aber „Mumien im Autokino“, eine sehr von 80er Jahre Synthies durchzogene Pop-Nummer, die aus mehrerlei Gründen punktet: Die eingängige Melodie, die ein bisschen was von Nenas Tun aus dem gleichen Jahrzehnt hat, die vielen Anspielungen an Gruselfilmklassiker und überhaupt die Tanz- und Feiertauglichkeit. Was sie mit dem Titelstück nicht geschafft haben, holen Welle: Erdball mit „Mumien im Autokino“ nach: Einen neuen Klassiker schaffen, der gekommen ist um zu bleiben. Und der bei Live-Darbietungen mit Sicherheit viel Anklang finden wird. Meine Damen und Herren, DAS sind 100%!

Nun wäre scheinbar keine Sendung Welle: Erdballs komplett ohne eine obligatorische Coverversion. Die Wahl fiel konsequenterweise auf „Monster Mash“, 1962 erstmals in die Welt geträllert von BobbyBorisPickett. Zu den Dingen, die Welle: Erdball im Verlaufe ihrer zahlreichen Sendungen immer wieder bewiesen haben, dann dass sie durchaus in der Lage sind, gelungene und stimmungsvolle Coversongs zu machen. So auch hier, stark akzentuierten Gesang inklusive. „Monster Mash“ aus dem Hause Welle: Erdball wird, davon ist auszugehen, künftig in der Playlist so mancher Halloween-Party zu finden sein. Und mit Blick auf den Kalender kommt die Nummer gerade zur rechten Zeit.

Zum Schluss gibt es noch den TAX5-Remix des Titelstücks zu hören, der mit seiner Ausrichtung auf Bummstechno der heißere Kandidat für die Tanzflächen ist. Zur Verausgabung in Düstertanztempeln geht diese Fassung durchaus klar.


Diese EP überraschte mich. Zuletzt war es ja doch so, dass, sobald eine neue Sendung von Welle: Erdball angekündigt war, ich im Prinzip schon wusste, was mich erwartet. Bin mir sicher, dass es vielen Hörern des Senders ähnlich geht. Mit „Die Unsichtbaren“ erfindet sich Welle: Erdball nicht neu, gleichwohl wirkt dieser EP wie eine Frischzellenkur. Ob das mit den personellen Veränderungen zusammenhängt kann ich nicht beurteilen, die Vermutung liegt jedoch nahe. Wenn auch ausgerechnet das Titelstück mich gänzlich kalt lässt – der Rest dieser Veröffentlichung tut es nicht. „Mama, Papa, Zombie“, „Mumien im Autokino“ und die Coverversion von „Monster Mash“ sind Welle: Erdball ausgesprochen gut gelungen. In Summe steigert „Die Unsichtbaren“ die Erwartungshaltung auf „Mumien, Monstren, Mutationen“ sehr! Bis es soweit ist, sei ein (gerne auch wiederholtes) Einschalten dieser Sendung hier gern empfohlen. Halloween kann nun kommen. Und damit geben wir erst einmal wieder zurück ins Funkhaus.



FAZIT
Mit „Die Unsichtbaren“ erfindet sich Welle: Erdball nicht neu, gleichwohl wirkt dieser EP wie eine Frischzellenkur. Ob das mit den personellen Veränderungen zusammenhängt kann ich nicht beurteilen, die Vermutung liegt jedoch nahe. Wenn auch ausgerechnet das Titelstück mich gänzlich kalt lässt - der Rest dieser Veröffentlichung tut es nicht. „Mama, Papa, Zombie“, „Mumien im Autokino“ und die Coverversion von „Monster Mash“ sind Welle: Erdball ausgesprochen gut gelungen. In Summe steigert „Die Unsichtbaren“ die Erwartungshaltung auf „Mumien, Monstren, Mutationen“ sehr! Bis es soweit ist, sei ein (gerne auch wiederholtes) Einschalten dieser Sendung hier gern empfohlen.
Gut
  • "Mama, Papa, Zombies", "Mumien im Autokino" und "Monster Mash" sind dem Sender gut gelungen.
  • Überhaupt tönt Welle: Erdball erstaunlich frisch aus dem Äther.
Schlecht
  • Ausgerechnet der Titelsong ist eher schwach.
7.6
Gut
INHALT / KONZEPT - 7
TEXTE - 7.5
GESANG - 7.5
PRODUKTION - 8
UMFANG - 7
GESAMTEINDRUCK - 8.5
Roman Jasiek
Geschrieben von
Roman Jasiek ist Blogger sowie einer der beiden Gründer von AVALOST. Außerdem hochgradig süchtig nach Musik, ganz gleich welches Genre. Am liebsten allerdings elektronische Musik. Er reist gerne, bevorzugt mit Schiffen, und schreibt seit Ende der 90er mal hier, mal dort über alle möglichen Dinge. Anfangs über Comics, später über Videospiele und nun... na, Ihr seht es ja. Und wenn er nicht hier ist, dann ist er vermutlich mit seiner Kamera in der Weltgeschichte unterwegs.

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