Zu den Gründen, warum ich meinen vor Jaaaaaaaaahren abgeschafften Fernseher nicht mehr ersetzen werde, gehören diese unsäglichen Casting-Shows. Weder muss ich mir angucken wie sich jemand zum Vollpfosten macht, noch halte ich sonderlich viel von den Gewinnern. Echte Musiker klettern die Karriereleiter in meinen Augen anders hoch. Tja und trotzdem unterhalten wir uns jetzt wieder einmal über einen, der mal an so einer Show teilgenommen und sie gewonnen hat, bereits zwei Alben veröffentlichte und gerade mit einer neuen EP namens „The View“ an den Start gegangen ist. Die Rede ist von DAVID PFEFFER, der 2011 bei X-Factor abräumte. Warum wir das machen? Nun ja, über den Tellerrand zu blicken hat noch nie geschadet und wer weiß, vielleicht taugt das ja was?

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, erreichen mich tagein tagaus eine Menge Themenvorschläge. Von Natur aus neugierig und unendlich hungrig nach neuer Mucke höre ich mir stets auch alles wenigstens einmal an. Könnte ja was Cooles dabei sein, selbst unter den CDS die ich sonst nicht mal anfassen würde, um mein Bier darauf abzustellen. Auch wenn man keine Glotze hat und mit dem Casting-Quatsch eigentlich nicht in Berührung kommen könnte – so ganz davon verschont bleibt man davon ja leider nicht. Aber immerhin: die meisten Figuren, die sich da kurz ins Rampenlicht schieben, verschwinden zum Glück genauso schnell auch wieder. Wer sich da nur des kurzen Ruhmes wegen hinstellt und wer vielleicht tatsächlich Musik im Blut hat – das zeigt sich spätestens dann, ob ein zweites, vielleicht drittes Album folgt, wenn sich der erste Fame gelegt hat und mit welcher Hingabe dieses gemacht wurde. Die „Gewinner-Alben“ sind stets mit der heißen Nadel gestrickt. Würde mich nicht wundern, wenn die Teile schon immer fertig irgendwo auf Halde liegen und durch die Show nur noch ermittelt werden muss, wer das einsingen und das Cover mit seiner Birne schmücken darf. Selbst trotz meiner gepflegten Vorurteile gegenüber Casting-Shows höre ich mir also an, wenn da was Neues kommt. Auch wenn ich, wie in diesem Fall, erst hinterher erfahre, dass ich gerade einen Casting-Gewinner gehört habe. Da tauschen Vorurteile und Unvoreingenommenheit ganz schnell mal die Plätze. David Pfeffer hatte ich bis dato nicht auf dem Schirm. Und bei einem der letzten Hördurchgänge neuer Promos hatte sich „The View“ mit in die Playlist geschlichen. Und was soll ich sagen? Ich war anschließend einigermaßen angetan davon und habe mir das Thema auf Wiedervorlage genommen. Das Ergebnis lest Ihr gerade.

Pfeffer stammt aus dem Ruhrgebiet und bevor er 2011 beim besagten X-Factor teilgenommen hatte, konnte er schon auf ein paar Jahre Musikmacherei zurückblicken. Die erste Band gründete er im zarten Alter von 14 Jahren, zusammen mit seiner Band Inpaticula veröffentlichte er eine EP und ein Album. Das 2011 veröffentlichte „In The Cold Light Of The Day“ wurde beim Radiosender 1 Live vorgestellt, die Band selber zur „Band des Monats“ gekürt. Und obwohl Pfeffer im „echten Leben“ eine sichere Karriere als Polizeikommissar hinlegen hätte können – geregeltes und gesichertes Einkommen und Altersvorsorge und alles – schmiss er Ende 2012 hin und entschied sich, sein berufliches Tun ganz der Musik zu widmen. Ich muss zugeben, das beeindruckt mich ein bisschen. Die Chancen, ein Weltstar zu werden, der in Saus und Braus vom Verkauf der Tonträger lebt, sind heutigentags wohl nicht mehr so sonderlich hoch. Dennoch den Schritt zu wagen und das zu tun, wofür scheinbar die Seele brennt, zeugt für mich von einer Ernsthaftigkeit, die ich gerade bei diesen Casting-Fuzzis nicht erwarten würde. Respekt!

Und auch wenn Pfeffers Solo-Debüt „I Mind“ mich gänzlich kalt lässt und das zweite Album „Waking Life And Fading Pictures“ auch in weiten Teilen an mir vorbei gerauscht ist, ohne mich irgendwie zu kicken – die neue EP „The View“ ließ mich manches Mal positiv überrascht „oha“ denken. Gerade die ersten drei Stücke „Peace Of Mind“, „Oh My God“ und „Out Of My Head“ bestechen durch knackige Arrangements, die mit ganz viel pfiffiger Elektronik aufgepeppt wurde. Dass sich die Songs mitunter in pathetischem Bombast sonnen, stört dabei nicht. Das funktioniert bei Bands wie Hurts ja auch schon seit Jahr und Tag ganz hervorragend. Und in eine ähnliche synthiepoppige Richtung bewegen sich Herr Pfeffer und Kollegen gerade auch. Potential, über die Landesgrenzen Deutschlands, Österreichs sowie die der Schweiz hinweg gehör zu finden, ist klar vorhanden. Dass ich das mal über einen Casting-Gewinner schreiben würde! Aber auch wenn es schön ist, seine Vorurteile zu pflegen – noch schöner ist doch, wenn sie über Bord gefegt werden. Wer hingegen den Pop-Rock der ersten beiden Alben vorzieht, wird mit „Live To See“ und „Not Now“ bedient. Die Highlights sind hier das stimmliche Können Pfeffers, ansonsten holen mich persönlich die Stücke aber nicht mehr so ab. Sie sind nicht schlecht, keine Frage, lassen im direkten Vergleich aber die Pfiffigkeit der ersten drei Songs vermissen.


Das erste Album „I Mind“ klingt für mich genau so, wie ich es von einem Album eines Casting-Show-Gewinners erwarte: ein Kessel Buntes aus dem Bereich Pop und Rock, ziemlich glatt und für’s Radio bestens geeignet. Eben was für Mutti, die Zielgruppe der Bravo und jene, deren Durst nach Musik mit einem unspezifischem Radioprogramm bereits gestillt ist. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Album „Waking Life And Fading Pictures“, auch wenn das schon über deutlich mehr Seele verfügte. Diese „The View“-EP hier jedoch lässt mich neugierig werden. Die Zutaten sind weitgehend noch die gleichen, das teilweise aber neu hinzugekommene, geschickt eingewobene Synthetische kommt ziemlich gut. Das hinterlässt mehr Eindruck als der gewohnte Pop-Rock-Mischmasch, der zwar nicht schlecht ist, aber eben leider auch ziemlich beliebig. Ginge dieser Pfeffer den Weg nun also weiter könnte er sich bequem irgendwo dort positionieren, wo man Bands wie Hurts gerne hört. Ober da hin möchte ist freilich eine andere Frage. Für einen, der einen sicheren Job zugunsten der Musik an den Nagel gehangen hat, sehe ich in den ersten drei Stücken dieser EP aber durchaus internationales Format. Mal gucken, was das dritte Album schlussendlich dann kann, wenn es ab Herbst 2015 erhältlich sein wird. Es liegt Gespannung in der Luft.


DavidPfeffer_VIEW_cover


DAVID PFEFFER - The View
Diese „The View“-EP hier jedoch lässt mich neugierig werden. Die Zutaten sind weitgehend noch die gleichen, das teilweise aber neu hinzugekommene, geschickt eingewobene Synthetische kommt ziemlich gut. Das hinterlässt mehr Eindruck als der gewohnte Pop-Rock-Mischmasch, der zwar nicht schlecht ist, aber eben leider auch ziemlich beliebig. Ginge dieser Pfeffer den Weg nun also weiter könnte er sich bequem irgendwo dort positionieren, wo man Bands wie Hurts gerne hört. Ober da hin möchte ist freilich eine andere Frage. Für einen, der einen sicheren Job zugunsten der Musik an den Nagel gehangen hat, sehe ich in den ersten drei Stücken dieser EP aber durchaus internationales Format.
INHALT / KONZEPT.6.4
TEXTE.6.5
GESANG.7
PRODUKTION.7.5
UMFANG.6.5
GESAMTEINDRUCK.7.4
6.9TOTAL.
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