Foto: E Works/PIAS

EELS – Royal Albert Hall

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Für einen kurzen Moment war ich versucht, den nachfolgenden Text unter der Rubrik Konzertberichte abzulegen. So sehr kann man bei „Royal Albert Hall“, der neuen Live-CD/-DVD aus dem Hause EELS mittendrin und dabei sein! Das aber nur am Rande und zugegebenermaßen etwas vorweg gegriffen. Zum Thema: Auf ihrer 53 Stationen umfassenden Welttournee, die im Mai 2014 startete, machten Eels am Abend des 30. Juni 2014 Station in der Royal Albert Hall. Nicht nur, um einmal mehr an diesem ganz besonderen Ort einfach „nur“ ein Konzert zu spielen. Oder um einfach „nur“ ein weiteres Live-Album aufzunehmen. Das siebte inzwischen. Nö, dieses Mal sollte das ganze auch filmisch für die Nachwelt festgehalten werden. Mit einer Vielzahl an Kameras rückte die Band aus, um dieses Unterfangen anzugehen. Es dauerte dann noch ein paar Monate, doch seit wenigen Tagen ist das Ergebnis für jedermann erhältlich. Versuchen wir mal zu ergründen, warum „Royal Albert Hall“, so der schlichte Titel, nicht nur für Fans der Kalifornier eine lohnenswerte Anschaffung ist, sondern vielleicht auch für Konzertgänger und Liebhabern von Konzert-DVDs.

Unabhängig davon, ob man mit der Musik der Eels etwas anfangen kann oder nicht – witzig ist es schon, ihnen bei ihrem Gastspiel in der Royal Albert Hall zuzusehen. Vor allem bei den Zwischenansagen. So erklärt E(verett) beispielsweise, dass sie zuletzt vor neun Jahren an diesem geschichtsträchtigen Ort gespielt hätten und es ihnen trotz Nachfrage verboten sei, die massive Orgel zu spielen. Das sei eben nichts für Rockbands, auch nicht wenn sie Softrock machten. Da müsse man schon eher Mitglied in der Königlichen Gesellschaft der Orgelspieler sein. E beschloss nach der neuerlichen Ablehnung also, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen. Jubel im Publikum. Oder wenn er erklärt, hier habe einst John Lennon gestanden, auf eine bestimmt Stelle zeigt, anschließend in die Knie geht, den Boden küsst und unmittelbar danach launisch kommentiert, es müsse wohl eher Keith Richards gewesen sein, dann steigert das den Unterhaltungswert dieses tollen Konzertmitschnitts ungemein.

Alleine der Einstieg in die DVD ist schon gelungen. Ein paar schwarzweiße Außenaufnahmen der Royal Albert Hall, ein paar schüchterne Schneeflocken die vom Himmel fallen, gefolgt von einem Schnitt und der Überblendung in den Backstage-Bereich, wo sich die Herren für eine Prise Schabernack nicht zu schade sind. Schnell noch einmal die Nasenhaare trimmen? Kann man mal machen. Dachte sich offensichtlich auch The Chet.

Nach diesem kurzen Intro geht es dann auch schon direkt mit dem eigentlichen Mitschnitt los. Es folgen knapp anderthalb Stunden guter Konzertunterhaltung, die filmisch sauber eingefangen wurde. Regie, Kameraleute und die Menschen, die anschließend für die Nachbearbeitung, den Schnitt usw. zuständig waren, bewiesen hier ein sicheres Händchen, das Ereignis überzeugend für die Nachwelt festzuhalten. Bild und Ton gehen durchaus in Ordnung, auch wenn eine Blu-Ray mit Hinblick auf die Bildkompression sicherlich wünschenswerter gewesen wäre. Das Konzert selbst besteht zu einem großen Teil natürlich aus Songs des letzten Albums „The Cautionary Tales Of Mark Oliver Everett“. Aber auch gern genommene Klassiker wie „Fresh Feelings“, „I Like Birds“ sowie die Coverversion des Elvis-Klassikers „Can’t Help Falling In Love“ fanden ihren Weg in die insgesamt 28 Titel umfassende Setliste. Dass sich E und der Rest der Bande spielfreudig und gut aufgelegt präsentierten, liegt nahe – immerhin wussten sie ja, dass die Kameras mitliefen. Derer übrigens zwölf an der Zahl! Noch dazu spielt man ja nicht alle Tage in der Royal Albert Hall. Für die Besucher des Konzerts und den Konsumenten der DVD dennoch ein Glücksfall. So dargeboten folgt man den eigentümlich traurigen, augenzwinkernden Geschichten der Eels gleich nochmal so gerne.

Um ihren Fans ein richtig schönes Paket zu schnüren, legten Eels der DVD das Konzert auch nochmal als Audio-Doppel-CD bei. Oder die DVD lag den CDs bei, das könnt Ihr halten wie Ihr wollt. Ähnlich wie die DVD überzeugt die CD durch einen sehr feinen, dynamischen und differenzierten Klang. Wenn doch nur jeder Live-Mitschnitt wenigstens dieses Niveau erreichte! Aber Teilnehmer der Düsterszene etwa wissen: auf diesem Gebiet sieht es manchmal ziemlich finster aus. Hier jedoch nicht. Wenn ich die Augen schließe überkommt mich fast das Gefühl, Eels würden direkt in meinem Musikzimmer aufspielen. Ziemlich cool. Allerdings: auch das unterhaltsame Gequatsche von Herrn Everett ist mit auf den CDs. Es fetzt jedoch mehr, wenn man sich den kauzigen Typen dazu auch angucken kann. Umgekehrt: mit seiner dunklen, rauchigen Stimme gäbe der Mann sicher auch einen prima Synchronsprecher ab.

Zusammengefasst lässt sich sagen: ein tolles „gentlemen’s Eels concert“ (Zitat Everett), unterhaltsam, kauzig und spielfreudig dargeboten von einem erprobten Team, audiovisuell bestens eingefangen und das alles auf den Markt geworfen zum fairen Preis. Da gibt es nichts zu meckern und zu mäkeln, das Ding ist eine runde Sache. Oh und sie zeigt nur eine weitere von unzählig vielen Facetten dieser höchst bemerkenswerten Band.


Nach meinem Dafürhalten gehören Konzerte zu den tollsten Erfindungen ever. Wer sich von diesem Fieber nicht anstecken lassen hat wird nie verstehen, wie man sich fühlt, wenn man mit unzähligen anderen in einer Spielstätte steht und der (mindestens!) geschätzte Künstler die Songs spielt, die einem so viel bedeuten. Wer aber von diesem Fieber infiziert wurde, der nimmt sich Erinnerungen an diese Abende gerne mal mit nach Hause. Oder holt dieses oder jenes Erlebnis mittels Tonträger nach, so gut es damit eben möglich ist. Wer nicht Ende Juni des letzten Jahres zufällig in der Royal Albert Hall zugegen war – und das dürfte wohl auf die meisten von uns nicht zutreffen, denke ich – kann sich nun also dieses 2CD+DVD Päckchen mit nach Hause nehmen. Und sich dort dank der liebevollen inhaltlichen wie technischen Umsetzung an einem großartigen Konzert erfreuen. Beinahe ein bisschen so, als sei man selbst mit dabei gewesen.



Zusammengefasst lässt sich sagen: ein tolles „gentlemen’s Eels concert“ (Zitat Everett), unterhaltsam, kauzig und spielfreudig dargeboten von einem erprobten Team, audiovisuell bestens eingefangen und das alles auf den Markt geworfen zum fairen Preis. Da gibt es nichts zu meckern und zu mäkeln, das Ding ist eine runde Sache. Oh und sie zeigt nur eine weitere von unzählig vielen Facetten dieser höchst bemerkenswerten Band.
INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8.5
GESANG.8.5
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8.5
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Überzeugendes Mittendrin-Gefühl, prima eingefangen und technisch sauber umgesetzt
8.4
GESAMT.

NEUE KOMMENTARE.

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    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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