Foto: Ego Likeness

EGO LIKENESS – When The Wolves Return

Puh, Kinder wie die Zeit vergeht! Sind wirklich schon wieder fünf Jahre vorüber, seit wir uns zuletzt über das düsterelektronische Duo EGO LIKENESS unterhalten haben? Tatsache! „Breedless“ datiert zurück auf das Jahr 2010, die Jahre 2011 bis 2015 nutzten Donna Lynch und Steven Archer mit dem Schreiben und Aufnehmen neuer Songs. Zwölf an der Zahl sind es geworden, die jetzt auf dem neuen Album „When The Wolves Return“ versammelt erhältlich sind. Ob die heute auch noch so kopflastige Mucke machen wie damals? Gucken wir uns das mal an.

Im Gegensatz zu so manchem Mitbewerber im weiten Feld der Düstermucke beschränken sich Ego Likeness nicht darauf, irgendwelchen Weltschmerz zu vertonen. Oder ausgelutsche Klischees zu bedienen. Viel mehr sind die Texte auf so wunderbar vielfältige Weise interpretierbar und es würde mich keinesfalls überraschen, wenn sich Ego Likeness hier einmal mehr von religiösen und/oder mythologischen Motiven inspirieren ließen. Da Sängerin und Texterin Donna Lynch ansonsten auch als Buchautorin ihr Geld verdient ist dies eine Vermutung, die gar nicht so abwegig erscheint. Und tatsächlich: wer mag, findet Anhaltspunkte in den Texten, die ihren Ursprung fernab des üblichen Szene-Einerleis haben.

Leave A Light On, Thomas“ als Beispiel – könnte dies nicht eine düstere Interpretation der Geschichte des ungläubigen Thomas sein aus der Sicht des Lazarus, der im Begriff ist, aufzuerstehen? Überhaupt, der Titel des Albums „When The Wolves Return“… klar, es könnte eine Anspielung auf die ausgelutschte Werwolf-Thematik sein. Es könnte aber auch mehr dahinterstecken und einmal mehr der wiederauferstandene Lazarus angedeutet werden. Schließlich bezeichnet der sogenannte Lazarus-Effekt unter anderem das Wiederauffinden ausgestorben geglaubter Tierarten. So wie vielleicht bestimmte Wölfe, die zurückkehren. Es ist ein bisschen so, als hätten sich Ego Likeness wirklich erneut verschiedener religiöser und mythologischer Motive bedient, um in 52 Minuten, verteilt auf 12 Songs, ihre düstere Geschichte zu erzählen. Und wer weiß, vielleicht waren es ausgehend vom Lukasevangelium ja auch gar nicht Hunde, welche die Geschwüre des armen Lazarus leckten, sondern vielleicht Wölfe…? Wenn Lazarus zurückkehrte, dann vielleicht auch die Wölfe, nachdem sie von ihm gekostet hatten?

Vielleicht lockt uns Donna Lynch aber auch auf eine gänzlich falsche Fährte und erzählt eigentlich etwas ganz anderes? Nämlich dass sie Wölfe als Metapher für die Mächtigen unserer Welt her nimmt, die ohne Rücksicht auf Verluste unsere Geschicke lenken? Oder das die Wölfe gar keine physischen Wesen sind sondern viel mehr ein Gleichnis auf das Schicksal sind, die ewig lauern, umkreisen und auf den Moment warten, an dem sie zuschlagen können? Dies wären doch weitere Möglichkeiten zur Interpretation? Es heißt, in den Jahren in denen Ego Likeness die Songs aufnahmen hätten sie mit einer ganzen Reihe persönlicher Schicksalsschläge zu kämpfen gehabt. Mit diesem Hintergrundwissen lassen sich die Texte nochmals auf eine ganz andere Weise deuten. Ein bisschen schließt sich aber vielleicht ein Kreis, wenn über das Album gesagt wird, es sei ein Zeugnis des Überlebens und der Stärke.

Das herauszufinden ist Euer „Job“ beim Hören. In der Schwarzen Szene gibt es kaum eine Band wie Ego Likeness wo es so viel Spaß macht, sich der Musik hinzugeben und gleichzeitig so angeregt über die Texte zu sinnieren. Ganze Stunden ließen sich mit der Interpretation und Fachsimpelei die Inhalte betreffend füllen!

Eingepackt werden die Texte Donna Lynchs in die Musik ihres Partners Steven Archer. Nach eigenen Angaben bewegen sich Ego Likeness im Spannungsfeld von Electronic Rock, Darkwave, Industrial und Post Goth Juggernaut. Archers Klangbilder werden von peitschenden Gitarren dominiert, die sich auf knallenden Electro-Beats rekeln. Das erinnert ein bisschen an die Crüxshadows oder von mir aus auch an Decoded Feedback, ohne jedoch wie eine Kopie der genannten Bands zu wirken. Erfreulicherweise verzichtet „When The Wolves Return“ gänzlich auf Experimente, wie sie bei europäischen Düsterelektronikern aktuell ganz gerne mal genommen werden. Stichwort Dubstep. Ego Likeness hecheln also keinen Trends hinterher, setzen musikalisch dadurch aber natürlich auch keine neuen Impulse. Ist allerdings auch gar nicht nötig. Die ungemütlichen Klanglandschaften, die Steven Archer hier geschaffen hat, untermalen die Texte perfekt. „Treacherous Thing“ beispielsweise gleicht einem furiosen Ritt durch die Nacht, „Crossed“ hingegen ist einfach nur schwer, beinahe schon erdrückend.

Wie schön ist es doch, endlich mal wieder ein Album zu hören, das nicht zwingend auf Live-Tauglichkeit gepimpt zu sein scheint. Auf einem Festival kann ich mir eine Live-Darbietung dieses Albums auch nur schwerlich vorstellen, seien Stücke wie „Persona Non Grata“ noch so eingängig. Das Album schreit nach aufwendigem Bühnenbild und imposanter Inszenierung, um diesem Gesamtkunstwerk aus Inhalt und Musik Gerecht zu werden. So ein episches Stück wie das namengebende „When The Wolves Return“ würde doch im Rahmen eines „normalen“ Konzertes komplett untergehen.


Ich mache da keinen Hehl draus: die Schwarze Szene langweilt mich momentan ein bisschen. Das liegt vor allem daran, dass ich das Gefühl habe, ständig die gleiche Mucke mit anderem Bandlogo präsentiert zu bekommen. Sei es nun inhaltlich und/oder musikalisch. Abwechslungen, die aus dem Einerlei ausbrechen, sind stets herzlich willkommen. Abwechslungen wie Ego Likeness und ihr neues Album „When The Wolves Return“ eben. Wem es ähnlich geht wie mir und Lust hat, nicht das ewig Gleiche zu hören, dem sei es wärmstens empfohlen. Alleine das Interpretieren der Texte hebt den Unterhaltungswert dieses Albums weit über das vieler Mitbewerber. Sicherlich könnten Ego Likeness öfter mal ein neues Werk liefern als sie es aktuell tun. Andererseits bleibt es so mangels Überreizung genau das, was es ist: etwas Besonderes.


When the wolves return cover art


Ich mache da keinen Hehl draus: die Schwarze Szene langweilt mich momentan ein bisschen. Das liegt vor allem daran, dass ich das Gefühl habe, ständig die gleiche Mucke mit anderem Bandlogo präsentiert zu bekommen. Sei es nun inhaltlich und/oder musikalisch. Abwechslungen, die aus dem Einerlei ausbrechen, sind stets herzlich willkommen. Abwechslungen wie Ego Likeness und ihr neues Album „When The Wolves Return“ eben. Wem es ähnlich geht wie mir und Lust hat, nicht das ewig Gleiche zu hören, dem sei es wärmstens empfohlen. Alleine das Interpretieren der Texte hebt den Unterhaltungswert dieses Albums weit über das vieler Mitbewerber.
INHALT / KONZEPT.
8
TEXTE.
8.5
GESANG.
7
PRODUKTION.
7
UMFANG.
7
GESAMTEINDRUCK.
7.5
LESERWERTUNG0 Bewertungen
0
POSITIV.
Texte, die zu vielfältigen Interpretationen und Gedankenspielen einladen
Musikalisch erfreulicherweise kein Szene-Einerlei
NEGATIV.
7.5
TOTAL.