Zur neunten Ausgabe des AMPHI FESTIVAL gehört die Veranstaltung im Kölner Tanzbrunnen längst zur Spitze der Düsterfestivals. Jahr um Jahr ist das Festival in immer schnelleren Abständen ausverkauft, was eine deutliche Sprache bezüglich der Popularität dieses Festivals spricht. Und wie sich immer wieder beobachten lässt: wer einmal an dem schwarzbunten Treiben am Rhein teilgenommen hat, wird in den allermeisten Fällen zum Wiederholungstäter. Somit ist der Claim des Festivals, „Alles wird Amphi“, durchaus berechtigt. Auch wir waren in diesem Jahr wieder vor Ort und haben eines der großartigsten Amphi Festivals bisher überhaupt erlebt! Sicherlich gibt es unzählige große und kleine Dinge, die ein Festival zu einem besonderen Erlebnis machen. Nicht alle lassen sich schriftlich Festhalten. Ein paar Eindrücke und Fotos kann man aber eben doch konservieren, deshalb nachfolgend für Euch unser gewohnt subjektiver Bericht vom Amphi Festival 2013. Viel Vergnügen!

Freitag, 19.07.2013

Die vom Blackfield bekannte und bewährte Reisegruppe, bestehend aus dem Autor dieser Zeilen, dem Sideshowmick (Fotos) und unseren Begleitern Nic und Neo fand sich auch für das Amphi zusammen, um Euch nachfolgend von einem der absoluten Highlights dieses Jahres berichten zu können. Im Gegensatz zu unserem letzten Reiseausflug mussten wir dieses Mal nicht erst einen Umweg durch Mittelerde unternehmen, um Köln zu erreichen. Was wir durchaus prima fanden, schließlich saß uns wegen der Auftaktsveranstaltung Call The Ship To Port die Zeit im Nacken. Mit einem anständigen Zeitpolster erreichten wir unser Hotel in Köln. Nach kurzer Eingewöhnung an die klimatischen Verhältnisse in Köln machten wir uns auch direkt auf den Weg zum Tanzbrunnen. Bändchen abholen, vielleicht schon mal eine Tasse Bier trinken und mal gucken, ob keiner guckt. Wie in jedem Jahr hat die Vergabe der Bändchen sowie der Ausgabe des exklusiven Call The Ship To Port T-Shirts hervorragend und gänzlich problemlos geklappt. Da wir bis zum Einlass auf der MS RheinEnergie noch jede Menge Zeit zur Vertrödelung hatten, hockten wir uns in der Nähe des Rheinufers in den Schatten – und schnackten mit alten Bekannten und Freunden, die wir dort angetroffen hatten. Es werden von Jahr zu Jahr mehr, die den Reiz des Amphis für sich entdecken. Eine sehr begrüßenswerte Entwicklung.

MS RheinEnergie. Das 2004 gebaute Eventschiff diente als Austragungsort für die Auftaktveranstaltung "Call The Ship To Port". Dem Reiz dieses etwa 1600 Passagiere fassenden Eventschiffes konnte sich selbst Papst Benedikt XVI. seinerzeit nicht widersetzen, als er 2005 während des Weltjugendtages über den Rhein schipperte. Feierten wir somit auf heiligem Boden? ;)

MS RheinEnergie. Das 2004 gebaute Eventschiff diente als Austragungsort für die Auftaktveranstaltung „Call The Ship To Port“. Dem Reiz dieses etwa 1600 Passagiere fassenden Eventschiffes konnte sich selbst Papst Benedikt XVI. seinerzeit nicht entziehen, als er 2005 während des Weltjugendtages über den Rhein schipperte. Feierten wir somit auf geweihtem Boden? Foto: AVALOST

Auf den Punkt genau zur Taschenkontrolle um 18 Uhr standen auch wir in der schon da reichlich langen Schlange, die zum Steg und somit letztlich zum Eingang des Schiffes führte. Überhaupt war es auch nur so ein bisschen heiß, da in der gleißenden Sonne. Wir sind den Veranstaltern vermutlich bis ans Ende aller Tage dankbar dafür, dass sie das auch eingesehen hatten und das Boarding früher starten ließen, als noch auf den Infozetteln angegeben. Der Einlass selbst ging ratzfatz und flugs fanden wir uns im inneren des Kahns wieder. Erstmaliges umgucken ergab: och, das aber nett hier! Entgegen anders lautender Gerüchte zog es viele Schwarzgestalten zunächst auf das Sonnendeck, wir sicherten uns einen Platz auf dem Oberdeck mit direktem Blick auf die Bühne. Sonne hatten wir bis hierhin ja nun auch wahrlich genug getankt. Nächster Eindruck nach dem Eintritt: ui, hier ist aber eine Menge Platz! Der Pott wirkt von innen deutlich größer und geräumiger, als es von außen den Anschein macht. Dass es auch so angenehm überschaubar bliebt, ist den Veranstaltern zu verdanken, die deutlich weniger auf das Boot ließen, als hineingepasst hätten. Ich unterstelle hier wohlwollend Sicherheitsaspekte. Und wie mein Pressekontakt, Elmar Herrmann schon so schön sagte: Ausverkauft ist: Nicht immer alles auf den letzten Millimeter ausreizen! Dem kann ich nur beipflichten. Pünktlich zum Auslaufen des Schiffes betrat Honey von Welle: Erdball die Bühne, um die Gäste mit ein paar einleitenden Worten zu begrüßen. So erfuhren wir unter anderem, dass die RheinEnergie bis Bonn düsen und dann wenden würde und für diese kurze Spritztour einige tausend Liter Diesel verballert würden. Ah ja. Danach machte er die Bühne frei für den ersten Act dieses Abends: Lars Arnold, der unter dem Motto CLASSIC & DEPECHE Songs von Depeche Mode zum Besten gab. Einzig und alleine vorgetragen mittels eines Klaviers. Nun muss man Herrn Arnold lassen, dass er sein Instrument versteht und den Songs von Depeche Mode durch seine Interpretation eine ganz eigene Note verlieh. Der Eindruck, es hier mit Barmusik zu tun zu haben, ließ sich zumindest bei uns nicht ganz verleugnen. Zumal Arnolds Darbietung nicht so richtig zu den nachfolgenden Bands passte. Egal, kann man mal gesehen haben, wenn auch vielleicht in einem anderen Rahmen.

Lars Arnold / Classic & Depeche. An seiner Darbietung von nur mit einem Piano vorgetragenen Depeche Mode Klassikern gab es grundsätzlich nichts zu meckern. Für eine Auftaktveranstaltung allerdings, bei der die Gäste noch über so viel Energie verfügen, die zunächst mal abgetanzt werden muss, vielleicht nicht unbedingt geeignet. Das ging demnach ein bisschen im Hintergrundrauschen unter.

Lars Arnold / Classic & Depeche. An seiner Darbietung von nur mit einem Piano vorgetragenen Depeche Mode Klassikern gab es grundsätzlich nichts zu meckern. Für eine Auftaktveranstaltung allerdings, bei der die Gäste noch über so viel Energie verfügen, die zunächst mal abgetanzt werden muss, vielleicht nicht unbedingt geeignet. Das ging demnach ein bisschen im Hintergrundrauschen unter. / Foto: AVALOST

Nach Arnolds Darbietung dauerte es nicht lange, bis WELLE: ERDBALL die Bühne eroberten. Kurz vor dem Amphi machte eine höchst bedauerliche Meldung die Runde: Frl. Plastique hatte mit sofortiger Wirkung die Band verlassen. Dass es dennoch nur Honey und Alf waren, die da auf der Bühne für mächtig Rambazamba sorgten, hatte damit indes nichts zu tun. Bereits im Vorfeld war verkündet worden, dass man als minimalistisches 80er-Synthie-Duo das Schiff beschallen wolle. Und so kam es dann auch. Sicherlich, gefeiert wurde auch hier einmal mehr wie blöde. Songs wie „VW Käfer„, „Monoton & Minimal“ (von uns ergänzt durch: ‚heute gibt es Lachs zum Aal’…) oder „Nyntändo-Schock“ (bei dem zwischendurch Eurythmics‘ „Sweet Dreams“ angespielt wurde) ziehen halt einfach immer. Spaßigstes Highlight war jedoch das „Love Boat Theme„. Dennoch, bei aller Feierei: inzwischen ist Welle: Erdball ohne die Damen nur noch die halbe Wahrheit und man darf gespannt sein, wie es nun nach dem Ausstieg von Plastique weitergehen wird.

Welle: Erdball. Unmittelbar vor Anpfiff des Amphis kam die Hiobsbotschaft via Facebook: Frl. Plastique war mit sofortiger Wirkung ausgestiegen. Der Auftritt von Welle: Erdball war zwar eh als Zwei-Mann-Show angekündigt, dass es dennoch die komplette Festivalplanung der Band durcheinander gebracht hat, war im Verlaufe des Amphis immer wieder deutlich zu merken. Was wiederum zu dem unangenehmen Geschmäckle führte, dass das hinter den Kulissen womöglich nicht ganz so sauber gelaufen ist. Dem Konzert an diesem Abend auf dem Schiff indes tat es dennoch keinen Abbruch. Welle: Erdball geht eben immer, egal wie.

Welle: Erdball. Unmittelbar vor Anpfiff des Amphis kam die Hiobsbotschaft via Facebook: Frl. Plastique war mit sofortiger Wirkung ausgestiegen. Der Auftritt von Welle: Erdball war zwar eh als Zwei-Mann-Show angekündigt, dass es dennoch die komplette Festivalplanung der Band durcheinander gebracht hat, war im Verlaufe des Amphis immer wieder deutlich zu merken. Was wiederum zu dem unangenehmen Geschmäckle führte, dass das hinter den Kulissen womöglich nicht ganz so sauber gelaufen ist. Dem Konzert an diesem Abend auf dem Schiff tat es dennoch keinen Abbruch. Welle: Erdball geht eben immer, egal wie. / Foto: AVALOST

Viel Zeit um darüber nachzudenken hatten wir nicht. Denn es dauerte abermals nicht lange, bis die schwedischen Electro-Helden die Bühne betraten. Und was soll ich sagen? Wo COVENANT drauf steht, ist auch Covenant drin. Völlig schnurz, ob sie in einem Club, einer großen Halle oder eben wie hier auf einem Schiff spielen: da ist stets Party total angesagt. Egal ob wir bei „Invisible & Silent“ gleichzeitig schmachteten und uns die Seele aus dem Lein gröhlten, bei dem neuen Überhit „Last Dance“ zappelten wie Fische beim Stromangeln oder ehrfürchtig dem neuen Song „Prime Movers“ lauschten – das war – mit Verlaub – einfach nur richtig geile Scheiße! Womöglich ist es für die Band eben doch das Beste, als rein schwedische Formation unterwegs zu sein.

Covenant. Die Schweden veröffentlichen am 6. September ihr sensationelles neues Album "Leaving Babylon" und präsentierten hier, gut gelaunt und spielfreudig wie immer, bereits zwei neue Stücke: "Last Dance" und "Prime Movers".

Covenant. Die Schweden veröffentlichen am 6. September ihr sensationelles neues Album „Leaving Babylon“ und präsentierten hier, gut gelaunt und spielfreudig wie immer, bereits zwei neue Stücke: „Last Dance“ und „Prime Movers“. Selbstverständlich fehlte auch das namengebende „Call The Ships To Port“ nicht. / Foto: AVALOST

Etwa gegen Mitternacht erreichte die RheinEnergie wieder die Anlegestelle am Kennedyufer. Nun war hier allerdings noch lange nicht Schicht im Schacht. Viel mehr fand bis etwa 2 Uhr morgens hier noch die Aftershow-Party statt, bei der sich unter anderem Honey und Eskil von Covenant an den Reglern zu schaffen machten. Sieht man mal von den gesalzenen Getränkepreisen an Bord ab, hätte die Auftaktsveranstaltung kaum besser ausfallen können. Wir beendeten den ersten Tag in der Gewissheit, gerade einer ganz und gar bemerkenswerten, erinnerungs- und vor allem wiederholungswürdigen Veranstaltung beigewohnt zu haben. Liebes Amphi-Team: bittebittebitte unbedingt noch mal!


Samstag, 20.07.2013

Solltet Ihr regelmäßige Leser unserer Festivalberichte sein, dann wisst Ihr vielleicht, dass wir regelmäßig Schwierigkeiten damit haben, pünktlich zum Anpfiff der ersten Band des Tages auf dem Gelände zu sein. Umso erstaunlicher ist es daher, dass wir dieses Mal tatsächlich pünktlich vor Ort und Stelle waren! Wie uns das geglückt ist, wissen wir auch nicht, aber nach dem ganz hervorragenden Frühstück im Hotel (war übrigens das Leonardo und ist durchaus eine Empfehlung für die nächste Kölnreise wert!) konnte der Tag kommen. Die letzte Müdigkeit, die sich allen Kaffees zum Trotz noch Hartnäckig in den Knochen hielt, beschlossen wir, mit Rhythm’nNoize-Geballer aus dem Hause XOTOX zu vertreiben. Zwar war von Herr und Frau Xotox aufgrund von üppigen Einsatz von Nebels nicht viel zu sehen, ab und zu ließ sich jedoch erkennen, dass die beiden Herrschaften auf der Bünhe annähernd genauso abgingen wie die Menschenmenge vor der Bühne. Erstaunlicherweise war es im Staatenhaus oft angenehm temperiert – kein Wunder gegenüber der Affenhitze draußen im Tanzbrunnen – aber während des Gigs von Xotox erreichten die Temperaturen beinahe höllische Ausmaße. Hektoliter Schweiß und 40 Minuten später ließen uns Xotox mit klingelnden Ohren, aber hochzufrieden zurück. Sicherlich ist das Geschepper nicht jedermanns Sache, dennoch sollte man das wenigstens einmal gesehen haben. Und sei es nur, um mitreden zu können.

Xotox. Bereits seit 15 Jahren ist das Rhythm'n'Noize Projekt von Andreas Davids am Start. Stets mit der Mission, Körper in Bewegung zu versetzen und Trommelfelle zum Klingeln zu bringen. Pünktlich zum Jubiläum gab es ein neues Album namens "Schwanengesang", von dem sich unter anderem das Titelstück in der Setlist befand.

Xotox. Bereits seit 15 Jahren ist das Rhythm’n’Noize Projekt von Andreas Davids am Start. Stets mit der Mission, Körper in Bewegung zu versetzen und Trommelfelle zum Klingeln zu bringen. Pünktlich zum Jubiläum gab es ein neues Album namens „Schwanengesang“, von dem sich unter anderem das Titelstück in der Setlist befand. / Foto: AVALOST

Danach hieß es für Teile unserer Reisegruppe, einen Gang herunterzuschalten und einem jährlichen Pflichttermin beizuwohnen: DR. MARK BENECKE. Wie in jedem Jahr hielt der unheimlich populäre Forensiker auch 2013 zwei Vorträge. Einen am Samstag, einen am Sonntag, jeweils im Theater, wie immer. Wir entschieden uns, den Termin am Samstag mitzunehmen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und wir wären nicht mehr ins Theater gekommen. Pünktlich zum Vortragsbeginn war das schnuckelige Rund brechend voll. Überhaupt sind die Acts, die in diesem Jahr ins Theater verfrachtet worden, scheinbar so populär gewesen, dass es regelmäßig zu langen Schlangen vor dem Theater kam. Einlassstopp inklusive. Benecke brauchte keine 5 Minuten in seiner gewohnt hektischen Vortragsweise, um nicht nur alle Lacher, sondern auch sämtliche Sympathien auf seiner Seite zu haben. Vermutlich gab es auch ein Thema, das er in seinem einstündigen Vortrag abgehandelt wissen wolte (irgendwas mit Vampirmorden wohl… ), aber wie immer, wenn man dem Mann nur eine Stunde Redezeit einräumt, fehlte irgendwann der rote Faden. Egal, der Unterhaltungswert war wie immer unglaublich hoch, dennoch auch in diesem Jahr die Bitte: Mehr Redezeit für Benecke! Vielleicht dafür dann nur an einem Tag, aber der Mann ist immer noch besser, wenn er wenigstens 2 oder 3 Stunden Zeit für seinen Vortrag hat.

Dr. Mark Benecke. Hier ist er gerade dabei, Fields Of The Nephilim anzukündigen. Als Moderator und durch seine eigenen Vorträge, die stets einen interessanten Einblick in die Kriminalbiologie gewähren, gehört Benecke inzwischen schon zum Inventar des Amphi. Recht so. Der Unterhaltungswert seiner Vorträge ist schließlich auch stets enorm hoch.

Dr. Mark Benecke. Hier ist er gerade dabei, Fields Of The Nephilim anzukündigen. Als Moderator und durch seine eigenen Vorträge, die stets einen interessanten Einblick in die Kriminalbiologie gewähren, gehört Benecke inzwischen schon zum Inventar des Amphi. Recht so. Der Unterhaltungswert seiner Vorträge ist schließlich stets enorm hoch. Man müsste dem guten Mann nur endlich mehr Redezeit gewähren. / Foto: AVALOST

Anschließend beschlossen wir, mal den Herrschaften von FUNKER VOGT einen Besuch abzustatten. Zwar ist das aktuelle Album „Companion In Crime“ eines, über das man lieber den Mantel des Schweigens hüllt, dennoch sind die Funker live immer wieder ein sicherer Garant für eine coole Party. So war es dann auch. Als wir das Staatenhaus erreichten, war besagte Party schon in vollem Gange. Vom aktuellen Album oder der generellen Mucke der Funker kann man sicher halten, was man will. Unbestreitbar ist aber, dass sie es verstehen, eine feierwillige Meute zu mobilisieren. Dabei ist es egal, ob das bei strömenden Regen wie anno dunnemals auf dem Blackfield passiert oder wie hier, dank brütender Hitze bei stickiger Luft im Staatenhaus.

Funker Vogt. Über die Musik, ganz besonders über das jüngste Album "Companion in Crime" lässt es sich vorzüglich streiten. Nicht jedoch über die Tatsache, dass sie zu den Bands gehören, die Massen in Bewegung versetzen. So auch dieses Mal.

Funker Vogt. Über die Musik, ganz besonders über das jüngste Album „Companion in Crime“ lässt es sich vorzüglich streiten. Nicht jedoch über die Tatsache, dass sie zu den Bands gehören, die Massen in Bewegung versetzen. So auch dieses Mal. / Foto: AVALOST

Nach dem kurzen Ausflug zu Funker Vogt kehrten wir zurück ins Theater, um dem ersten Highlight des Tages beizuwohnen: ESCAPE WITH ROMEO. Die Düsterrockband um Thomas Elbern, die seit jeher mit extrem geschmeidiger Melancholie in ihren Songs begeistert, ist außerhalb von NRW so extrem selten zu sehen. Dass wir es demnach hier also mit einem Pflichttermin zu tun hatten, ist klar, nech. Es hat sich gelohnt, ins Theater zu gehen. Kaum eine Band hat sich auf diesem Amphi so spielfreudig präsentiert wie Escape With Romeo! „Somebody“ in einer schön langen Version, „Here Comes The Night“ und überhaupt die heimelige Atmosphäre des Theaters machten dieses Konzert zu einem Erlebnis, das uns noch lange, lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Wenn es nach uns ginge,  könnten Escape With Romeo gerne genauso jährlich verpflichtet werden, wie es scheinbar ja auch bei [X]-Rx oder eben Mark Benecke der Fall ist. Ganz groß war das, ganz, ganz groß!

Escape With Romeo. Das war nicht mehr und nicht weniger als ein perfektes Konzert. Musik für Musiklieberhaber. Immer wieder gerne.

Escape With Romeo. Das war nicht mehr und nicht weniger als ein perfektes Konzert. Musik für Musiklieberhaber. Immer wieder gerne. / Foto: AVALOST

Es blieb nicht viel Zeit, sich der Schwärmerei hinzugeben. Schließlich standen AGONOIZE als nächstes auf dem Spielplan. Und hey, wenn sich die Bad Boys aus Berlin zwecks 10. Jubiläum auf dem Amphi die Ehre geben, dann ist doch klar, dass wir da wenigstens einmal reinschauen müssen, nech? Wie schon bei ihrem letzten Auftritt war die Bühne im Vorfeld mit großen, schwarzen Tüchern abgehangen. Wohl um zu verbergen, dass Chris L. nach Anpfiff einmal mehr in einer Zwangsjacke von der Decke herab baumeln würde. So weit so bekannt. Neu war für uns allenfalls die leicht bekleidete Dame, deren Mission es war, sich mit langen Nadeln die Wange zu zerpieken. Kannste machen, musste aber nicht. Neben der üblichen Sauerei mit Kunstblut sorgten Agonoize mit ihrem provokanten Aggrotech-Geballer einmal mehr für Stimmung. Dennoch: eine gewisse Abnutzung lässt sich nicht leugnen. Vielleicht ist aber auch die Hauptbühne, erleuchtet von der Nachmittagssonne, nicht der richtige Spielplatz für die Band, um die typische Splatterdisco-Stimmung zu erzeugen.

Agonoize. Im Vorfeld verkündeten die Berliner via Facebook, dass es wohl zu Unstimmigkeiten mit den Veranstaltern gekommen sei und sie ihre Show deshalb wohl nicht ganz so explizit gestalten konnten, wie sie es gerne gehabt hätten. So ist das halt mit einem Spielplatz im Nachmittagsprogramm. Wer die komplette Dröhnung haben möchte, fährt im November zur Jubiläumsshow nach Berlin. Die wird dann definitiv ungeschnitten sein. Aber Vorsicht: there will be blood on the dancefloor. ;)

Agonoize. Im Vorfeld verkündeten die Berliner via Facebook, dass es wohl zu Unstimmigkeiten mit den Veranstaltern gekommen sei und sie ihre Show deshalb eigener Aussage nach nicht ganz so explizit gestalten konnten, wie sie es gerne gehabt hätten. So ist das halt mit einem Spielplatz im Nachmittagsprogramm. Wer die komplette Dröhnung haben möchte, fährt im November zur Jubiläumsshow nach Berlin. Die wird dann definitiv ungeschnitten sein. Aber Vorsicht: there will be blood on the dancefloor. / Foto: AVALOST

Nach Agonoize ging es direkt weiter mit PHILLIP BOA und seinem Voodooclub. Viel Zeit dafür hatten wir nicht, da es galt, nebenbei auch noch mal Johan van Roy und seinem SUICIDE COMMANDO einen Besuch abzustatten. Soweit wie wir das anhand der wenigen Lieder beider Bands beurteilen können, hatten sowohl der Voodoclub als auch das elektronische Selbstmordkommando eine Menge Spaß an dem, was sie taten. Das Publikum auch. Vor allem Boa, der auf der Hauptbühne so gut platziert war wie Suicide Commando im Staatenhaus, galt für so einige Festivalbesucher als das eigentliche Highlight dieser Veranstaltung.

Phllip Boa & The Voodooclub. Die Herrschaften waren im Vorabendprogramm auf der Hauptbühne bestens aufgehoben und gehörten für so einige Festivalbesucher zu den großen Highlights.

Phillip Boa & The Voodooclub. Die Herrschaften waren im Vorabendprogramm auf der Hauptbühne bestens aufgehoben und gehörten für so einige Festivalbesucher zu den großen Highlights. Egal ob „Love On Sale“, „And Then She Kissed Her“ oder „Kill Your Ideals“ – die Setlist dürfte wohl nicht viele Wünsche offen gelassen haben. / Foto: AVALOST

Suicide Commando. Die Gegenveranstaltung im Staatenhaus. Wie gehabt mit einer verstörenden Performance. Wie gehabt mit fetten Sounds. Wie gehabt schlicht und ergreifend gut. Wirkte in der düsteren Umgebung des Staatenhauses gleich noch mal so mächtig.

Suicide Commando. Die Gegenveranstaltung im Staatenhaus. Wie gehabt mit einer verstörenden Performance. Wie gehabt mit fetten Sounds. Wie gehabt schlicht und ergreifend gut. Wirkte in der düsteren Umgebung des Staatenhauses gleich noch mal so mächtig. Erfreulicherweise bot Johan einen schicken Querschnitt durch die Banddiskografie ohne besonderen Schwerpunkt, sodass das mäßige, wenn auch erfolgreiche letzte Album „When Evil Speaks“ sich gut zwischen geliebten Immergrünen einreihte. / Foto: AVALOST

Nun wurde es allerdings Zeit, sich für den Headliner des heutigen Tages in eine günstige Position vor der Hauptbühne zu begeben. VNV NATION standen auf dem Spielplan, ein Platz unmittelbar vor der Bühne bietet sich da an. Und so standen wir bequem eine halbe Stunde vor dem Startschuss in zweiter Reihe in der langsam untergehenden Abendsonne und warteten auf Ronan Harris und Mark Jackson, die an diesem Tag abermals von André Winter und Tom von [:SITD:] unterstützt wurden. Dass sie den Gästen gleich zu Beginn den Dauerbrenner „Chrome“ machte klar: in den folgenden, knappen anderthalb Stunden wird gefeiert werden bis zum geht nicht mehr. Jo, und genau so war es dann auch. Nach etlichen gesehenen VNV Nation Konzerten merkt man inzwischen sehr deutlich, dass Ronan Harris der Regisseur auf der Bühne ist, der Mitmusiker und vor allem das Publikum sehr fest im Griff hat. Dem Spaß- und Partyfaktor indes tut das keinen Abbruch – irgendwer muss ja schließlich die Hosen anhaben, richtig? Netter Stimmungsaufheller am Rande: die kurze Begrüßung von ALF (Welle: Erdball) und Alexander Wesselsky (u.a. Eisbrecher) auf der Bühne. Das steigert das Gefühl, irgendwie Teil einer großen Familie zu sein, nur noch mehr. Nach drei Zugaben, natürlich(!) das epische „Perpetual„, lieb gewonnener Fangesänge inklusive, entließen VNV Nation ein hoch zufriedenes Publikum in die hereinbrechende Nacht. Jepp, es hat schon gute Gründe, warum VNV Nation auf Festivals die Headliner-Position innehaben. Davon konnte man sich an diesem Abend einmal mehr überzeugen.

VNV Nation. Ronan Harris nutzte die Gelegenheit, um in einer Pause während zwei Songs ausführlich auf das kommende neue Album "Transnational" und die zugehörige Tour hinzuweisen. Neue Stücke dieses Albums fanden sich jedoch leider nicht in der Setlist wieder. Schade.

VNV Nation. Ronan Harris nutzte die Gelegenheit, um in einer Pause zwischen zwei Songs ausführlich auf das kommende neue Album „Transnational“ und die zugehörige Tour hinzuweisen. Neue Stücke dieses Albums fanden sich jedoch leider nicht in der Setlist wieder. Schade. Dennoch war dies ein abermals tolles Konzert, bei der sich Ronan Harris einmal mehr als Bühnenregisseur bewies, der Musiker und Menge absolut im Griff hatte. / Foto: AVALOST

Wie so oft an diesem Tag hatten wir anschließend so gar keine Zeit, uns auszuruhen oder die Eindrücke bei einer Schale Bier zu verarbeiten. Es galt, schnellen Fußes ins Staatenhaus zu eilen, wo seit einer halben Stunde ATARI TEENAGE RIOT die Bude zum Wackeln brachten. Und da wir es bei Atari Teenage Riot nicht nur mit einer legendären Band, sondern zudem um einen Amphi-Debütanten zu hatten, mussten wir da einfach auch noch hin. Meine Fresse, was für ein cooles, wenn auch manchmal sehr sperriges und noisiges Electroclash-Gewitter, das die Band hier auf das Publikum losgelassen hat! Politisch motivierte Aktionsansagen inklusive. An Highlights mangelte es während des diesjährigen Amphi Festivals wahrlich nicht. Dieses abgefahrene, energiegeladene Konzert war ein weiteres. Still herumstehen? Unmöglich!

Atari Teenage Riot. Gerade als wir schon dachten, wir seien eigentlich zu müde um noch mal abzuzappeln wie blöd, kamen Atari Teenage Riot daher und bewiesen uns das Gegenteil.

Atari Teenage Riot. Gerade als wir schon dachten, wir seien eigentlich zu müde um noch mal abzuzappeln wie blöd, kamen Atari Teenage Riot daher und bewiesen uns das Gegenteil. / Foto: AVALOST

Verschwitzt und heiser machten wir uns anschließend auf den Weg zum Kennedy-Ufer. Gerade nachts ist das Panorama mit dem Kölner Dom auf der anderen Seite des Rheins ein spektakulärer Anblick. Was auch erklärt, warum sich nachts nicht wenige Festivalbesucher in der Gegend herumtreiben. Wir hatten bis zum Start der letzten Band des Tages, ALIEN SEX FIEND, genügend Zeit, um uns ein bisschen von den Strapazen dieses Tages zu erholen. Nach diesem langen und sehr konzertreichen Tag erforderte es tatsächlich einige Mühe, sich noch einmal aufzuraffen und den Weg ins Staatenhaus zu absolvieren. Vielleicht war es der einsetzenden Müdigkeit geschuldet, aber so richtig angetan waren wir von dem Geschehen, das Alien Sex Fiend auf der Bühne da präsentierten, irgendwie nicht. In dem Moment jedenfalls nicht, auch wenn es interessant zu beobachten war, wie sehr sich die Gäste in den abgefahrenen Sounds, irgendwo zwischen Gothic, Punk, Batcave und was weiß ich nicht noch alles verlieren konnten. In den 30 Jahren, die Alien Sex Fiend inzwischen musikalisch aktiv sind, haben sie sich eine große und ziemlich treue Fanschar erspielt. Demnach war das Staatenhaus selbst zu dieser späten Stunde (Spielzeit von 23:20 Uhr bis 0:45 Uhr) noch sehr gut gefüllt. Mag es auch sein, dass Alien Sex Fiend uns im ersten Moment nicht kickten, so schafften sie es dennoch, einen so bleibenden Eindruck zu hinterlassen, dass wir uns nach dem Festival näher mit dem Treiben der Band auseinandersetzten. Aber auch dafür fährt man schließlich auf ein Festival: nicht immer nur die gleichen Bands gucken, sondern auch mal #Neuland betreten und sich von den Qualitäten anderer Bands überzeugen zu lassen.

Alien Sex Fiend. Mr. und Mrs. Fiend nebst Band spielten an diesem Abend ein Set, das die 30-jährige Geschichte der Band umfasste. Und während sich die Gäste teilweise in tranceartigen Zuständen befanden, ist uns vor allem die große, aufblasbare Banane in Erinnerung geblieben. ;)

Alien Sex Fiend. Mr. und Mrs. Fiend nebst Band spielten an diesem Abend ein Set, das die 30-jährige Geschichte der Band umfasste. Und während sich die Gäste teilweise in tranceartigen Zuständen befanden, ist uns vor allem die große, aufblasbare Banane in Erinnerung geblieben.

Anschließend unternahmen wir noch einen kurzen Ausflug ins Theater, um der Aftershow-Party auch noch einen Besuch abgestattet zu haben. Da das Bier ausschenkende Personal aber offensichtlich komplett überfordert war, handelte es sich um ein kurzes Vergnügen, ehe wir die Rückreise zum Hotel antraten und den Tag beendeten. Einmal mehr hochzufrieden. Bisheriges Fazit zum Amphi 2013: läuft. Und wie!

Die Ruhe nach dem Sturm. Bis zum nächsten Morgen werden die Festivalspuren wieder verschwunden sein dank vieler fleißiger Helferlein.

Die Ruhe nach dem Sturm. Bis zum nächsten Morgen werden die Festivalspuren wieder verschwunden sein dank vieler fleißiger Helferlein. / Foto: AVALOST


Sonntag, 21.07.2013

Unglaublich aber wahr: entgegen aller Trends der vorhergehenden Festivals haben wir es auch dieses Mal geschafft, pünktlich am Tanzbrunnen zu sein. Und, hach, was soll ich sagen? Die Location mit diesen stylischen Schirmen, die je nach Sachlage Regen- oder Sonnenschutz bieten, kickt mich immer wieder. Noch dazu das extrem entspannte Einlassprozedere. Schließlich sind genügend Eingänge vorhanden, sodass man nie lange warten muss. Los ging es für mich mit [X]-RX, während es den Rest der Gang zu CHROM zog. Ich kann aber nicht anno dunnemals mit Pascal in einem Braunschweiger Park gehockt und Shisha geraucht haben, ohne seinem inzwischen dritten Auftritt auf dem Amphi in Folge beizuwohnen. Die [X]-Rx-Jungs haben nach wie vor einen blöden Platz im Programm, dafür aber schon eine sehr zahlreiche und treue Fangemeinde, die bei brütender Mittagshitze das elektronische Partygeballer zelebrierten. Ich hätte nüscht dagegen, wenn [X]-Rx, ähnlich wie ein bekannter Kriminalbiologe, zum festen Inventar des Amphis mutieren würden.

[X]-Rx. Das Partygeballer ist an einem Sonntagmorgen ein ganz probates Mittel, um so langsam wach zu werden. Den Rest unserer Reisegruppe jedoch zog es zu...

[X]-Rx. Das Partygeballer ist an einem Sonntagmorgen ein ganz probates Mittel, um so langsam wach zu werden. Den Rest unserer Reisegruppe jedoch zog es zu… / Foto: AVALOST

Chrom. Als Alternative kann so ein Tag auch mit gutem FuturePop beginnen. Und dass die Jungs von Chrom gut sind, haben sie inzwischen oft genug bewiesen. Hier ist noch einiges zu erwarten!

Chrom. Als Alternative kann so ein Tag auch mit gutem FuturePop beginnen. Und dass die Jungs von Chrom gut sind, haben sie inzwischen oft genug bewiesen. Hier ist noch einiges zu erwarten! / Foto: AVALOST

Wenn man schon mal im Staatenhaus ist, kann man auch gleich da bleiben. Vor allem und ganz besonders dann, wenn als nächste Band TYSKE LUDDER auf dem Spielplan steht. Die martialisch angehauchten Auftritte gehören zum Pflichtprogramm eines jeden Geschmacksmenschen, der sich für elektronisch-industrielles EBM-Geballer mit inhaltlichem Tiefgang begeistern kann. Die Herren absolvierten einen wie immer sehr überzeugenden Auftritt. An die Veranstalter: einen Platz zu späterer Stunde wäre dennoch irgendwie wünscheswert. Auch wenn der natürlich nicht gegen den Ohrwurm, den das Stück „Panzer“ verursacht, weiterhelfen wird. Panzer, wir fahren Panzaaaaaa… Hurra. Ähem.

Tyske Ludder. Neben geliebten Ohrwurmklassikern wie "Panzer" hatte die Truppe auch ihren neuen Song "Bambule" im Gepäck - und sorgte während ihrer Show ganz gewaltig für ebensolche.

Tyske Ludder. Neben geliebten Ohrwurmklassikern wie „Panzer“ hatte die Truppe auch ihren neuen Song „Bambule“ im Gepäck – und sorgte während ihrer Show ganz gewaltig für ebensolche. Den „Panzer“ jedoch wieder aus dem Kopf zu kriegen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Vielen Dank auch! / Foto: AVALOST

Wir waren zwar überraschend pünktlich auf dem Gelände, dennoch machte sich bemerkbar, dass wir in den letzten beiden Tagen ganz schön Vollgas gegeben hatten. Daher beschlossen wir, den Rest des dritten Festivaltages etwas gemächlicher anzugehen. Zumal: hey, es ist schließlich Sonntag!

The Beauty Of Gemina. Ehrliche, handgemachte Musik lag in der Luft. Ob sie allerdings auch von den Schweizern erfunden wurde, ist fraglich. ;) Dennoch sehens- und hörenswert.

The Beauty Of Gemina. Ehrliche, handgemachte Musik lag in der Luft. Ob sie allerdings auch von den Schweizern erfunden wurde, ist fraglich. Dennoch sehens- und hörenswert. / Foto: AVALOST

Unser nächster Halt war THE BEAUTY OF GEMINA. Die Schweizer Düsterrocker gaben hier ebenfalls ihr Amphi-Debüt. Wie so viele andere Bands, die ihre Brötchen mit handgemachter Musik verdienen, war auch hier die Spielfreude deutlich anzumerken. Viel Zeit, uns dem düstermelancholischen Rock Schweizer Bauart hinzugeben hatten wir nicht, nebenan spielten SANTA HATES YOU. Der möglichst umfangreichen Mitnahme von Eindrücken und Fotos handelte es sich dabei also um einen weiteren Pflichttermin. The Beauty Of Gemina haben jedoch so viel Eindruck hinterlassen, dass wir sie uns gerne an anderer Stelle erneut anschauen. Santa Hates You, das Projekt das Project Pitchfork-Frontmann Peter Spilles zusammen mit Frau Jinxy betreibt, ist so etwas wie der garstige, elektronischere kleine Bruder der übermächtigen Pitchies. Wenn der Spilles auf der Bühne steht, ist die Bude voll. So auch dieses Mal. Interessant war hier vor allem das Bühnenbild. Peter und Jinxy auf einem ollen Sofa sitzend und singend, das hatte durchaus irgendwie Stil. Insgesamt ein sehenswertes Konzert, das so manchen auf den Geschmack in Sachen Santa Hates You brachte. Mission erfüllt.

Santa Hates You. Peter Spilles, die "Rampensau", wirkte spielfreudig und vor allem souverän wie immer. Jinxy hingegen kam uns manchmal doch etwas unsicher vor. Macht nüscht, ein unterhaltsames Konzert war es dennoch, nicht zuletzt aufgrund der Bühnenshow.

Santa Hates You. Peter Spilles, die „Rampensau“, wirkte spielfreudig und vor allem souverän wie immer. Jinxy hingegen kam uns manchmal doch etwas unsicher vor. Macht nüscht, ein unterhaltsames Konzert war es dennoch, nicht zuletzt aufgrund der Bühnenshow. / Foto: AVALOST

Anschließend ging es für uns weiter mit ICON OF COIL. Das Projekt, mit dem Andy LaPlegua seine ersten Erfolge in der Welt der düsteren Electromucke feierte, wurde zuletzt ja doch recht stiefmütterlich behandelt. Den Erfolg, den er mit Combichrist feierte (Vorgruppe von Rammstein, hallo?) wird er mit Icon Of Coil sicher nicht wiederholen können, dennoch ist es schön zu sehen, dass er offensichtlich wieder Gefallen an seinem rein elektronischen Baby gefunden hat. Du liebe Güte, hatte Andy gute Laune! Möglicherweise hatten die Drinks, die er während des Konzertes konsumierte, einen Anteil daran, möglicherweise nicht. Ist auch egal. Das schweißtreibende Konzert verwandelte die Bühne unter den Pilzen des Tanzbrunnens in einen wahren Hexenkessel. Was es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch geworden wäre, hätten in dem Moment nicht eh 30 Grad im Schatten geherrscht. Lieber Herr LaPlegua, bitte künftig wieder mehr von Icon Of Coil, ja? Der Mensch lebt schließlich nicht von Wasser, Brot und Combichrist allein.

Icon Of Coil. Nach Combichrist und Panzer AG war Andy LaPlegua inzwischen mit dreien seiner Projekte in Köln am Start. Fehlen ja eigentlich nur noch Scandy, Scandinavian Cock, .... Hallo Veranstalter, hört Ihr mich? ;)

Icon Of Coil. Nach Combichrist und Panzer AG war Andy LaPlegua inzwischen mit dreien seiner Projekte in Köln am Start. Fehlen ja eigentlich nur noch Scandy, Scandinavian Cock, …. Hallo Veranstalter, hört Ihr mich? / Foto: AVALOST

Umbra et Imago. Leider war die Akustik bei weitem nicht das einzige Problem, mit dem dieses Konzert zu kämpfen hatte. Plakative Schauwerte alleine machen noch keinen guten Auftritt aus...

Umbra et Imago. Leider war die Akustik bei weitem nicht das einzige Problem, mit dem dieses Konzert zu kämpfen hatte. Plakative Schauwerte alleine machen noch keinen guten Auftritt aus… / Foto: AVALOST

Nach diesem sensationellen Konzert tingelten wir eher passiv über das Gelände, schauten mal hier rein und mal da. So nahmen wir unterwegs das Konzert von UMBRA ET IMAGO mit, die ebenfalls das erste Mal auf dem Amphi aufspielten. Abgesehen davon, dass die Truppe um Mozart mit einer grauenhaften Akustik im Staatenhaus zu kämpfen hatte, war die Show auch irgendwie so gar nix. Womöglich hat sich die sexuell aufgeladene Shpow der Karlsruher im Jahre 2013 auch einfach selbst überlebt. Madeleine Le Roy im Adamskostüm auf die Bühne zu stellen und der alberne Einsatz von Mozart als Kraxlhuber machten das Konzert nicht besser. Hatten Umbra et Imago nicht irgendwann schon mal ihren Rückzug angekündigt? Vielleicht sollten sie noch mal darüber nachdenken, ehe sie mit weiteren Shows dieses Kalibers ihren Ruf als Szene-Urgesteine auseinandernehmen.

Die Form. Ursprünglich als BDSM-Live-Act gegründet, verschanzten sich die Franzosen hinter einem Bauzaun und lieferten dahinter provokante Tanzeinlagen und ... nun ja, eigenwillige... Videos.

Die Form. Ursprünglich als BDSM-Live-Act gegründet, verschanzten sich die Franzosen hinter einem Bauzaun und lieferten dahinter provokante Tanzeinlagen und … nun ja… eigenwillige Videos. / Foto: AVALOST

Nach Umbra hingen wir ein bisschen in der Nähe der Hauptbühne herum, wo gerade Adrian Hates, Gaun:A und der Rest von DIARY OF DREAMS ein durchaus gutes Konzert spielten, das uns aber noch nicht wirklich kickte. Das könnte allerdings einer Übersättigung geschuldet sein, Diary Of Dreams hatten wir in den letzten Jahren einfach zu oft gesehen. Zudem: der melancholische Darkwave der Tageträumer wirkt in schönstem Sonnenschein einfach nicht. Daher ließen wir DoD irgendwann sein und zogen ins Staatenhaus weiter, wo mit DIE FORM die nächste abgefahrene Band wartete. Es hat sich uns nicht erschlossen, warum sich die Herrschaften auf der Bühne hinter einem Bauzaun verschanzten, dennoch überzeugte uns das Duo mit seinen kalten, mechanischen und ganz schön eigenwilligen Electro-Sounds. Eyecatcher waren dennoch weniger der Bauzaun noch die Fetischuniform von Philippe Fichot oder die fragwürdigen Videos, die im Hintergrund abliefen, sondern viel mehr die Tänzerin, die immer wieder ihren Einsatz hatte. Mitunter auch mit Stichwerkzeugen. Ich wusste bis dato nicht, dass man sich so verbiegen kann. Wir kamen zu der Feststellung, dass Die Form nicht dazu taugt, zu unserer Lieblingsmucke zu werden, man ein Konzert dieser Truppe aber dennoch mal gesehen haben kann und sollte.

Nächster Halt war ANNE CLARK, die große Dame synthetisch-verträumter Musik mit gesprochenen, nicht gesungenen Texten. Man kann es drehen und wenden, wie man will: wenn Anne Clark zeitlose Klassiker wie „Sleeper in Metropolis„, „Our Darkness“ oder „Elegy For A Lost Summer“ vorträgt, perfekt begleitet von ihrer Band, dann liegt eine ganz besondere, beinahe magische Atmosphäre im Raum. Als Anne Clark zuletzt auf dem Amphi aufspielte, tat sie es seinerzeit noch auf der Hauptbühne. In diesem Jahr trug sie ihr Programm im Staatenhaus vor. Was unterm Strich nur dazu führte, dass es zu einem noch intimeren Erlebnis wurde. Ich möchte nicht schon wieder den Begriff Highlight verwenden, um dieses einzigartige Erlebnis zu umschreiben. Aber genau das war es. Wie immer. Danke, Anne Clark, für die magischsten Momente dieses Festivals.

Anne Clark. Die Britin sorgte wohl für die meisten "magic moments" dieses Festivals. Und womöglich auch für die am längsten anhaltende Entenpelle.

Anne Clark. Die Britin sorgte wohl für die meisten „magic moments“ dieses Festivals. Und womöglich auch für die am längsten anhaltende Entenpelle. / Foto: AVALOST

Wir konnten Anne Clark jedoch leider nicht bis zum Schluß begleiten, denn auf der Hauptbühne kam es zu einer zeitlichen Überschneidung mit der (für den Autor dieser Zeilen) wichtigsten Band dieses Festivals: FIELDS OF THE NEPHILIM. Nach 2009, vor einer gefühlten Ewigkeit, waren Schamane Carl McCoy und Band endlich wieder da, wo sie hingehören: auf der Hauptbühne des Amphi Festivals, als krönender Abschluss eines bis dahin rundherum gelungenen Festivals! Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, damals 2009, als die Fields von einem Fan mit den Worten „Carl McCoy ist Gott!“ angekündigt wurden. Ganz so dramatisch ist es in diesem Jahr nicht gewesen, dennoch war das Konzert nicht weniger umwerfend als 2009. McCoy, die coole Sau, lässt sich in Mimik tatsächlich so gut wie kein Bisschen aus der Ruhe bringen. Selbst dann nicht, wenn Fans auf den Schultern anderer Fans direkt vor seiner Nase herumhampeln. Einzig in zwei kurzen Momenten  war der Anflug eines Lächelns zu sehen. Haben wir etwa Spaß gehabt, Herr McCoy? Aus der Sicht des Zuschauers sage ich: ja, haben wir. Ein einmal mehr super geiles Konzert einer legendären Band, das viel zu schnell vorbei war. Bei der Zugabe haben es sich die Fields allerdings etwas zuuu einfach gemacht. Nachdem sie auf die Bühne zurückkehrten, um ihre Zugabe zu absolvieren, zeigte die Uhr noch etwa 10 Minuten Restspielzeit an. Pfiffiger Schachzug von den Fields, dafür ausgerechnet „Mourning Sun“ zu wählen, dass live schon mal auf eine Dauer von bis zu 12 Minuten kommt. Schlingel.

Fields Of The Nephilim. Wie wir 2009 gelernt haben, ist Carl McCoy Gott. In Sachen Bühnenpräsenz wird dem Mann jedoch so schnell niemand am Wasser riechen können.

Fields Of The Nephilim. Wie wir 2009 gelernt haben, ist Carl McCoy Gott. In Sachen Bühnenpräsenz wird dem Mann jedoch so schnell niemand am Wasser riechen können. / Foto: AVALOST

Nach diesem durch und durch erfüllenden Erlebnis war es mit dem Amphi aber noch nicht vorbei. Ein letzter Act spielte bereits im Staatenhaus auf, um das Amphi Festival 2013 zu einem runden Abschluss zu bringen: PETER HEPPNER. Die vermutlich markanteste Stimme Deutschlands hatte uns erst im März einmal mehr überzeugt, als er im Rahmen seiner „My Heart Of Stone“ Tour in unserem Wohnzimmer in Braunschweig gastierte. Auf dem Amphi verhielt es sich so, wie es wohl immer aussieht: eine reichlich unspektakuläre Bühnenshow, die einzig und alleine von Peters toller Stimme lebt – und seiner Freude, auf der Bühne zu stehen und so viele Zuhörer zu haben. Er spielte wie gehabt ein Set aus eigenen Songs seiner beiden Solo-Alben sowie ganz viel Zeug, das er mit anderen Musikern gemacht hat. So unter anderem natürlich diverse Wolfsheim-Titel, aber auch Songs, entstanden aus Kollaborationen mit Paul van Dyk („Wir sind wir„), Schiller („Dream Of You„) oder Joachim Witt („Die Flut„). Kleinerer technischer Probleme zum Trotz war dies ein schöner Ausklang für das Amphi Festival 2013. Rückblickend möchte man durchaus noch mal Hach! machen.

Peter Heppner. Hatte mit kleinen technischen Problemen zu kämpfen, die Akustik war auch nicht unbedingt optimal. Egal, ein tolles Konzert war es trotzdem. Es dürfte nun aber auch so langsam mal neues Material kommen, wa? :)

Peter Heppner. Deutschlands faszinierendstes Goldkehlchen hatte mit kleinen technischen Problemen zu kämpfen, die Akustik war auch nicht unbedingt optimal. Egal, ein tolles Konzert war es trotzdem. Es dürfte nun aber auch so langsam mal neues Material kommen, wa? / Foto: AVALOST


Abschließende Worte

Unmittelbar nach Festivalende machten die Veranstalter ein paar Ansagen in Richtung ewiger Meckerköppe. Ja, richtig: die Getränkepreise im Tanzbrunnen haben es in sich. Dass es dabei dem Betreiber des Geländes, der Rhein Connection GmbH anzukreiden ist, dass sich die Preise auf einem Niveau jenseits von Gut und Böse befinden, interessiert den Konsumenten und Besucher sicher herzlich wenig. Steht Amphi dran, also ist auch Amphi schuld? Lötzinn. Die Veranstalter sind sich der Preise bewusst, kreiden sie auch gegenüber dem Anbieter an – damit sind allerdings auch deren Möglichkeiten erschöpft. Denn letztlich sind sie nur genau das: Veranstalter. Dafür gab es beim Einlass keinerlei Probleme damit, halbe Liter fassende Plastikflaschen mit auf das Gelände zu nehmen, die man sich vorab gefüllt haben konnte. Das kennt man von anderen Festivals teilweise durchaus ganz anders. Darüber hinaus gab es in der Nähe des Theaters kostenloses Trinkwasser. Zugegeben, es war stets komplett überfüllt, alle Schuld jedoch auf die Veranstalter abzuwälzen und herumzunörgeln ist in dem Zusammenhang nicht so ganz fair. Weiterhin haben die Veranstalter angekündigt, im nächsten Jahr Kindern nur noch dann den Zutritt zum Festival zu gewähren, wenn sie wenigstens das Alter von 6 Jahren erreicht haben. Sehr begrüßenswerte Entscheidung, schließlich ist so ein Festival immer auch eine Stressbelastung, die man kleinen Leuten einfach noch nicht antun sollte. Tatsächlich geht mir persönlich jegliches Verständnis gegenüber Eltern ab, die ihre frisch geschlüpften Kids im Kinderwagen über so ein Festival bugsieren.

Amphi Festival

Die markanten Pilze des Tanzbrunnens boten in diesem Jahr einen willkommenen Schutz vor der Sonne, die stets in voller Pracht (und ohne Gnade) über Köln am Himmel stand. Der Wettergott meinte es an diesem Wochenende gut mit dem Amphi und sorgte für anhaltend brütende Hitze. / Foto: AVALOST

Wie in jedem Jahr gab es auch dieses Jahr zahlreiche Dinge, die beim Amphi Festival das Gefühl vermitteln, es hier mit einer perfekt geschmierten Festivalmaschinerie zu tun zu haben, an der sich andere Veranstaltungen gerne ein Beispiel nehmen können. Das fängt bei der hervorragenden Situation am Einlass an, geht über die zahlreichen befestigten und stets sauberen Toiletten bis hin zu den freundlichen und hilfsbereiten Sicherheitsleuten, die man teilweise schon vom Blackfield Festival her kannte. Sicherlich gab es auch in diesem Jahr kleinere Dinge, die nicht ganz so rund liefen (beispielsweise nicht immer einwandfreie Akustik im Staatenhaus), aber hey – es ist eine Live-Veranstaltung und kein Laborexperiment! Hier wird unterm Strich so vieles richtig gemacht, dass das Amphi Jahr für Jahr zu einem sehr prägnanten Erlebnis wird. 2013 war in diesem Punkt richtig groß!

Nach dem Ende aller Feierlichkeiten ist das Kennedy-Ufer gegenüber des Kölner Doms allabendlich ein beliebter Treffpunkt, um entweder den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Oder um noch einmal Kräfte zu sammeln für die Aftershow-Party.

Nach dem Ende aller Feierlichkeiten ist das Kennedy-Ufer gegenüber des Kölner Doms allabendlich ein beliebter Treffpunkt, um entweder den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Oder um noch einmal Kräfte zu sammeln für die Aftershow-Party. / Foto: AVALOST

2014 feiert das Amphi Festival sein zehntes Jubiläum. So mächtig, wie die 9. Ausgabe des Festivals in diesem Jahr gewesen ist frage ich mich ernsthaft, wie die Veranstalter das noch überbieten wollen. Andererseits: mit einer so abgefahrenen Aktion wie Call The Ship To Port hatte im Vorfeld ja auch niemand gerechnet. Daher bin ich guter Dinge, dass 2014 den Vorjahren in nichts nachstehen, ja, sie vielleicht sogar noch in den Schatten stellen wird. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt tierisch auf 2014, wenn es endlich wieder heißt: Alles wird Amphi!

Avalost. Auch 2014 vor Ort und Stelle. Wir sehen uns in Köln, wenn es wieder heißt: Alles wird Amphi!

Avalost. Auch 2014 vor Ort und Stelle. Wir sehen uns in Köln, wenn es wieder heißt: Alles wird Amphi! / Foto: AVALOST