Foto: Mr. Kitty

MR. KITTY – Fragments

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Irgendwann in diesem Leben werden wohl viele von uns schon mal im Juli oder August unter dem Sternenhimmel gesessen und den Schauer der Perseiden beobachtet haben. Und wünschten sich vielleicht immer dann, wenn tatsächlich eine Sternschnuppe gesichtet wurde, irgendwo anders hin. Weit, weit weg von hier. An einen Ort, den man nicht mal unbedingt benennen könnte. Dieses unbestimmte Fernweh, das Wünschen und Träumen, diese süße, damit verbundene wunderbare Melancholie lässt sich übrigens mit Musik zurückbringen. „Fragments“, das neue Album von MR.KITTY, ist so ein Gefühlszurückbringer.

Manchmal glaube ich, es ist so eine Art Trademark-Sound von Synthie-Bands aus Austin, Texas, dass der Gesang wie aus weiter Ferne ans Ohr des Hörers dringt. Reagan Jones von Iris beispielsweise, ebenfalls aus Austin, macht das so. Forrest Avery Carney, der Mann hinter Mr.Kitty, macht das ebenfalls so. Zehn Songs sind auf seinem fünften Album versammelt, einer schöner als der andere, und auf allen wirkt es so, als sei die Musik eine Art Wurmloch, durch die der Gesang aus einer Galaxie weit, weit entfernt zu uns kommt. Das die Vocals stets mit einem Hall versehen sind, verstärkt diesen Effekt der Ungreifbarkeit nur. In Kombination mit den chilligen Melodien, erzeugt unter anderem durch extreeem flächige Synthie-Konstrukte, ist „Fragments“ ein träumerisches Album wie schon lange keines mehr. Manchmal erinnert es ein bisschen an den Sound der 80er („I Lost You„), manchmal fühlt man sich mittendrin in einem Videospiel („Cycle Of Violence„).

Dabei sieht es anfangs gar nicht danach aus. Wenn „Hell“ die Pforte zu diesem Album aufstößt, locken die teilweise an Geschrei erinnernden, verzerrten Vocals im Refrain auf eine falsche Fährte. So „ungemütlich“, wie man hier noch vermuten könnte, wird es im Verlauf nicht wieder. Ganz im Gegenteil. Bereits das nachfolgende „Mother“ hüllt den Hörer ein, bettet ihn auf einem fliegenden Teppich und nimmt ihn mit auf eine eindrucksvolle Reise. Eine Reise, die uns zum Beispiel nach „Shanghai“ führt. Wenn man hier die Augen schließt, die Melodie und Stimmung auf sich wirken lässt, ist man ganz plötzlich mitten drin im Trubel einer der größten Städte dieser Welt. Immerhin rund 23 Millionen Seelen zählt diese bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und ganz plötzlich sind wir für eine kurze Weile ein Teil davon. Unzählige, teilweise sehr riesige Leuchtreklamen mit chinesischen Schriftzeichen, die uns sonstwas erzählen könnten, weisen den Weg durch die Nacht. Lange, dunkle Schatten wechseln sich mit funkelnden Lichtern ab, Hitze flirrt immer noch durch die Straßen und Gassen und jeder Moment ist gefüllt mit flüchtigen Blicken und Begegnungen.

Eindrücke bzw. Gedankengänge wie diese ließen sich bei jedem der hier versammelten Songs finden. Selbst dann, wenn Mr.Kitty den Beat ins Tanzbare verschiebt, so wie bei „In Your Blood“ beispielsweise, bleiben die Songs stets ein bisschen verträumt. Texte und Inhalte werden den Hörern hier nicht aufgedrängt. Vielmehr sind sie eine Einladung, den Gedanken und Gefühlen des Autors zu folgen. Es macht aber auch nüscht, wenn man sie beiseite schiebt und sich stattdessen ganz den eigenen hingibt. Dass dabei womöglich latent vorhandenes Fernweh verstärkt wird ist ein Nebeneffekt, den Ihr alle für Euch selbst bewerten müsst.

Abschließend: Für alle romantisch veranlagten Träumer und leidenschaftlichen Melancholiker ist „Fragments“ der perfekte, musikalische Begleiter für den hereinbrechenden Herbst mit all seinen goldenen Farben und vielfältigen Stimmungen. Und es ist eine definitive Empfehlung für jeden, der ein gelungenes Synthie-Pop Album zu schätzen weiß.


Tolle Synthie-Pop-Alben gab es in diesem Jahr schon so einige, ein paar potentielle Kandidaten stehen noch in den Startlöchern. Zu den Alben, deren Anschaffung sich definitiv lohnt, gehört „Fragments“ von Mr. Kitty zweifellos dazu. Laut Selbstbeschreibung handelt es sich bei dieser Mucke um ein zerbrechliches Hologram, das von beleuchteten Kristallen projiziert wird und den Weg durch die Dunkelheit erhellt. Treffender kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen. So schön und so schwer zu fassen wie der Schweif einer Sternschnuppe, die kurz am musikalischen Nachthimmel aufglimmt. „Fragments“ nimmt Euch mit auf eine ganz wunderbare Reise. Über die Dauer von 40 Minuten könnt Ihr hier, dort und überall sein. Das Hologramm, es weist den Weg.


mrkittyfragments


Tolle Synthie-Pop-Alben gab es in diesem Jahr schon so einige, ein paar potentielle Kandidaten stehen noch in den Startlöchern. Zu den Alben, deren Anschaffung sich definitiv lohnt, gehört „Fragments“ von Mr. Kitty zweifellos dazu. Laut Selbstbeschreibung handelt es sich bei dieser Mucke um ein zerbrechliches Hologram, das von beleuchteten Kristallen projiziert wird und den Weg durch die Dunkelheit erhellt. Treffender kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen. So schön und so schwer zu fassen wie der Schweif einer Sternschnuppe, die kurz am musikalischen Nachthimmel aufglimmt.
INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.7.5
GESANG.7
PRODUKTION.8
UMFANG.7.5
GESAMTEINDRUCK.8
LESERWERTUNG.0 Votes0
POSITIV.
Eines dieser Synthie-Pop-Alben, wo die Melodiebögen so groß sind, dass man drunter hindurchlaufen könnte
7.6
TOTAL.

NEUE KOMMENTARE.

  • Die Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Mail benachrichtig...
    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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