SARAH AND JULIAN - Birthmarks
Foto: Mischa Nawrata

SARAH AND JULIAN – Sarah and Julian

Der Sommer liegt im Sterben. Zwar lässt sich die Sonne immer wieder noch mal für eine Weile blicken und wärmt uns für einen Moment. Der Blick auf das Thermometer, das neben dem heute morgen beschlagenen Schlafzimmerfenster hängt, zeigt: letzte Nacht waren es schon nur noch 4 Grad draußen. Unaufhaltsam nähern sich die dunkelromantischen Herbsttage, die vor allem in den Abendstunden immer wieder mal nach besonderer musikalischer Begleitung rufen. Wenn Ihr diesbezüglich empfänglich seid, hätte ich hier einen Tipp für Euch: SARAH & JULIAN. Mit einer EP, die ihren Namen trägt, buhlen sie um Eure Aufmerksamkeit. Ich möchte sagen: mit Recht!

Sarah und Julian, das ist ein deutsch-amerikanisches Geschwisterpaar. Sie sind die Kinder eines kalifornischen Singer-Songwriters, der schon in jungen Jahren nach Deutschland auswanderte. Noch in den Kinderschuhen steckend bekamen Sarah und Julian Muldoon Klarinetten- und Trompetenunterricht. Im Teenager-Alter angekommen, so heißt es, brachte sich das Duo zusätzlich das Spielen von Gitarre und Klavier bei. Und begann damit, eigene Musik zu schreiben. Die sie dann im Homestudio ihres Vaters aufnahmen. PIAS nahm sie kürzlich unter Vertrag und auf der Haben-Seite verbuchen sie inzwischen Auftritte auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival, sie spielten Hamburger Küchensessions und sind demnächst mit Tocotronic auf Tour. Das Debütalbum folgt. Bis dahin aber können wir uns an einer drei Stücke umfassenden EP erfreuen, die wie gemacht scheint für die Jahreszeit, die gerade hereinbricht.

Unheimlich fragil und fast schon zärtlich wirkt es, wenn die Akustikgitarre des ersten Stückes „Cold Wind“ ertönt, der warme Gesang des Geschwisterpaares einsetzt und sie ihre Hörer mit der folgenden, einhüllenden Instrumentierung fort trägt. Ernsthaft: bei „Cold Wind“ denke ich an kalte, graue Tage in einer stürmischen Küstenlandschaft, die vom Wind aufgepeitschte See zerschellt an Klippen, die Gischt zirkuliert über die Oberfläche und der Leuchtturm hat es schwer, sein Licht durch Wind und Sturm zu bringen. Wenn ich es mir bei solchen Rahmenbedingungen in einer Hütte bequem machte, am knisternden Kamin mit seinem warmen Licht und tanzenden Schatten, einer heißen Tasse voll mit dampfenden Grogs und dabei beobachtete, wie der Tag langsam der Nacht wiche, während die blaue Stunde die Szenerie draußen beherrschte – ja, dann wäre das ganz Gewiss exakt das Lied, das ich hören wollen würde. Es wäre der denkbar beste Soundtrack für diese eigentümliche, heimelige Atmosphäre.

Die nachfolgenden beiden Songs, „Home“ und „Like A Letter“ stehen dem in nichts nach. Sie sind mindestens genauso stimmungsfördernd, fallen jedoch deutlich ruhiger und spärlicher aus. Um die eben entworfene Skizze weiter zu tuschieren: es sind die Songs die ertönen, wenn das Feuer im Kamin einer knackenden, knisternden Glut gewichen ist und in dunkelroten Tönen seine restliche Hitze abstrahlt. Eben ein Moment, kurz bevor man den Tag beendet. Und draußen pfeift noch immer der Wind in ungezügelter Eile über das Land…

Drei Songs sind noch ein bisschen wenig, um ein abschließendes Urteil über Sarah and Julians musikalisches Schaffen abgeben zu können, aber: wer sich für Singer-Songwriter-Musik, mal mit dezenten Folk-Anleihen und mal mit einer Prise Indie, erwärmen kann, sollte dieses Duo hier bitte im Auge behalten. Ich bin ziemlich sicher, dass wir hier noch einiges zu erwarten haben!


Fazit: Wie anfangs schon erwähnt: unaufhaltsam bewegen wir uns auf eine Jahreszeit zu, wo man ruhig mal etwas besinnlichere Mucke aus dem Schrank kramen kann. Um sich bei Tee, Kerzenschein und Lieblingsdecke von der Musik wärmen und an andere Orte tragen zu lassen. Eine gewisse Melancholie wohnt diesen hier versammelten drei Songs inne – eine von dieser Sorte, in der man baden möchte. Einfach weil das manchmal sein muss. Ich bin sehr gespannt, was das Debütalbum können wird, wenn es denn mal kommt. Aktuell liegt mir noch nicht einmal ein Termin vor. Diese EP hier werde ich aber in dieser Herbst-/Wintersaison ganz sicher so manches Mal abspielen. Ihr hört mich gerade Hach! machen.


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Drei Songs sind noch ein bisschen wenig, um ein abschließendes Urteil über Sarah and Julians musikalisches Schaffen abgeben zu können, aber: wer sich für Singer-Songwriter-Musik, mal mit dezenten Folk-Anleihen und mal mit einer Prise Indie, erwärmen kann, sollte dieses Duo hier bitte im Auge behalten
INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.7.5
GESANG.8
PRODUKTION.8
UMFANG.7
GESAMTEINDRUCK.7.5
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Wunderbare Singer-Songwriter-Mucke mit dezenten Anleihen an Folk und Indie
7.6
TOTAL.