Foto: Axel Jusseit

UNZUCHT – Schweigen/Seelenblind (EP)

Die angeschlagene Taktrate, in kurzen Abständen immer neues Material auf den Markt zu bringen, wollen sich „Unzucht“ wohl nicht nehmen lassen und zeigen welches Potential noch in ihnen schlummert. Erst im November letzten Jahres berichteten wir von ihrem dritten Album „Venus Luzifer“ und waren begeistert. Noch bevor jetzt im Herbst der zweite Teil der Tour beginnt – und pünktlich zum Auftritt beim M’Era Luna – folgt am 7. August 2015 eine 8-Track-EP, die neben zwei Auskopplungen des besagten 2014er Albums auch noch zwei gänzlich neue Titel das Licht der Welt erblicken lässt. Zusammen mit vier Remixen zeigen die Mannen um Daniel Schulz, was in ihnen steckt und stimmen auf die anstehenden Konzerte ein.

Die ersten beiden Stücke kennt der geneigte Unzucht-Hörer ja bereits und schielt neugierig auf das weitere Material an Board. Vor allem „Schweigen“ hat live schon mehrfach bewiesen, die Menge mit dem hymnenartigen Refrain begeistern zu können. Und so wundert es nicht, dass Der Schulz verrät, aktuell auch an einem Video dazu zu sitzen, auf das man gespannt sein kann. Und dass mein heimlicher Album-Favorit „Seelenblind“ den Weg auf eine EP geschafft hat, freut mich natürlich. Eine schön düstere, rockige Klangkulisse mit tiefgründigem Text – typisch Unzucht halt.

Aber kommen wir nun zu den beiden Neulingen, die zwar bereits während der Produktion des Albums entstanden sind, aber noch nicht ihren rechten Platz dort finden konnten. Thematisch widmet sich „Die Dialektik des Schweigens“ wieder einmal mehr einem ernsteren Grundtenor – dem zwischenmenschlichen Umgang mit all seinen Lügen, Intrigen und der Selbstgerechtigkeit manch eines Vertreters unserer Spezies. Untermalt in gewohnter Dark-Rock-Manier mit seinen prägnanten Gitarrenriffs und dem gezielten Einsatz der Drums zeigt auch dieses Stück die deutliche Unzucht-Handschrift. Spannend ist dabei auch der gesamte Aufbau mit all seinen Tempiwechseln und dem Wechsel zwischen brachial hart und melodisch zart. Die eher aus der Philosophie stammende Wortwahl „Dialektik“, was übrigens soviel wie Gegensätzlichkeit bedeutet, wirkt allerdings im Refrain irgendwie etwas fehl am Platz und ist, ohne etwas unterstellen zu wollen, sicher nicht die Wortwahl im alltäglichen Sprachgebrauch der Fangemeinde. Trotzdem hat der Titel insgesamt was für sich. Ich bin gespannt, wie er live ankommen wird.

Thematisch daran anknüpfend wirkt „Ein letzter Gedanke“ erwachsen und ruft dazu auf, das Leben zu nehmen, wie es kommt und sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen zu lassen. „Was vorher verlor’n schien, macht jetzt wieder Sinn“. Meine Worte: Nichts geschieht ohne Grund! Musikalisch beginnt der Titel eher ruhig mit ein paar Sekunden Synthie-Klängen, bevor es aber in die prägnant harten Gitarrenklänge übergeht. Während die Strophen sicherlich live zum rhythmischen Headbangen einladen, ist der Refrain wieder gewohnt melodisch eingägig und bringt den Zuschauer dazu, zu diesem tiefgründigen Text einzustimmen. Schöner Titel.

Zur Vervollständigung des Ganzen spendiert das Quartett nun noch vier exklusive Remix-Versionen von Stücken des letzten Albums, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als da wären: Death Valley High aus San Francisco, ihres Zeichens Support beim ersten Teil der Venus Luzifer-Tour, vergnügten sich hier mit „Seelenblind“ und stulpen dem ganzen psychedelische Klänge über. Gewöhnungsbedürftig, aber durchaus spannend.

Die neue Band Erdling um die ehemaligen Stahlmann-Musiker Neill Freiwald und Niklas Kahl, wird Unzucht im zweiten Teil der Venus Luzifer-Tour supporten und steuert hier einen Remix von „Neugeboren“ bei. Dieser zeigt sich etwas beschleunigt zum Original und deutlich klarer in der Klangkulisse. Der Refrain erhält einen sphärischen Hintergrund. Das Stück macht neugierig auf das noch Kommende aus diesem Hause.
Weiter geht’s dann mit einer neuen Version von „Schweigen“, welche sich Bells Into Machines ausgedacht haben. Leider kann mich diese mit den Synthieeinspielungen nicht so wirklich mitreißen und weicht den ganzen Titel doch eher auf, als dass es zuträglich wäre.

Sie schließen mit einem Roboz Remix des Songs „Das Denkmal fällt“. Und der ist eine Überraschung schlechthin. Während das Original eher hart unterwegs war, zeigt er sich hier als Dubstep-Variante nach einer 180 Grad Wende, der aber trotzdem noch tanzbar ist. Mein Favorit der EP, weil er zeigt, dass Unzucht auch ganz anders sein kann – ein bisschen durchgeknallt halt. So wie wir alle ein bißchen…


Die anstehenden Festivals und der zweite Teil der Tour können kommen. Als Appetithäppchen, um sich wieder in Erinnerung zu rufen, ist diese EP gut platziert. Wie gewohnt zeigen Unzucht mit ihren neuen Stücken hier wieder, dass die Lyrik eine ihrer großen Stärken ist. Texte zum Nachdenken, die etwas ausdrücken wollen, in denen man sich wiederfinden kann und die trotzdem nicht mit einem Schmuse-Allerlei musikalisch zerkocht worden sind.


Unzucht-Schweigen-Cover-1500


Die anstehenden Festivals und der zweite Teil der Tour können kommen. Als Appetithäppchen, um sich wieder in Erinnerung zu rufen, ist diese EP gut platziert. Wie gewohnt zeigen Unzucht mit ihren neuen Stücken hier wieder, dass die Lyrik eine ihrer großen Stärken ist. Texte zum Nachdenken, die etwas ausdrücken wollen, in denen man sich wiederfinden kann und die trotzdem nicht mit einem Schmuse-Allerlei musikalisch zerkocht worden sind.
INHALT / KONZEPT.
7.5
TEXTE.
8.1
GESANG.
7.5
PRODUKTION.
8
UMFANG.
7
GESAMTEINDRUCK.
7.5
LESERWERTUNG0 Bewertungen
0
POSITIV.
Eine sehr solide EP, die "Venus Luzifer" sinnvoll ergänzt
NEGATIV.
Leider ist nicht jeder Remix ein Treffer
7.6
TOTAL.
Redakteurin

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INHALT / KONZEPT.
TEXTE.
GESANG.
PRODUKTION.
UMFANG.
GESAMTEINDRUCK.
Finale Bewertung