Foto: Kontor Records

VARIOUS – Tomorrowland – The Secret Kingdom Of Melodia

An musikalischen Zusammenstellungen, die einem bestimmten Thema oder Musikgenre zugeordnet sind, herrscht kein Mangel. Wenn ich durch den Markt meines Brötchengebers flaniere, fällt mir auf – ganze Regale sind gefüllt mit Compilations unterschiedlichster Geschmacksrichtungen. Immer wieder gern genommen sind auch Festivalcompilations. Prinzipiell ließe sich wohl zu jedem anständigen Festival, das eine gewisse Größe übersteigt und etwas auf sich hält, eine entsprechende Compilation finden. So wie zum Beispiel zum TOMORROWLAND, das dieses Jahr in der Zeit vom 24. bis 26. Juli im belgischen Boom (!) stattgefunden hat. Dazu passend erschien „Tomorrowland – The Secret Kingdom Of Melodia“. Und um diese Compilation geht es mir nun.

In der EDM-Szene gehört das Tomorrowland, das seit 2005 von ID&T im De Schorre National Park in Boom veranstaltet wird, zu den populärsten Festivals überhaupt. Alles was in dieser Szene Rang und Namen hat, reicht sich auf diesem „märchenhaften“ Festival die Klinke in die Hand. Inzwischen gibt es entsprechende Ableger in den USA sowie in Brasilien. Die Popularität zeigt sich unter anderem daran, dass man wirklich sehr frühzeitig in die Pötte kommen muss, wenn man Tickets für das Tomorrowland ergattern möchte. Die Karten sind stets im Nu ausverkauft. Das Tomorrowland weckt sogar Begehrlichkeiten bei denen, die in der EDM-Szene sonst nicht zuhause sind. Das kann ich im eigenen Umkreis Jahr für Jahr aufs Neue beobachten. Die stets gekonnt ins richtige Licht gerückten Aftermovies dürften daran jedoch nicht ganz unschuldig sein.

Die diesjährige Begleitcompilation trägt entsprechend des Festivalmottos den klangvollen Namen „Tomorrowland – The Secret Kingdom Of Melodia“ und kommt auf drei CDs in einem wirklich sehr edlen, geschmackvollen Hardcoverbuch daher. Dieses Buch wird durch 20 beidseitig bedruckte Seiten abgerundet, die angefüllt sind mit fotografischen Festivalimpressionen. Impressionen, die ungefähr die gleiche Wirkung haben wie die Aftermovies. Das Wasser läuft im Munde zusammen und man möchte dabei sein. Jetzt. Sofort. Manch einer wird vielleicht das Fehlen einer entsprechenden DVD bemängeln, aber irgendwas ist ja immer. Auch bei Auswahl und Art der gewählten Tracks wird hier nicht jeder Geschmack bedient, ja auch gar nicht bedient werden können. Es wäre ansonsten ein Live-Mitschnitt erforderlich gewesen und keine kuratierte Zusammenstellung.

Für den musikalischen Inhalt, die sogenannten „Friends Of Tomorrowland Mixes“, der drei enthaltenen CDs zeichnen Armin van Buuren, Dimitri Vegas & Like Mike, Martin Garrix, Oliver Heldens, Robin Schulz und Steve Angelo verantwortlich. In dieser Reihenfolge. Angekündigt werden sie jeweils mit einem Intro wie es vermutlich auch in Boom zu hören war, wenn die Protagonisten die Bühne eroberten. Ein Silberling schafft es auf die stattliche Zahl von 31 Tracks. Was sich aber dadurch relativiert, dass so mancher Track für die Mixe meist nahtlos eingebunden wird – und sei es nur für nicht einmal eine Minute.

Der überwiegende Teil der Freunde des Tomorrowlands macht beim jeweiligen Kuratorium einen ganz hervorragenden Job. Einzig was bei Dimitri Vegas & Like Mike schief gelaufen ist, will mir nicht so richtig in den Kopp. Deren Mix klingt wie ein musikalischer Schluckauf. Woanders hätte man den DJ bei solch holprigen Übergängen vom Hof gejagt. Und auch der Stil vom aktuellen Shootingstar der Szene, Robin Schulz, nutzt sich beim Hören relativ schnell ab. Die besten Jobs machen Armin van Buuren (wenig überraschend), Oliver Heldens und Martin Garrix. Steve Angello hätte man nach meinem Dafürhalten hier durchaus mehr Spielzeit einräumen dürfen. Sein Beitrag ist ein gelungener Abschluss einer insgesamt sehr hörenswerten Compilation, der aber gerne ein bisschen länger hätte andauern können. Das vielleicht ein bisschen kitschige „Children Of The Wild“ mit seinem Kinderchor und allem passt als Finale dennoch wie die Faust aufs Auge.


Zumindest in der äußeren Aufmachung dürfte es derzeit keine schönere Compilation auf dem Markt geben als „Tomorrowland – The Secret Kingdom Of Melodia“. Die kann man einfach schon deshalb kaufen, weil dieses Hardcover und das Booklet mit den vielen stimmungsvollen Farbfotos ein echter Hingucker sind. Die musikalische Zusammenstellung geht soweit auch in Ordnung, sieht man mal von dem Beitrag von Dimitri Vegas & Like Mike ab. Aber die machen ja nur einen kleinen Teil des Gesamtpakets aus und fallen unterm Strich nicht weiter störend auf. Somit ist dieses Paket für Teilnehmer des diesjährigen Tomorrowlands sicher eine schöne Erinnerungshilfe und für alle anderen Interessierten eventuell ein Grund mehr, auch endlich mal nach Belgien zu gurken. EDM-Fans müssen hier sicher nicht zum Hören überzeugt werden. Aber auch Electro-Freunde anderer Subkulturen, die ohne Scheuklappen durch die Musikwelt streifen, können sich dieses schicke Büchlein ins Regal stellen.


Cover_Tomorrowland 2015 - Melodia_kl