Foto: Roman Jasiek / AVALOST

24 STUNDEN IN WISMAR

Das Geld ist knapp, die Zeit auch, aber das Bedürfnis mal rauszukommen, ist einfach da und es ist groß. Ein Zustand, der uns bestens bekannt ist. Aber hey – man muss ja nicht gleich einen Flieger besteigen, um mal eine kleine Auszeit genießen zu können. Es reicht manchmal schon, ins Auto oder die Bahn zu steigen und an die Ostsee zu fahren. Und das haben wir neulich getan. Unser Ziel: Die hübsche Hansestadt Wismar. Unser erster Beitrag unserer neuen Reihe: „24 Stunden in…“.

Warum Wismar? Nun, einerseits aus ganz profanen Gründen. Ich habe hier einen großen Teil meiner Kindheit verbracht. Deshalb zieht es mich immer wieder an diesen Teil der Ostseeküste. Andererseits lohnt es sich einfach, dieses UNESCO Welterbe zu erkunden. Mit ungefähr 42tausend Einwohnern ist Wismar größentechnisch ziemlich überschaubar. Wenn man sich den Stadtkern nebst Hafen als Ziel vornimmt, hat man nicht nur so ziemlich alles Wesentliche gesehen, sondern kann das auch bequem an einem Nachmittag schaffen. Und ungefähr so war es auch.

In 24 Stunden sieht man natürlich nicht alles, was es in Wismar zu sehen gibt. Einen guten Eindruck von der hübschen Hansestadt kann man sich in den wenigen Stunden dennoch verschaffen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir sind gegen 10 Uhr morgens von Magdeburg aus gestartet und zunächst gemütlich die B189 runter, zwischendurch immer mal wieder so wie auch das letzte Stück über die A14 gefahren. Das war eine ziemlich lässige Autofahrt. Außer uns war über weite Strecken kaum ein anderes Auto unterwegs. Somit hatten wir unser Ziel, das eine private Unterkunft von Verwandten meinerseits im Stadtteil Wendorf war, gegen 13:30 Uhr erreicht. Es war ein warmer und sonniger Junitag. Perfekt, um Wismar zu erkunden. Wie sich herausstellen sollte, fand an diesem Tag auch ein Hafenfest statt. Na Mensch, geht doch. Wenn Ihr nicht privat irgendwo unterkommt, haben wir einen Tipp für eine schicke Unterkunft für Euch: Das Hotel Schwedenhaus. Ich hatte mich bei einem meiner früheren Besuche hier schon einmal mit Freunden einquartiert und das Hotel aufgrund seiner Lage, der moderaten Preise und der nordisch-maritimen Gestaltung in positiver Erinnerung behalten. Es ist kein Luxus-Hotel, aber für einen Trip wie wir ihn gemacht haben, bestens geeignet.

Nachdem wir uns ein bisschen gestärkt hatten, sind wir auch direkt ins Stadtzentrum gefahren. Muss man wissen: Stand Juni 2017 ist die Einfahrt Richtung Zentrum von Wendorf aus kommend ziemlich stark durch Baustellen beeinträchtigt. Wenn dazu noch ein Event wie das Hafenfest oder das Schwedenfest stattfindet, ist es mitunter ein bisschen schwierig, einen Parkplatz zu finden. Wir parkten im Turnerweg. Da sind wir bisher immer fündig geworden.

Keine Sorge, weder haben wir die Kamera nicht gerade halten können, noch erliegt Ihr irgendwelchen optischen Täuschungen. Rund um Wismars alten Hafen herum gibt es so manches schiefe Haus zu sehen. So wie hier das Gewölbe. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Von dort aus führte uns unser Weg zunächst zum Marktplatz. Und was soll ich sagen, außer: Hach! Wismar gehörte früh der Hanse an und die Geschichte ist vor allem und ganz besonders um den Marktplatz herum seh- und spürbar. Da ist die Wismarer Wasserkunst von 1602, die direkt den Blick einfängt, das klassizistische Rathaus aus dem Jahre 1819, da sind die ganzen alten gotischen Gebäude, da sind Kirchen wie die Nikolaikirche, St. Marien oder St. Georgen – überhaupt gibt es rund um den Marktplatz viele historische Gebäude zu sehen. Dass Wismar nach dem 30-jährigen Krieg lange Zeit unter schwedischer Herrschaft stand, ist ebenfalls vielerorts zu bemerken. Dafür sorgen die vielen Schwedenköpfe (hölzerne Kopfskulpturen, etwa 1,50 Meter groß, deren Herkunft bis heute nicht richtig geklärt ist), die vor allem um den Seehafen herum zu sehen sind und der Bezug diverser Restaurants wie dem „Alter Schwede“, angesiedelt im backsteingotischen Bürgerhaus gleichen Namens. Letzteres ist übrigens ein heißer Tipp, wenn Ihr gut Fisch essen wollt. Und ich meine, hey, wenn man schon mal an der Küste ist, kann man ja auch mal frischen Fisch essen, oder nicht? Dazu aber später mehr. Übrigens: Die Kaufhauskette Karstadt hat in Wismar ihr Stammhaus stehen – unweit des Marktplatzes.

Wenn man keine Lust oder Gelegenheit hat, die Spezialitäten des Wismarer Brauhauses vor Ort zu probieren, kann man sich das auch für Zuhause mitnehmen. Das sind übrigens 1-Liter-Flaschen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Nachdem wir staunend über den Marktplatz flaniert sind, führte uns unser Weg vorbei am Haupt- und dem Busbahnhof (sehenswert entlang des Weges: Die städtische Warmbadeanstalt. Laut Beschriftung die Badeanstalt der Werktätigen.) zum Hafen. Dort gibt es nicht nur viele Restaurants und Cafés, die zum Verweilen und Schlemmen einladen, sondern auch das Wismarer Brauhaus. Dort könnt Ihr unter anderem ziemlich leckeres Bier aus eigener Produktion erwerben. Entweder zum Trinken vor Ort – was sich gerade im Sommer echt anbietet, so ein „Roter Erik“ schmeckt in der historischen Kulisse mit dem historischen Wassertor und diesem merkwürdig schiefen Haus, dem Gewölbe aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (Ihr erkennt es, wenn Ihr es seht) einfach gleich nochmal so gut! – oder zum Mitnehmen. Nicht kleckern, klotzen ist die Devise. Das Bier zum Mitnehmen wird in überschaubaren 1-Liter-Flaschen verkauft. Aus Glas. Mit Plopp-Verschluss.

Das Wassertor am Alten Hafen. Im Prinzip direkt dahinter, nur wenige Meter entfernt, befindet sich das erwähnte „Brauhaus am Lohberg zu Wismar“. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wie bereits erwähnt, war an diesem Tage Hafenfest angesetzt. Was bedeutet: Rummel entlang der Wasserkante. Haufenweise (Fress-)Büdchen, ein Riesenrad und jede Menge anderer Tand, wie man ihn auf jedem Rummel findet. Plus ganz viele Menschen, die das zum Anlass nahmen, über eben diesen zu flanieren. Ganz cool: Diverse Boote, die entlang des Kais festgemacht waren, konnten kostenlos besichtigt werden. So waren wir auch das erste Mal in unserem Leben an Bord eines Polizeischiffs und beäugten alles neugierig. Wir stärkten uns mit einer Bratwurst, die mit 3 € für so eine Veranstaltung gemessen an der Größe der Wurst echt günstig war – und auch ziemlich lecker. Da wir von dem Trubel aber recht schnell genug hatten, wanderten wir an dem Kreuzfahrtkai vorbei (die Albatros von Phönix Reisen hatten wir um einen Tag verpasst) zurück in Richtung Innenstadt und dann weiter zum Auto.

Hier zu sehen: ein ehemaliges Getreidestaub-Verladesilo, direkt am Alten Hafen, das zum „Chalet Nautique“ umgebaut wurde und neben einer Suite zwei Appartements für Urlauber bietet. Günstig ist allerdings etwas anderes. So kostet beispielsweise das Appartement Caravelle für zwei Personen 95 € pro Nacht plus 135 € Endreinigungskosten (Stand: Juni 2017). Dafür dürfte das Chalet die Touristenunterkunft mit der spannendsten Lage der ganzen Stadt sein. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Apropos Kreuzfahrt: Das Thema hat in Wismar Tradition. Die AIDAvita und die AIDAaura wurden in der Wismarer MTW-Werft in den frühen 2000ern gebaut. Und nachdem die malaysische Genting Group die Werften unter anderem in Wismar übernommen hat, soll es in Wismar jetzt auch wieder losgehen mit dem Bau weiterer Kreuzfahrtschiffe. Tipp für die Schiffsspotter unter Euch: Von Juli bis September 2017 werden noch sieben weitere Kreuzfahrtschiffe in Wismar erwartet. Zurück zu unserem Ausflug: Es war inzwischen später Nachmittag geworden und wir hatten noch ein weiteres Ziel auf dem Zettel stehen: Den Strand nebst der Seebrücke in Wendorf.

Die Seebrücke in Wendorf. 350 Meter ragt sie in die Ostsee hinein und von ihrem Ende kann man einen guten Überblick über Wismars Küste erhaschen. Ganz in der Nähe: das Hotelrestaurant Seeblick. Dichter am Strand kann man in Wismar nicht Urlaub machen. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Die Seebrücke in Wendorf ragt 350 Meter in die Ostsee hinein. Von dort aus hat man einen ganz prima Blick auf den Strand bzw. die Bucht als solches, aber auch der Hafen und die riesige Halle der Werft sowie die Kirchen sind von dort aus gut zu sehen. Zudem bekommt man einen Eindruck davon, dass Wismar so an sich ein doch eher kleines Städtchen ist. 13 Monate war die Brücke übrigens wegen einer Sanierung gesperrt, wurde aber im Juni 2015 wiedereröffnet. Die Seebrücke sollte in jedem Fall auf Euer Bucketlist stehen, wenn Ihr Wismar besucht.

Direkt in der Nähe der Brücke befindet sich das Hotelrestaurant Seeblick. Sicher eine ganz nette Herberge, wenn man in direkter Ostseenähe gastieren möchte. Viel dichter dran geht es nicht. Für uns aber war das nur der Laden, in dem wir ein Getränk schnackelten und uns über den eher mäßig tollen Service ärgerten. Die arme Frau, die hier den Dienst schob, war sichtlich überfordert. Daher beließen wir es bei einem Getränk, zumal wir für das Abendessen einen spannenden Tipp erhalten hatten. Das Kiek in, ein paar Meter die Hauptstraße hinauf. In einem kleinen Waldstück gelegen hieß es, dort verstünde man sich auf das Braten von Fisch. Und, oh ja, nach Fisch stand uns definitiv der Sinn. Und, ebenfalls oh ja, leckeren Fisch braten können die da! Wir hatten Zanderfilet und Dorschfilet, beides ausgesprochen lecker! Wanderer, kommst du dereinst nach Wismar und steht nach Fisch der Sinn Dir – probier’s mal im Kiek in. Preislich war das auch echt ok. So kostete das Zanderfilet auf Kräuterbutter mit Beilagen überschaubare 10,90 € – ein echt fairer Preis für die gebotene Portion. Für ungefähr 30 € für zwei Personen inklusive Getränke waren wir nicht nur pappesatt, sondern hatten auch ziemlich leckeren Fisch genossen. Nachdem wir nun also fürstlich gespeist hatten, ging es für uns zurück in unser Nachtlager und der erste Tag war vorbei.

Der zweite Tag war auch gleichzeitig unser Abreisetag. Bevor es jedoch wieder zurück in die Heimat ging, machten wir einen kurzen Abstecher nach Boltenhagen. Hier kann man auch ganz wunderbar Urlaub machen. An der Strandpromenade gibt es Restaurants und Cafés in Hülle und Fülle und auch hier ist eine Seebrücke installiert. Unser Interesse, nicht zuletzt weil wir nur noch wenig Zeit hatten, galt aber etwas ganz anderem. Am Strand Boltenhagens kann man für 8 Euro pro Tag einen Strandkorb mieten. Bisschen weiter ab vom Schuss gab es auch welche für 5 €. Einen solchen haben wir gemietet. Daher bummelten wir dieses Mal nicht durch die Gegend, sondern zogen es vor, im Strandkorb zu chillen, uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und die Füße mal in die noch ziemlich kühle Ostsee zu tunken. Es waren nur wenige Stunden, die wir dort verbringen konnten, aber durch das großartige Wetter war das direkt eine Art Wochenendsommer. Perfekt für gestresste Werktätige, die eine kleine Auszeit brauchen.

Am Strand von Boltenhagen kann man sich einen dieser Strandkörbe mieten (und derer gibt es vor Ort zahlreiche!) und ein paar entspannte Stunden am Meer verbringen. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Da wir uns als Ziel gesetzt hatten, gegen 20 Uhr wieder zuhause zu sein, machten wir uns gegen 15 Uhr auf den Rückweg. Um wieder auf die A14 bzw. die B189 zu kommen, mussten wir wieder an Wismar vorbei. Und wenn wir schon mal waren… fuhren wir doch direkt noch mal rein, hielten wieder im Turnerweg (wieder reichlich Parkmöglichkeiten vorhanden!) und machten uns auf dem Weg zum Marktplatz. Sinn und Zweck: noch einen Happen essen. Was wir dieses Mal im Restaurant „Alter Schwede“ machten. Es überrascht Euch sicher nicht, dass es auch dieses Mal wieder Fisch wurde, oder? Auch im „Alter Schwede“ lässt es sich hervorragend essen. Die Kulisse mit Blick auf das historische Wasserspiel sowie den Marktplatz ist echt toll! Zwar isst man hier etwas teurer als im Kiek in, dennoch hat sich der Aufpreis definitiv gelohnt. Daher können wir Euch guten Gewissens empfehlen: Wenn Euch Hunger und/oder Appetit auf Fisch plagen, während Ihr in Wismars Stadtkern unterwegs seid – der „Alte Schwede“ ist eine prima Adresse, um wirklich gut zu essen. Hier waren wir mit 40 € für zwei Personen inklusive Getränken dabei.

Schollenfilet in Ei paniert, dazu Kartoffelgratin. Sicherlich kann man in Wismar günstiger Fisch essen als im Restaurant „Alter Schwede“, aber dafür war das Essen so lecker, wie es aussieht. | Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Gut gesättigt traten wir dann die Heimreise an in der Gewissheit, bei nächster Gelegenheit der Hansestadt Wismar erneut einen Besuch abzustatten. Es gibt noch so viel mehr zu sehen hier, aber das sind dann Dinge für die nächsten 24 Stunden. Oder mehr. Diese kleine Auszeit hier, die in Summe ja nur ein paar wenige Stunden andauerte, hat die jeweils ca. 3 Stunden Autofahrt von unserem Startpunkt aus definitiv wett gemacht.


Wismar in 24 Stunden
Restaurants bzw. Gastronomie:

Alter Schwede (direkt am historischen Marktplatz gelegen)
Kiek in (günstige und wirklich leckere Fischgerichte)
Brauhaus am Lohberg zu Wismar (jede Menge Bier und Spirituosen aus eigener Herstellung)

Hotel bzw. Übernachtungsmöglichkeit:

Hotel Schwedenhaus Wismar (gute Lage, einigermaßen günstig, kostenfreies WLAN)

Sehenswürdigkeiten:

– Alter Hafen
– Markplatz (mit Wasserkunst)
– Seebrücke in Wendorf