KREUZFAHRT: Die 10 dramatischsten, interessantesten und bemerkenswertesten Schiffsbiografien
FOTO: MICHAEL JASIEK / ROMAN JASIEK / AVALOST.

KREUZFAHRT: Die 10 dramatischsten, interessantesten und bemerkenswertesten Schiffsbiografien

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Seit über 100 Jahren schon werden Kreuzfahrten angeboten und durchgeführt. Auf dem Weg zu einem touristischen Massenphänomen, wie es das heute ist – die Reedereien überschlagen sich derzeit ja mit Meldungen bezüglich Schiffstaufen und neu bestellter Schiffe – ist es immer wieder zu Zwischenfällen oder zumindest zu bemerkenswerten Ereignissen gekommen. Einige waren sehr dramatisch, man denke nur an den Untergang der Titanic (oder aktueller: der Costa Concordia), andere sind eher charmant wie die Verwendung als Drehort für Fernsehserien. Stichwort „Love Boat“ oder „Das Traumschiff“. Das sind so die Dinge, die einem vermutlich als erstes in den Sinn kommen, wenn man sich über kuriose, bemerkenswerte oder dramatische „Schiffsbiografien“ unterhalten möchte. Wenig überraschend: es gibt durchaus noch mehr zu entdecken, wenn man ein bisschen stöbert. Das haben wir getan und Euch mal aus über 100 Jahren Kreuzfahrt zehn Schiffe herausgesucht, deren Geschichte auf die eine oder andere Weise bemerkenswert ist. Sei es, weil das Schiff entführt wurde, sei es, dass das Schiff seine Karriere als Frachter oder Autofähre begonnen hatte.

Hier nun die zehn dramatischsten, bemerkenswertesten und interessantesten Schiffsbiografien – von Anfang an bis jetzt.

ACHILLE LAURO

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FOTO: D. R. Walker [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Die Geschichte der Achille Lauro gehört wohl zu den dramatischsten der hier aufgeführten. Am 1. Juli des Jahres 1946 lief sie als Willem Ruys für die Rotterdamsche Lloyd vom Stapel; 1965 wurde das 192 Meter lange und 23.112 BRT vermessende Schiff an die italienische Lauro-Linie übergeben. Im gleichen Zug erfolgte die Umbenennung in Achille Lauro. Das Schiff schien nie unter einem guten Stern gestanden zu haben.
Schon im Januar 1939 wurde mit dem Bau der Willem Ruys begonnen. Im Verlaufe des zweiten Weltkriegs wurde das im Bau befindliche Schiff immer wieder durch Sabotage oder Luftangriffe beschädigt. Trotz aller Beschädigungen entschied man sich beim Rotterdamschen Lloyd, das Schiff aller bisherigen Widrigkeiten zum Trotz weiterzubauen. Gesagt, getan. Das Schiff fuhr eine Weile durch indonesische Gewässer, kollidierte dann aber im Januar 1953 mit der Oranje. Die Oranje erlitt dabei schwere Schäden, die Willem Ruys kam einigermaßen glimpflich davon. Wenigstens dieses Mal.

Internationale Bekanntheit erlangte die Achille Lauro im Oktober des Jahres 1985, als sie während des Aufbruchs zu einer Mittelmeerkreuzfahrt von vier palästinensischen Terroristen entführt wurde. Die Achille Lauro befand sich da gerade auf dem Weg von Alexandria nach Port Said. An Bord: 680 Passagiere und rund 350 Besatzungsmitglieder. Im Verlaufe dieser Entführung wurde der Tourist Leon Klinghoffer hingerichtet und samt Rollstuhl über Bord geworfen. Weiterhin kam es im weiteren Verlauf zu einem diplomatischen Eklat, nachdem US-Spezialeinheiten das Flugzeug der Entführer, das sie in der Zwischenzeit hatten ergaunern können, umstellten – und ihrerseits von italienischen Militärs umstellt wurden, die ihre Hoheitsrechte durchsetzen wollten. Die Entführung wurde in verschiedensten Medien zur Genüge aufgearbeitet, daher soll dies als kurzer Exkurs genügen.

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FOTO: D. R. Walker [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Die Geschichte der Achille Lauro endet in den letzten beiden Monaten des Jahres 1994. Am 30. November 1994 brach Feuer im hinteren Maschinenraum aus, als das Schiff sich mit 572 Passagieren und 408 Besatzungsmitgliedern gute 40 Seemeilen östlich des Horns von Afrika im Indischen Ozean auf einer Kreuzfahrt von Genua von Durban befand. Der Brand geriet außer Kontrolle, die Achille Lauro musste infolgedessen evakuiert werden. Am Morgen des 2. Dezember 1994 wurde das Kreuzfahrtschiff vom Schlepper Solano an den Haken genommen, damit es in Küstennähe gebracht werden konnte. Soweit der Plan. Wie man anhand der bisherigen Geschichte des Schiffes bereits vermuten könnte, kam es natürlich nicht dazu. Am Abend desselben Tages wurde das Vordeck des Schiffes von einer Explosion erschüttert, extreme Schlagseite und der Untergang innerhalb von nur zehn Minuten waren die Folge. Damit endet die Geschichte eines Ozeankreuzers, dem das Schicksal offenbar nie hold war. Die Rechtsstreitigkeiten, die sich mit der Unglücksursache befassten, zogen sich allerdings noch bis zum Jahre 2006 hin.

BALTIKA

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FOTO: Post of USSR / Wikipedia

Die Baltika wurde schon 1940 als Linienschiff Vyachestav Molotov in der Amsterdamer Werft N.V. Nederlandsche Dok & Scheepsbouw Maats. für die Baltische Staatliche Seereederei gebaut. Eigentlich sollte das Schiff durch den (sowjetischen) Fernen Osten kreuzen, bedingt durch den zweiten Weltkrieg erhielt die spätere Baltika die Bezeichnung VT-509 und wurde als Transportschiff eingesetzt. Während der Leningrader Blockade (8. September 1941 – 27. Januar 1944) diente das Schiff für vielerlei Dinge. So zum Beispiel als Lazarettschiff, als Kraftwerk, als Wäscherei für Leningrad sowie die dortigen Truppen, als Werkstatt und nicht zuletzt auch als Produktionshalle zur Fertigung von Raketen für die Stalinorgel (ein Mehrfachraketenwerfer). Was man auf einem rund 136 Meter langen Schiff alles anstellen kann, besonders wenn es die Umstände erfordern, ist schon beachtlich!

Nach Ende des Krieges fuhr das Schiff erst im Schwarzen Meer und anschließend tatsächlich im Fernen Osten. Bis zum Jahr 1955, danach wurde es ins Schwarze Meer zurückbeordert. Wjatscheslaw Molotow verlor seinen Posten als Minister, das Schiff daraufhin seinen Namen. Bis zur Verschrottung im Jahr 1987 fuhr das Schiff unter dem Namen Baltika über die Meere. Zu den illustren Gästen der Baltika gehörte unter anderem der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, den die Baltika 1960 nach New York brachte, wo der Politiker seine weltbekannte Rede vor der UNO-Vollversammlung hielt und der Überlieferung nach voller Wut mit seinem Schuh auf den Tisch vor ihm geschlagen haben soll. Während der Kuba-Krise wurden Schiffe wie die Baltika im Geheimen als militärische Transporter verwendet. An Bord der Baltika: Teile der 51. Raketendivision. Die wechselhafte Geschichte des Schiffes endet mit dem Einsatz als Hotelschiff, ehe sie 1987 in Pakistan verschrottet wurde.

CLUB HARMONY

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FOTO: VollwertBIT [CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)]

Kreuzfahrtschiffe, die heute in Dienst gestellt werden, sind von für gewöhnlich vornherein als solche konzipiert. Das war nicht immer so. Es ist schon vorgekommen, dass es für Reedereien günstiger war, ein Schiff, das für ganz andere Aufgaben als die luxuriöse Fahrgastbeförderung zu den schönsten Destinationen der Welt gebaut wurde, zu einem schwimmenden Hotel umzubauen. Nehmen wir die Club Harmony als Beispiel. Die nämlich fuhr erstmals ab 1969 über die Weltmeere – damals allerdings noch unter dem Namen Axel Johnson. Und das als Containerschiff.

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Das baugleiche Schwesterschiff Margaret Johnson | FOTO: TedQuackenbush [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Mitte der 1980er wurde das Schiff verkauft, in Regent Sun umgetauft und sollte eigentlich zum Kreuzfahrtschiff umgebaut werden. Das zog sich wegen finanzieller Schwierigkeiten der Beteiligten jedoch hin, zwischendurch wurde der Kahn abermals verkauft und umgetauft – dieses Mal in Italia – ehe sich 1988 Costa Crociere dem Schiff annahm und es dann tatsächlich zu einem Kreuzfahrtschiff umbauen ließ: in die Costa Marina nämlich. Diesen Stunt wiederholte die italienische Reederei in den Jahren 1990 bis 1992 übrigens noch ein weiteres Mal. In diesem Zeitraum wurde aus dem Frachter Annie Johnson das Kreuzfahrtschiff Costa Allegra. Die Geschichte des Schiffes, das in den frühen 10er Jahren dieses Jahrtausends als Club Harmony für Harmony Cruise in Fernost unterwegs war, endet 2014. In diesem Jahr wurde sie als Hamony I. in Alang verschrottet.

FRITZ HECKERT

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FOTO: Bundesarchiv, Bild 183-81520-0001 / Haftstein / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)]

Über die Fritz Heckert gibt es zumindest nichts dramatisches zu berichten. Das am 25. Juni 1960 vom Stapel gelaufene und in der Matthias-Thesen-Werft in Wismar gebaute Schiff war ein Kreuzfahrtschiff der DDR, das eher durch ein Kreuzerheck und die schornsteinlose Ausfertigung auffiel. Das Urlauberschiff des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates verfügte darüber hinaus aber noch über eine weitere, einzigartige Eigenschaft: Es war das einzige Passagierschiff weltweit, das nicht nur Dieselmotoren zum Antrieb verwendete, sondern auch Gasturbinen mit Freikolbenmaschinen. Die Besonderheit solcher Maschinen besteht unter anderem darin, dass sie sich aufgrund nur weniger beweglicher Teile einfach und vergleichsweise kompakt bauen lassen, über ein hohes Leistungs-Gewichts-Verhältnis verfügen (bei Schiffen sicher nicht ganz uninteressant) – und sie arbeiten in der Regel als Zweitakter. Ob das bei der MS Fritz Heckert auch so war, entzieht sich unserer Kenntnis, dennoch: Mit Zweitaktern hatte man es bekanntlich im Osten. Und die (überspitzte) Vorstellung, dass da ein Zweitakter mit teilweise bis zu 369 Passagieren im Ostseeraum, aber auch bis nach Island oder durch das Mittelmeer tuckerte, ist irgendwie amüsant.

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FOTO: Bundesarchiv, Bild 183-82264-0003 / Burmeister / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)]

Zwischen 1960 und 1972 riss die Fritz Heckert insgesamt fast 495tausend Seemeilen ab und transportierte dabei mehr als 63tausend Gäste. Ganz stattliche Leistung! Die letzten Jahre ihres Daseins verbrachte das zum Hotelschiff umgebaute und in Gulf Fantasy umgetaufte Schiff in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ehe es im März 1999 nach Mumbai zur Verschrottung gebracht wurde.

HEBRIDEAN PRINCESS

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FOTO: Neil Kennedy / „Hebridean Princess“ at Runcorn

Bemerkenswert an der Hebridean Princess sind vor allem drei Dinge. 1964 wurde das Schiff als RMS Columba von Hall, Russell & Company in Aberdeen gebaut – als Autofähre allerdings, die auf ihren knapp 72 Metern Länge und 13 Metern Breite rund 50 Autos und 850 Passagieren Platz bot. 1989 wurde die Columba außer Dienst gestellt, von Hebridean Island Cruises gekauft und zu einem Luxuskreuzfahrtschiff umgebaut. Fortan konnten nur noch 49 Passagiere mit dem Schiff reisen – in luxuriösen Suiten allerdings. Auch die englische Königin Elisabeth II. machte 2006 und 2010 Urlaub auf dem Schiff. Und nicht zuletzt: Das Schiff ist noch immer im Einsatz. Damit ist zu den bemerkenswerten Dingen also festzuhalten: die ehemalige Autofähre gehört zu den dienstältesten Kreuzfahrtschiffen der Welt und selbst die Queen konnte sich dem Charme dieses exklusiven Bootes nicht entziehen.

LYUBOV ORLOVA

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FOTO: Lilpop,Rau&Loewenstein [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Die Lyubov Orlova war (oder ist?) ein 1976 auf der jugoslawischen Werft Brodogradilište „Tito“ in Kraljevica für die sowjetische Far Eastern Shipping Company in Wladiwostok gebautes Linienschiff mit Eisklasse, das Ende der 1990er Jahre zum Kreuzfahrtschiff für Polargebiete umgebaut wurde. Nachdem das Schiff – oder eher dessen damalige Reederei – in Schwierigkeiten geraten war, die unter anderem Arrestierung mit sich brachte, wurde die Lyubov Orlova vom Russian Maritime Register of Shipping aus dem Register gestrichen. Ein iranischer Kaufmann erwarb das Schiff 2012, in der Dominikanischen Republik sollte es dann abgewrackt werden. Auf dem Weg dorthin riss die Verbindung zum Schlepper zweimal, anschließend trieb die Lyubov Orlova als Geisterschiff durch den Nordatlantik. Möglicherweise tut sie das noch immer.

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FOTO: Lilpop,Rau&Loewenstein [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Noch im Januar 2013 trieb das führerlose Schiff auf eine Ölplattform vor der kanadischen Küste zu. Kanada wollte das Schiff zunächst „einsammeln“, da die Lyubov Orlova jedoch aus der kanadischen 200-Meilen-Zone wieder hinausgedriftet war, entschied man sich in Kanada, das Schiff einfach sich selbst zu überlassen. Und seitdem weiß man nicht mehr so richtig, was aus dem Schiff geworden ist. Einerseits gab es zwar Hinweise auf aktivierte Notfunkbaken (werden mit Wasserkontakt aktiviert), eine Untersuchung der zugehörigen Position ergab aber nichts und man spekulierte, dass die Lyubov Orlova gesunken sei. Andere Meldungen besagten, dass ein US-Geheimdienst das Schiff 2400 Kilometer vor den Küsten Irlands ausgemacht haben will. Anfang 2014 sollen Teile eines Rettungsbotes vor der Küste Schottlands gefunden worden sein. Denkbar, dass das Schiff also immer noch irgendwo durch den Atlantik treibt – oder schlicht und ergreifend untergegangen ist.

MAXIM GORKIY

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FOTO: Garitzko [Public domain]

Die Maxim Gorkiy wurde 1968 von der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Hamburg erbaut, trat 1969 ihre Jungfernfahrt unter dem Namen Hamburg an und fuhr viele Jahre für diverse russische Reedereien. Bekanntheit erlangte das Schiff vor allem durch die folgenden Dinge. Einerseits diente sie 1974 als Drehort für den britischen Thriller „18 Stunden bis zur Ewigkeit“. In diesem von Richard Lester inszenierten und mit Richard Harris, Omar Sharif und Anthony Hopkins besetzten Film trug das Schiff jedoch den Namen Britannic.

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FOTO: David Valdez (1949-) [Public domain]

Historisch wesentlich bedeutender ist allerdings das Gipfeltreffen, das nach dem Fall der Berliner Mauer an Bord des Schiffes stattgefunden hatte und bei dem sich US-Präsident George H. W. Bush mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zum Abschluss eines Abrüstungsabkommens vor Malta in aufgebauschter See durchschaukeln ließen. Wenige Monate zuvor war die Maxim Gorkiy im Nordmeer vor Spitzbergen in ein Treibeisfeld geraten und havariert. Ein Unglück, bei dem letztlich doch alles gut ging – Passagiere, Schiff und Besatzung konnten gerettet werden. 2009 wurde die Maxim Gorkiy in Alang (Indien) verschrottet.

Randnotiz: der als „Terminator von Tschernobyl“ bekannt gewordene ukrainische Serienmörder Anatolij Jurijewitsch Onoprijenko, der innerhalb von sieben Jahren 52 Menschen tötete, gehörte einst zur Besatzung des Schiffes.

NORWEGIAN EPIC

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FOTO: Wikifrits [Public domain]
Die Norwegian Epic dürfte von allen in dieser Liste aufgeführten Schiffe das wohl bekannteste sein. Interessant ist in diesem Fall, dass die Epic unter anderen Umständen noch wenigstens zwei weitere Schwesterschiffe der gleichen Bauweise hätte haben können. Die Epic ist das Typenschiff einer „F3“ bezeichneten 150.000-BRZ-Klasse, deren zugehöriger Bauvertrag am 9. September 2006 von der US-amerikanische Reederei Norwegian Cruise Line und der französischen Werft STX France Cruise SA unterzeichnet wurde. Soweit so gut.

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FOTO: Mark Wilson [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Zwei Jahre später jedoch bestätigte STX France, dass es wegen der Baukosten (diese lagen letztendlich bei rund 1,2 Mrd. US-Dollar) zum Streit zwischen STX France und NCL sowie deren Anteilseignern gekommen sei. Das eskalierte sogar soweit, dass eine Vertragsauflösung in Betracht gezogen wurde – die zukünftige Epic war zu dem Zeitpunkt zu etwa 25% fertig gebaut. Ende des Jahres verkündete NCL, dass man die Option auf zwei weitere Neubauten dieser „F3“-Klasse nicht wahrnehmen werde. Und so ist es auch gekommen. Damit ist die Norwegian Epic, deren markante Optik durchaus im Hafen die Blicke auf sich zieht, ein Einzelstück. Eines von der Sorte, das im Bau mit weiteren Zwischenfällen zu tun hatte. So kam es während der Erprobungsfahrten im April 2010 zu Schäden am zweiten Hauptmotor, im Mai des gleichen Jahres brach im hinteren Teil von Deck 4 Feuer aus, wenig später gab es erneut Feuer auf den oberen Decks. Letztlich konnte die Norwegian Epic dann aber doch am 2. Juli 2010 von Country-Sängerin Reba McEntire in New York getauft werden.

PRINZESSIN VICTORIA LUISE

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FOTO: Detroit Publishing Company [Public domain]

In dieser Liste darf ein Schiff nicht fehlen: Die Prinzessin Victoria Luise der Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG, nach 123 Jahren am 1. September 1970 mit dem Bremer Norddeutschen Lloyd zur heutigen Hapag-Lloyd AG fusioniert) – das wohl erste Kreuzfahrtschiff der Welt. Der von Blohm & Voss in Hamburg gebaute Passagierdampfer wurde am 19. Dezember 1900 in Dienst gestellt. Die HAPAG war schon seit 1891 Anbieter von Luxuskreuzfahrten; die Ambitionen im Kreuzfahrtbereich und vor allem der Bau eines reinen Kreuzfahrtschiffes – und nicht nur eines komfortableren Dampfers für schnelle Überfahrten – gingen auf den späteren Generaldirektor der HAPAG, Albert Ballin, zurück. Die Prinzessin Victoria Luise, bestellt durch ihn kurz nach seiner Amtsübernahme, wurde nach der Tochter des deutschen Kaiser Wilhelm II. benannt – und war in vielen Dingen neuartig.

Zum Beispiel unterschied sich das Aussehen der Prinzessin Victoria Luise von anderen Schiffen, glich es doch mehr einer Privatyacht mit seinen zwei Masten, zwei Schornsteinen und dem weißen Rumpf. Weiterhin befanden sich neben 120 luxuriösen Kabinen (mit jeweils zwei Räumen und eigenem Badezimmer) und den üblichen Aufenthaltsräumen eine Bibliothek, ein Trainingsraum und sogar eine Dunkelkammer für Foto-Interessierte an Bord. Der Kaiser höchstselbst soll bei der Ausstattung der Prinzessin Victoria Luise beratend zur Seite gestanden haben.

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FOTO: Scientific American [Public domain]

Zwar fuhr die Prinzessin Victoria Luise über die Weltmeere – meistens über den Atlantik -, eine komplette Weltreise, die immer mal wieder in Angriff genommen wurde, scheiterte jedoch stets aus verschiedenen Gründen. Lange Freude hatten alle Beteiligten ohnehin nicht an dem Schiff. Nach nur sechs Jahren im Einsatz lief die Prinzessin Victoria Luise in der Nähe von Port Royal (Jamaika) auf Grund und ging daraufhin verloren. In der Nacht des 16. Dezember 1906 lief das Schiff mit 14 Knoten – also mit voller Wucht – auf Uferfelsen . Wie so manches Mal in der Geschichte der Kreuzfahrt hatte sich der Kapitän des Schiffes, Kapitän Brunswig, in der Position geirrt und den Rat seiner Offiziere ignoriert. Nachdem die Versuche, das Schiff wieder freizubekommen, scheiterten, verschwand Brunswig in seiner Kajüte – und quittierte seinen Fehler damit, dass er sich mit einem Jagdgewehr erschoss. Nachdem im weiteren Verlauf Besatzung und Passagiere evakuiert waren, versuchte der kleine Kreuzer Bremen, das Kreuzfahrtschiff vom Uferfelsen zu schleppen. Aufgrund sich verschlechternden Wetters wurden diese Maßnahmen aber alsbald eingestellt. Die Prinzessin Victoria Luise wurde anschließend zum Totalverlust erklärt.

Übrigens: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, noch Teil jenes Unternehmens, das im Prinzip als Geburtshelfer der Kreuzfahrt angesehen werden kann. Vielmehr gehört die Luxus-Kreuzfahrtreederei seit 2008 zu 100% der TUI AG.

THE WORLD

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FOTO: MICHAEL JASIEK / ROMAN JASIEK / AVALOST.

Es gibt Schiffe, mit denen kann man nicht nur für die Dauer von Tagen oder Wochen reisen, sondern auch dauerhaft auf ihnen wohnen. Das 196 Meter lange Kreuzfahrtschiff The World ist das erste seiner Art. Auf 12 Decks verteilen sich 165 Appartements, quasi schwimmende (Eigentums-)Wohnungen. Diese unterteilen sich in drei Kategorien: Studios mit einer Größe von 27 bis 78 m², Studio-Appartements von 54 bis 94 m² und dann gibt es noch Appartements in Größen von 63 bis 360 m². Die größten „Wohnungen“ an Bord haben mitunter mehrere Badezimmer und Schlafzimmer. Wer mag, kocht in der eigenen Küche oder speist – in dem Fall beinahe schon fast ganz verwegen – in den Bordrestaurants. Der Kaufpreis einer Wohnung mit einer Größe von 130 m² beträgt zwischen 600.000 und 13,5 Millionen US-Dollar. Wer sich an Bord dieses Schiffes einquartiert, gehört also offenbar zu den wirklich gut sehr, sehr Reichen. Es heißt, dass man über ein Vermögen von mindestens 10 Millionen US-Dollar verfügen muss, um für den erlesenen Kreis der Eigentümer berücksichtigt werden zu können. Denn mit dem Kauf einer Wohnung ist ja noch nicht getan. Zum Kaufpreis gesellen sich noch die jährlichen Unterhalts- und Verpflegungskosten von rund 300tausend US-Dollar.

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FOTO: MICHAEL JASIEK / ROMAN JASIEK / AVALOST.

The World wurde in Schweden gebaut, in Norwegen finalisiert und Oktober 2003 ausgeliefert. Seitdem fährt das Schiff über die Weltmeere und macht in den meisten Häfen über zwei bis drei Tage Station. 142 Familien entscheiden dabei gemeinschaftlich, wohin die Reise des Schiffes führt, während rund 250 Besatzungsmitglieder den Betrieb am Laufen halten. Inzwischen hat das Konzept weitere Nachahmer gefunden, so zum Beispiel die Utopia, die in allen Belangen noch einmal eine deutliche Steigerung gegenüber der World darstellen soll. In Sachen Größe, in Sachen Luxus.


Quellen: The great passenger ships of the world (Koehlers Verlagsges., 2016), Wikipedia, Zeit- & Augenzeugen