Foto: Michael Kanzler / AVALOST

AVALOST SPECIAL: Kreuzfahrt mit der Mein Schiff 3, 7. – 14.9.2014 Westliches Mittelmeer

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Wenn einer eine Reise tut, so kann er was verzählen. Dieses Zitat aus Matthias Claudius’ Gedicht „Urians Reise um die Welt“ kennt Ihr alle – und in unserem Fall ist es gerade passend wie noch nie. Normalerweise gurken wir bekanntlich nur zu irgendwelchen Festivals, um Euch anschließend davon zu berichten. In der Zeit vom 7. bis 14. September aber haben wir mal etwas ganz anderes gemacht: wir haben ein Schiff bestiegen. Genauer: das Kreuzfahrtschiff MEIN SCHIFF 3. Im Hafen von Valletta (Malta) gingen wir an Bord, um das große Abenteuer Kreuzfahrt zu erleben. Da wir von diesem Erlebnis so nachhaltig beeindruckt waren und sind, möchten wir Euch im Rahmen eines AVALOST SPECIALS davon erzählen. Ausnahmsweise mal mit Farbfotos. Wir hoffen, Ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht. Fangen wir an. Ein Hinweis noch vorab: der Artikel ist sehr bebildert und braucht daher möglicherweise einen Moment, um komplett geladen zu werden.4

Tag 1, 7. September 2014 – Valetta, Malta

Zunächst schien es, dass unsere Reise unter keinem sonderlich guten Stern stünde. Da war zum einen mein sich hartnäckig haltender grippaler Infekt, dem ich inzwischen mit Antibiotikum auf den Leibe rückte. Da war aber zusätzlich auch noch eine Fischvergiftung, die sich Mick am Vorabend unseres Urlaubs auf dem Wolfsburger Gourmetfest zugezogen haben musste. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass wir uns in Hannover noch das Konzert von Apoptygma Berzerk und Blitzmaschine anschauten, ehe wir von da aus in Richtung Flughafen weiter gurkten. Soweit der Plan, der leider nicht umgesetzt werden konnte. Statt entspannt in Richtung Hannover zu fahren und den Urlaub mit einem Konzert einzuleiten, starteten wir mit eilig zu Ende gepackten Koffern, zur Hälfte vergessener Fotoausrüstung und plötzlich auftretendem Zeitdruck. Zug zum Flug? War im Preis mit drin, ja, hätte sicher auch geklappt, aber aus oben genannten gesundheitlichen Gründen war es erforderlich, ein Konzernfahrzeug ein bisschen doller über die A2 zu prügeln. Am Flughafen angekommen hatten wir dann aber doch noch genug Zeit, verhältnismäßig entspannt einzuchecken. Die Momente vor der Abgabe unserer Koffer waren auch die, in denen die Aktion Kreuzfahrt 2014 auf der Kippe stand. Homöopatische Wunderkügelchen, die weitere vergiftungsbedingte Gewinnausschüttung des Mageninhalts verhinderten, retteten uns vermutlich am Ende die Reise. Zwar sollten noch einige Stunden vergehen, bis Mick wieder komplett auf dem Dampfer (doppelter Wortwert!) war, die Tendenz war jedoch steigend. Somit beschlossen wir, unsere Koffer abzugeben und die Sache doch durchzuziehen.

So sieht das aus, wenn man den Hafen von Valletta betritt. Man wird förmlich erschlagen von den unfassbaren Dimensionen dieses Schiffs. 293,3 Meter lang, 35,8 Meter breit und 15 Decks bieten Platz für locker 1000 Mann Besatzung und ungefähr 2500 Gäste, verteilt auf 1253 Passagierkabinen. Man fühlt sich ziemlich klein, wenn man vor diesem schwimmenden 5-Sterne-Hotel steht.
So sieht das aus, wenn man den Hafen von Valletta betritt. Man wird förmlich erschlagen von den unfassbaren Dimensionen dieses Schiffs. 293,3 Meter Länge, 35,8 Meter Breite und 15 Decks bieten Platz für locker 1000 Mann Besatzung und ungefähr 2500 Gäste, verteilt auf 1253 Passagierkabinen. Man fühlt sich ziemlich klein, wenn man vor diesem schwimmenden 5-Sterne-Hotel steht. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Ein bisschen wie ein Schluck Wasser in der Kurve hingen wir im Sicherheitsbereich herum, ehe wir endlich gegen 4.30 Uhr einen Bus besteigen konnten, welcher uns über das Rollfeld zu unserer Maschine, eine TUIfly Boing 737-800, brachte. Mit einem Bus zu seinem Flieger gekarrt zu werden hatten wir so auch noch nicht erlebt, aber rückblickend betrachtet war das nur die Vorankündigung darauf, dass im Verlaufe der nächsten sieben Tage so einige Dinge auf uns warten sollten, die wir lange nicht, so noch nicht und/oder vielleicht nie erlebt hatten und die sich im schlimmsten Falle nicht wiederholen. Die knapp zweieinhalb Stunden bis nach Malta vergingen ratzfatz. Als wir Hannover verließen, hatten wir wie so oft in Deutschland doofes Wetter, dem man keine Träne hinterher weint. Als wir Malta erreichten, war es fast 8 Uhr morgens, die Sonne stand schon am komplett wolkenfreien Himmel und mit 28 Grad Außentemperatur lässt es sich doch aushalten. Auch dann, wenn man einmal mehr so einen ollen Flughafenbus besteigen muss um in Richtung des Flughafengebäudes gekarrt zu werden. War ja zum Glück nur eine kurze Strecke. Kaum hatten wir das Gebäude betreten, bemerkten wir schon die ersten Mitarbeiter von TUI Cruises in ihren türkisblauen Polohemden, die den Neuankömmlingen zunächst den Weg zum Gepäckband und anschließend zu den bereitstehenden Shuttle-Bussen wiesen. Diese Busse brachten uns vom Flughafen zum Hafen in Valetta. Und während sich der Bus durch die teilweise verwinkelten Straßen schlängelte, prasselten bereits eine Vielzahl an Eindrücken auf uns ein. Anderes Land, andere Leute, andere Architektur, anderes Wetter, andere Gerüche – für Leute wie uns, deren Reiseziele vor allem aus heimischen Festivals bestehen, anfangs beinahe ein bisschen wie eine Reizüberflutung. Noch dazu, wenn man immer noch nicht so ganz rund läuft. Wenn aber das erste Mal die Silhouette der Mein Schiff 3 zwischen den konsequent quadratisch gebauten Gebäuden Maltas auftaucht, dann beschleunigt sich schon ein bisschen der Herzschlag.

Der Kreuzfahrthafen von Valletta vom Champagnertreff auf Deck 5 gesehen. Wer mag, kann sich neben den unzähligen Dingen, die schon im Reisepreis inbegriffen sind, auch noch ein paar luxuriöse Extras gönnen. Gegen Aufpreis, versteht sich. Und obwohl das Schiff bestens gebucht war, gab es immer und zu jeder Zeit Rückzugsorte, an denen man seine Ruhe haben konnte.
Der Kreuzfahrthafen von Valletta vom Champagnertreff auf Deck 5 gesehen. Wer mag, kann sich neben den unzähligen Dingen, die schon im Reisepreis inbegriffen sind, auch noch ein paar luxuriöse Extras gönnen. Gegen Aufpreis, versteht sich. Und obwohl das Schiff bestens besucht war, gab es immer und zu jeder Zeit Rückzugsorte, an denen man seine Ruhe haben konnte. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Am Hafen wurden wir von Mitarbeiten mit kühlen Getränken begrüßt, während wir uns in der Schlange zum Check-In einreihten. Der Check-In selbst war auch schnell erledigt. Wer noch nie eine Kreuzfahrt gemacht hat: bevor man das Schiff betreten kann, wird man von einem Crewmitglied begrüßt, welches zunächst den Personalausweis und die EC- oder Kreditkarte einliest. Anschließend bekommt man ein Plastikkärtchen im EC Format ausgehändigt, das an Bord einerseits als Zahlungsmittel dient, andererseits aber auch benötigt wird, wenn man das Schiff verlassen bzw. wieder betreten möchte. Auf der Karte sind nämlich Reiseinformationen wie Name des Reisenden, Reisebeginn und -ende sowie das beim ersten Check-In gemachte Foto gespeichert. Wer eine Kreuzfahrt machen möchte, sollte sich darauf einstellen, dass bei jedem Betreten des Schiffes jeder Gast gründlicher durchleuchtet wird, als man es sich beispielsweise auf dem Hannoveraner Flughafen wünschen würde. Noch eine Sache in dem Zusammenhang: noch bevor man überhaupt auch nur den Steg zum Schiff betreten kann, stehen die ersten Desinfektionsmittelspender am Hafen herum. Vor jedem Restaurant und auch so immer wieder auf den Decks ebenfalls. In Eurem eigenen Interesse und auch in dem Eurer Mitreisenden: macht davon bitte ausgiebig Gebrauch.

Das Tag & Nacht Bistro auf Deck 5 wurde zu unserer "Stammkneipe". Hier konnte man wirklich rund um die Uhr schlemmen. Zwar mit deutlich weniger Auswahl als beispielsweise im Ankelmannsplatz auf Deck 12, dafür aber nicht weniger lecker. Eine tolle Alternative, wenn man auf den Trubel der großen Buffetrunden zu den Hauptmahlzeiten gerade keine Lust hat.
Das Tag & Nacht Bistro auf Deck 5 wurde zu unserer „Stammkneipe“. Hier konnte man wirklich rund um die Uhr schlemmen. Zwar mit deutlich weniger Auswahl als beispielsweise im Anckelmannsplatz auf Deck 12, dafür aber nicht weniger lecker. Eine tolle Alternative, wenn man auf den Trubel der großen Buffetrunden zu den Hauptmahlzeiten gerade keine Lust hat. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Kaum hatten wir unsere Karte ausgehändigt bekommen und die Infos bezüglich der am Abend stattfindenden Seenotrettungsübung, die für jeden Gast eine Pflichtveranstaltung ist, erhalten, konnten wir das Hafengebäude verlassen und in Richtung der Landungsbrücke laufen. Das Gebäude, so schien es, war mit Absicht so verwinkelt, um die Spannung nochmals ein bisschen zu steigern. Und dann ist er da, dieser Moment, wo du wieder hinaus in die Sonne trittst und sie vor dir steht, groß und schön und unfassbar in ihren Dimensionen: die Mein Schiff 3, unsere Perle des Mittelmeers in den nächsten Tagen. Meine Güte, was für ein riesiges Schiff! Fast 300 Meter lang, beinahe 36 Meter breit, 15 Decks, 1253 Kabinen, die Platz für 2506 Passagiere bieten – das ist schon eine Ansage! Wir standen einen Moment andächtig im Hafen, ließen den Anblick dieses schwimmenden Fünf-Sterne-Hotels auf uns wirken und fühlten uns plötzlich ganz schön klein.

Ein Blick ins Theater. Hier fand unsere Seenotrettungsübung statt, da die für unsere Kabine zugehörige Musterstation das sich über zwei Decks erstreckende Theater war. Davon abgesehen konnten wir nur einen kurzen Blick in eine Comedy-Vorstellung sowie die Verlosung der Seekarte am letzten Abend werfen. Für alles weitere war keine Zeit. Es gibt einfach viel zu viel zu erleben auf so einem Ozeanriesen. Wenn man nicht zu den Sonnenanbetern gehört, die von früh bis spät auf dem Pooldeck brutzeln, dann sind sieben Tage viel, viel zu wenig um alles in angemessener Weise erleben und genießen zu können.
Ein Blick ins Theater. Hier fand unsere Seenotrettungsübung statt, da die für unsere Kabine zugehörige Musterstation das sich über zwei Decks erstreckende Theater war. Davon abgesehen konnten wir nur einen kurzen Blick in eine Comedy-Vorstellung sowie die Verlosung der Seekarte am letzten Abend werfen. Für alles weitere war keine Zeit. Es gibt einfach viel zu viel zu erleben auf so einem Ozeanriesen. Wenn man nicht zu den Sonnenanbetern gehört, die von früh bis spät auf dem Pooldeck brutzeln, dann sind sieben Tage viel, viel zu wenig um alles in angemessener Weise erleben und genießen zu können. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Viel Zeit für andächtiges Staunen blieb jedoch nicht. Bevor man zur eigentlichen Einstiegsluke gelangte, galt es, abermals einen Zaun am Hafen zu passieren. Hier waren bereits die Fotoleute des Schiffes unterwegs, die alle Neuankömmlinge mit dem Schiff im Hintergrund und einem Rettungsring im Vordergrund fotografierten. Überhaupt: wie scheinbar bei diversen Reedereien üblich, wurde man auch an Bord der Mein Schiff 3 ständig von den Foto Scouts umschwirrt, die bei Bedarf ein Erinnerungsfoto machten, was man später im Fotoladen auf Deck 5 abholen konnte – gegen ein sportliches Entgelt, versteht sich. Wir waren der Meinung, dass es nichts gibt, was man nicht mit einem dieser neumodischen Selfies nicht auch selbst regeln konnte und haben davon Abstand genommen, auch nur eine müde Mark in die Fotos zu investieren. Zumal: 69 Euro für die Reise-DVD, die wir bereits im Vorfeld geordert hatten, reichen ja auch.

Ein Schnappschuss von der Malta-Rundreise, aufgenommen direkt aus dem fahrenden Bus. Bei allen Touren hatten wir das Glück, kompetente Reiseleiter zu haben, die zu den jeweiligen Ländern auch etwas erzählen konnten und, ähnlich wie die Besatzung an Bord der Mein Schiff 3, mit überzeugender Begeisterung an die Arbeit gegangen sind.
Ein Schnappschuss von der Malta-Rundreise, aufgenommen direkt aus dem fahrenden Bus. Bei allen Touren hatten wir das Glück, kompetente Reiseleiter zu haben, die zu den jeweiligen Ländern auch etwas erzählen konnten und, ähnlich wie die Besatzung an Bord der Mein Schiff 3, mit überzeugender Begeisterung an die Arbeit gegangen sind. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Wir hatten es noch nicht einmal 10 Uhr Ortszeit, als wir das Schiff betraten. Zwar wurden die Kabinen erst ab 15 Uhr freigegeben, an Bord gehen und das erste Mal den Kahn beschnuppern inklusive Nutzung der öffentlichen Einrichtungen konnte man aber dennoch schon. Was wir auch taten. Nachdem sich die nächste Reizüberflutung ein bisschen gelegt hatte, landeten wir im Buffet-Restaurant Atlantik-Klassik auf Deck 3. Erst einmal was frühstücken! Das Buffet hier war nicht das größte an Bord – kein Vergleich zum Anckelmannsplatz auf Deck 12 – aber dennoch umfangreich und lecker. So manches Hotel an Land würde schon hier im direkten Vergleich den Kürzeren ziehen. Wie man weiß, ist Schlaf kein adäquater Ersatz für Kaffee, daher waren wir ganz dankbar über das Personal, das hier im Gegensatz zu anderen Restaurants an Bord um die Tische schwirrte und bei Bedarf den schwarzen Muntermacher nachfüllte. Da niemand weiß, ob und wann er nochmals eine Kreuzfahrt machen kann, hatten wir im Vorfeld beschlossen, diese sieben Tage, die gerade angebrochen waren, so gut zu nutzen wie nur irgendwie möglich. Daher hatten wir bereits noch für den Anreisetag eine Rundfahrt über Malta gebucht.

Die Tour nannte sich „Herrliches Inselpanorama“ und war von TUI Cruises noch recht spontan ins Programm aufgenommen worden – damit die Gäste, die wie wir eine frühe Anreise hatten, gleich am ersten Tag noch Gelegenheit bekamen, Eindrücke von Malta zu gewinnen. Angesetzt war die Tour für 13:45 Uhr. Genug Zeit für uns, diverse Male auf den Decks rundherum zu wackeln, über die extrem vornehme und geschmackvolle Einrichtung zu staunen und dann am Sammelpunkt auf Deck 5, genauer: in der Diamant-Bar, auf den Ausflugsbeginn zu warten. In echt sieht die Mein Schiff 3 noch viel schicker aus, als es auf den veröffentlichten Pressefotos den Anschein macht. Gediegen und geschmackvoll, modern, frisch und maritim – das sind so Schlagworte, die einem durch den Kopp gehen, während man das erste Mal seine Runden auf dem Schiff dreht. Im Gegensatz zu dem Mitbewerber mit dem Kussmund auf den Schiffen beispielsweise wirkt die Mein Schiff 3 erwachsener, vornehmer und doch mindestens genauso entspannt und leger.

Hier eine Mauer, da eine Festungsanlage und einen Kalender voller Feiertage. Die ehemalige britische Kolonie und der kleinste Staat der EU, Malta, ist etwas, das man sich definitiv mal angeguckt haben kann. Vor allem wenn man das Glück der frühen Anreise hat.
Hier eine Mauer, da eine Festungsanlage und einen Kalender voller Feiertage. Die ehemalige britische Kolonie und der kleinste Staat der EU, Malta, ist etwas, das man sich definitiv mal angeguckt haben kann. Vor allem wenn man das Glück der frühen Anreise hat. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

13:45 Uhr war es dann soweit, dass wir von einem an Bord mitreisenden Tour-Guide (hallo Claudia) eingesammelt wurden und mit anderen Frühankömmlingen einen Reisebus bestiegen. Eine maltesische Reiseführerin begrüßte uns und war führte uns in den folgenden vier Stunden durch die maltesische Geschichte, während sich der Bus über die Insel bewegte und wir unter anderem an der Taħt il-Ħnejja („die Blauen Grotte“), der ummauerten Festungsstadt Mdina und dem Fischmarkt in Marsaxlokk Station machten. Malta mit all seinem felsigen Charme, übte einen widersprüchlichen Reiz auf uns auf. Auf der einen Seite all die ewig gleich aussehenden Gebäude und das Gefühl, dass es auf ganz Malta nur zwei Farben zu geben schien (sandfarben und ein schmutziges grün), auf der anderen Seite die karge Vegetation dieses felsigen Eilandes und die eindrucksvollen Festungsanlagen, die die Geschichte förmlich spürbar machten. Malta kann man als vielseitig interessierter Mensch definitiv mal gesehen haben. Schön an so einer Kreuzfahrt ist ja, dass man durch die vielen Städte, die man bereist, sich merken kann, wo es vielleicht in einem Anschlussurlaub hingehen könnte. Sofern nach einer Kreuzfahrt überhaupt noch „normaler“ Urlaub in Frage kommt.

Wer Malta mit der Cam entdecken möchte, sollte von einer geführten Tour wie wir sie gemacht haben, vielleicht Abstand nehmen. Diese kleine Kapelle hier entdeckten wir zwar durch diese Rundreise, jedoch waren wir jedes Mal die letzten Teilnehmer im Bus. Das Zeitfenster für tolle Fotos war einfach ein bisschen zu knapp bemessen. Wer Malta demnach fotografisch entdecken möchte, zieht eventuell innerhalb der Liegezeit des Schiffs auf eigene Faust los.
Wer Malta mit der Cam entdecken möchte, sollte von einer geführten Tour wie wir sie gemacht haben, vielleicht Abstand nehmen. Diese kleine Kapelle hier entdeckten wir zwar durch diese Rundreise, jedoch waren wir jedes Mal die letzten Teilnehmer im Bus. Das Zeitfenster für tolle Fotos war einfach ein bisschen zu knapp bemessen. Wer Malta demnach fotografisch entdecken möchte, zieht eventuell innerhalb der Liegezeit des Schiffs auf eigene Faust los. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Gegen 18 Uhr erreichte der Bus wieder den Hafen und wir konnten zurück an Bord und somit endlich unsere Kabine betreten. Wir hatten eine Balkonkabine auf Deck 6, ganz am vorderen Ende des Schiffes gelegen. Im Laufe der Reise waren wir immer zufriedener mit dieser Wahl und werden künftig wohl immer auf Deck 6 residieren und das möglichst ganz vorne. Warum? Nun, einerseits schaukelt der Kahn bei Seegang nicht so sehr wie die oberen Bereiche. Hebelgesetz und so, you know? Andererseits waren wir so schön weit ab vom Schuss, dass alle anderen Reisenden ihre Kabinen schon vor uns erreicht hatten und somit nicht ständig irgendwer an unserer vorbei trampelte. Wobei aber festgehalten werden muss, dass die Lärmisolierung in den Kabinen echt ganz hervorragend ist. Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt und unsere Klamotten in dem geräumigen Kleiderschrank verstaut hatten, chillten wir ein bisschen in den Liegestühlen unseres Balkons und ließen die Kulisse des Hafens von Valletta auf uns wirken. So langsam machte sich wieder ein kleines Hüngerchen bemerkbar, sodass wir beschlossen, mal auf Deck 12 im Anckelmannsplatz vorbeizuschauen. Nach oben mussten wir eh, da irgendwann später ja schließlich noch die Auslaufparty angesetzt war. Das eine sag ich Euch: wenn man das erste Mal dieses riesige Buffetrestaurant betritt, das sogar über eine eigene Backstube mit frisch gebackenen Brot und Brötchen betritt, wird man von der Auswahl köstlichster Speisen förmlich erschlagen. Allerdings: man muss auch ein bisschen Fan von Buffetrestaurants sein, denn der Trubel hier im Anckelmannsplatz war enorm. Wer darauf keinen Bock hat, dem stehen an Bord genügend andere Möglichkeiten zur Verfügung. Bei uns beispielsweise kristallisierte sich das Tag & Nacht Bistro auf Deck 5 zum Restaurant unserer Wahl heraus. Heute aber speisten wir ganz vorzüglich im Anckelmannsplatz – direkt am Fenster mit Blick auf den Hafen Vallettas, ungefähr 30 Meter über der Wasseroberfläche. Boote, Menschen, Autos – alles sah aus dieser Perspektive nur noch aus wie Spielzeug. Was die Auswahl der Speisen anging: so ziemlich jeder Geschmack und jedes Wehwehchen im Hinblick auf irgendwelche Intoleranzen dürfte wohl von der Küche bedient worden sein. Zur Not füllt man vorher ein entsprechendes Formular aus, damit die Küche informiert ist. Wer an Bord nichts findet, was schmeckt oder gegessen werden kann lebt vermutlich wohl leider wirklich nur noch von der sprichwörtlichen Hand im Munde. Alles sah so unglaublich lecker aus, dass wir uns am liebsten reinsetzen und rundrum futtern wollten. Und es sah nicht nur lecker aus, die allermeisten Speisen, die wir im Verlauf unserer Reise probiert haben, waren auch ganz hervorragend. Kein Wunder, dass wir ein bisschen zugelegt haben.

Maltas Landschaft besticht durch eine schroffe Schönheit, die sich in Kombination mit der Architektur erst dann so richtig erschließt, wenn man die Insel längst wieder verlassen hat und die Rundreise Revue passieren lässt. Jedenfalls dann, wenn man mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, wo eh eine unüberschaubare Zahl an Eindrücken auf den Reisenden einprasselt.
Maltas Landschaft besticht durch eine schroffe Schönheit, die sich in Kombination mit der Architektur erst dann so richtig erschließt, wenn man die Insel längst wieder verlassen hat und die Rundreise Revue passieren lässt. Jedenfalls dann, wenn man mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, wo eh eine unüberschaubare Zahl an Eindrücken auf den Reisenden einprasselt. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Gut gesättigt ging es dann für uns auf dem Pooldeck (Deck 12 und 14) weiter, wo wir uns die Zeit bis zum Auslaufen damit vertrieben, die leckeren alkoholfreien Cocktails zu probieren und an Deck immer rundherum zu laufen. Ich hör Euch schon reden. Alkoholfrei? Wir? Ernsthaft? Jepp. Da waren ja immer noch die Folgen der Fischvergiftung und Antibiotikum mit Bier ist auch nicht soooo die Idee des Jahrhunderts. Die Zeit vor dem Auslaufen wurde von der Kreuzfahrtdirektorin genutzt, um einige Offiziere und Mitarbeiter vorzustellen. Zwischendurch gab es immer wieder Musik von einer Band, die dort an Deck live spielte und Kostproben der bei solchen Schiffen üblichen Tanztheaterveranstaltungen.

Die Malteser scheinen ein feierwütiges Völkchen zu sein. Während unserer Rundreise über die Insel erfuhren wir ständig von einem Fest, das in Kürze abgehalten wurde. Zu unserem Glück sollte auch noch an diesem Abend ein Feuerwerk über dem Hafen von Valletta stattfinden. Aufgrund dessen wurde das Auslaufen ein bisschen nach hinten verlegt, damit wir Gäste noch in den Genuss dieses Feuerwerks kommen konnten. Hafengeballer zum Start der Kreuzfahrt, na bitte, wer sagt’s denn? Und Ihr könnt uns glauben: was auch immer die Malteser in dieser Nacht dort in den Nachthimmel geballert haben – es hat ordentlich gescheppert. Tatsächlich hätten wir nicht in unmittelbarer Nähe auf dem Land stehen mögen, das war auch so imposant genug. Das mächtige Getröte des Schiffstyphons machte gegen 23 Uhr allen Anwesenden klar: Leinen los, die große Fahrt beginnt! Warum sich Tui Cruises ausgerechnet für Santiano mit ihrem gleichnamigen Song sowie ausgerechnet den unheiligen Bernd mit seiner „großen Freiheit“ entschieden hat, ist zwar nachvollziehbar wenn man an Deck steht und sich das riesige Schiff langsam und unspürbar aus dem Hafen schiebt, aber dennoch… da gibt es doch sicher noch andere Songs, die das Gefühl der Freiheit auf See treffend einfangen, oder?

Nachdem der Hafen Vallettas langsam in der Nacht verschwunden war, zogen wir weiter auf Deck 5 zur Abtanz Bar. Im Verlaufe der nächsten Tage so ziemlich der am häufigsten aufgesuchte Ort unsererseits. Dass wir hier diverse Male Helene FischersAtemlos“ und Andreas BouranisAuf uns“ zu hören bekamen – manchmal drei-, viermal pro Nacht – war wenig überraschend. Wer aber was anderes hören wollte, brauchte sich nur bei DJ Knut melden. Musikwünsche wurden, sofern machbar, für gewöhnlich ziemlich prompt erfüllt. Und wenn es das siebte Mal Helene war. Keine Ahnung mehr, wie früh es schon war, aber irgendwann musste dieser Tag aufgrund akuten Schlafmangels beendet werden. Was wir dann auch taten.

Auf dem Sonnen- und Pooldeck, nachdem die Feierlichkeiten anlässlich des Auslaufens geendet hatten sowie auch das Getröte des Schiffstyphon und das Geballer des maltesischen Feuerwerks. Es hatte stets seinen ganz besonderen Reiz, zu fortgeschrittener Stunde bei wirklich lauen Temperaturen und mit einem kühlen Drink in der Hand nochmals ein paar Runden über das Pooldeck zu flanieren. Wenn nicht gerade der nachfolgende Tag ein Seetag oder am Abend eine Pool(-deck-)party angesetzt war, wurde es oft ziemlich schnell ziemlich überschaubar. An der Überschaubar. Ähem. Wir fragen uns übrigens immer noch, ob man uns verscheucht hätte, wenn wir eine der extrem chilligen Sitzgelegenheiten für ein Nickerchen unter dem Sternenhimmel genutzt hätten…/ Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Tag 2, 8. September 2014 – Seetag

Ausschlafen! Was für eine Wonne und tatsächlich ein seltenes Gut auf unserer Reise. Da wir an den Tagen, an denen die Mein Schiff 3 einen Hafen ansteuerte, immer auch einen Landgang gebucht hatten, die es teilweise erforderlich machten, dass unser Wecker bereits um sechs klingelte, war das Ausschlafen an diesem Tag ein echter Luxus. Noch dazu, weil die Matratzen an Bord mit „super bequem“ noch viel zu knapp umschrieben sind. Teil des Premium All-Inclusive-Konzepts von TUI Cruises ist es, dass sich an Bord der Kabine eine Nespresso Maschine befindet und man pro Tag zwei Kapseln Kaffee kostenlos zur Verfügung hat. Ich fürchte, Ihr könnt Euch nicht vorstellen (wenn Ihr noch nicht an Bord eines Schiffes gewesen seid), wie fantastisch ein Start in den Tag ist, wenn man die Augen aufschlägt, die Türe zum Balkon aufreißt, ringsherum nichts als die unendliche Weite des Ozeans und man sich dann zunächst mal mit einer Tasse Kaffee in die Sonne setzt. Ehrlich, das sind die Momente wo man sich denkt: das Leben, es ist schön. Die Seenotrettungsübung fand bereits am Vorabend statt, noch unmittelbar vor der Auslaufparty bzw. dem Ablegen des Schiffes, sodass wir wirklich tiefenentspannt in den Tag starten konnten. An Bord der AIDAbella war das damals noch ein bisschen anders, dort fand die aus naheliegenden Gründen für jeden Gast verpflichtende Seenotrettungsübung noch am Morgen des ersten Seetages statt. Durch das tragische Unglück der Costa Concordia im Jahre 2012 sind Reedereien inzwischen aber dazu verpflichtet, die Seenotrettungsübung abzuhalten, noch bevor ein Schiff den Hafen verlässt. Hat uns letztendlich so auch deutlich besser gefallen. Zumal: einem Reisenden zu erklären, wo er im Falle eines Unglücks hin muss, nachdem der Kahn schon weit draußen im Meer unterwegs ist, machte ohnehin nur bedingt Sinn. Da die feinen Herren beliebten, ein bisschen länger zu schlafen, fiel das Frühstück aus. Tatsächling war die erste Mahlzeit erst irgendwann gegen 14 Uhr im Tag & Nacht Bistro auf Deck 5. Von unserer Kabine quasi einen Katzensprung entfernt, noch dazu klein, schnuckelig und überschaubar. Und dieser Lachs in Orangensoße, den die hatten… nomnomnom! Hallo Mein Schiff 3-Besatzung, für den Verschleiß an Lachs waren dann wohl wir verantwortlich. Gut gesättigt machten wir uns anschließend auf den Weg, das Schiff in aller Ruhe und Ausführlichkeit zu erkunden. Einziger Haken: durch den Trubel unserer Abreise hatten wir diverses Foto-Equipment zuhause vergessen. Somit kamen wir unterm Strich nur auf knapp 30 Gigabyte an Fotos. Dabei hätten wir eigentlich noch viel mehr filmen wollen als nur die kurzen Clips via iPhone. Naja, nächstes Mal dann.

Guten Morgen! So sieht also das Frühstück im Hause Avalost an einem Seetag aus. Entspanntes Ausschlafen und eine schöne Tasse Kaffee auf dem Balkon. Das Leben könnte in dem Moment durchaus schlimmer sein. ;)
Guter Morgen! So sieht also das Frühstück im Hause AVALOST an einem Seetag aus. Entspanntes Ausschlafen und eine schöne Tasse Kaffee auf dem Balkon. Das Leben könnte in dem Moment durchaus schlimmer sein. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

So ein Seetag bietet sich hervorragend an, all die vielen Dinge zu erkunden, die die Mein Schiff 3 für die Gäste bereit hält. Wer mag, schiebt seine Figur auf dem Sonnen- und Pooldeck in die Sonne oder zieht auf dem 25 Meter langen Pool seine Bahnen. Ebenfalls an Deck: die Außenalster. Am Heck des Schiffes schön schnabulieren – warum auch nicht? Sportbegeisterte bekommen ebenfalls an Deck einen Sportplatz oder können morgens, noch bevor die Liegen wieder zum Sonnenbaden hingestellt werden, rund um die Schiffsbauten herum joggen. Abends wurde der Sportplatz für Comedy- oder Filmvorführungen genutzt. Alternativ – und damit auch deutlich mehr was für uns – konnte man sich an der Überschaubar einen Cocktail holen und sich den Wind um die Ohren pusten und die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Gut gewählter Name für die Bar übrigens, da sich von dort das Treiben rund um den Außenpool gut beobachten ließ. Direkt neben dem Außenpool gab es auch einen überdachten Innenpool mit Whirpool und allem Drum und Dran, der vor allem von den jüngeren Gästen in Anspruch genommen wurde. Schwindelfreie konnten sich in der Nähe der Außenalster auf den blauen Balkon stellen, eine transparente Einrichtung, geschmeidge 37 Meter über dem Meer.

In Inneren des Schiffes befanden sich nicht nur diverse Möglichkeiten, sich die leckersten Speisen und zu jeder Zeit diverse Getränke in die Figur zu tun, sondern auch die extrem chillige Café-Lounge, wo man sich einfach mal zurückziehen konnte und gedankenverloren aufs Wasser starren. Oder eines der Bücher der sich dort befindlichen Bibliothek auszuleihen. Es gab einen umfangreichen Spa-Bereich, der – wenn auch nicht durch uns – scheinbar gut frequentiert wurde, einen Indoor-Sportbereich mit diversen Geräten, einen Friseur, eine Shoppingmeile die sich über zwei Decks erstreckte, einen „Spielplatz“ mit diversen Spielkonsolen, Kickertisch und ähnlichem Gedöhns, es gab ein Mal-Atelier, wo sich zu Künstlern berufene Gäste nach Herzenslust austoben konnten, einen großen Bereich für die Kinderbetreuung (unter anderem durch Capt’n Sharky, jawoll!), einen Rauchersalon stilecht mit Humidor und leckersten Whiskysorten, ein Klanghaus mit besonderer Akustik und ein Theater. Mit anderen Worten: es gibt so unglaublich viel zu sehen und zu erleben an Bord der Mein Schiff 3, dass sieben Tage bei weitem nicht reichen, um alles in entsprechender Gründlichkeit auskosten zu können. Wir wollten uns beispielsweise gerne eine Show im Theater anschauen, waren aber nur zur Seenotrettungsübung und bei der Verlosung der Seekarte am letzten Abend dort. Wir hätten gerne ein Konzert im Klanghaus gesehen, haben es aber irgendwie nicht einmal bis dort hinein geschafft. Und trotz der vielen Möglichkeiten und des mit knapp 2600 Gästen und etwas über 1000 Leuten Besatzung nicht gerade dünn besiedelten Schiffes gab es zu jeder Zeit mehr als genügend Möglichkeiten, wohin man sich zurückziehen konnte, wenn man ein bisschen Zeit für sich haben, sich dafür aber nicht unbedingt in der eigenen Kabine verschanzen wollte.

Auf dem blauen Balkon konnten Schwindelfreie 37 Meter über dem Meer den Blick aufs Wasser riskieren.
Auf dem blauen Balkon konnten Schwindelfreie 37 Meter über dem Meer den Blick aufs Wasser riskieren. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

TUI Cruises nennt das Ding ein „Wohlfühlschiff“. Und ganz ehrlich Leute – dieser Begriff passt wie die Faust aufs Auge. Ganz entscheidenden Anteil daran hatte neben dem schmucken Ambiente die Besatzung. Diese stets aufrichtig freundlichen Mitarbeiter, der coole weil witzige Captain, die Kreuzfahrtdirektorin (von uns irgendwann nur noch „The Voice“ genannt, da sie auch für die Durchsagen an Bord verantwortlich war), DJ Knut und vor allem die Damen und Herren in der Abtanzbar und im Rauchersalon brachten das Kunststück fertig, bei einer Veranstaltung, die auf dem Papier nach einer Massenabfertigung aussieht, daraus eine persönliche Geschichte werden zu lassen. Es ist uns schon klar, dass das deren Job ist. Aber mit ein bisschen Menschenkenntnis, die wir uns jetzt einfach mal zusprechen, bemerkt man schon, ob Leute von innen heraus Spaß und Freude an ihrem Tun haben oder einfach nur darauf gedrillt worden sind, den Gästen ein perfektes Urlaubserlebnis zu bieten. Da sieht man dann auch gerne mal darüber hinweg, dass bei einem Schiff, das quasi gerade erst in Dienst gestellt wurde, Kleinigkeiten nicht ganz rund laufen. Die Fernbedienung in der Kabine für die Bordglotze kann funktionieren, muss sie aber nicht. So ein Fahrstuhl kann kurze Zeit mal steckenbleiben und auch bei amtlichen Ansagen wie auf der Seenotrettungsübung kann das Sicherheitsfilmchen zwar abgespielt werden, Ton muss dabei aber nicht automatisch gleich mit übertragen werden. Macht nüscht, man muss sich nur zu helfen wissen. Im Zweifelsfall, so wie hier geschehen, macht The Voice halt auch diese Ansage noch selbst. Das geht schon mal. Teil dieses persönlichen Erlebnisses ist der Umstand, dass man als Gast mit Vornamen angesprochen wird – vor allem dem Sicherheitsmann beim Betreten und Verlassen des Schiffes schien es ein inneres Gänseblümchenpflücken gewesen zu sein, jeden Gast überschwenglich zu begrüßen oder zu verabschieden. Und wenn einem dann beim Wiedereintritt an Bord das Schild mit Willkommen-zuhause-Aufschrift auffällt, geht einem unweigerlich ein „jopp, so isset“ durch den Kopf.

Ganz besonders deutlich erwähnen und bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei Elli, der Barkeeperin, die während unserer Reise entweder nachmittags an der Überschaubar oder abends in der Abtanzbar nicht nur schon nach kurzer Zeit unsere Wünsche von den Augen ablesen konnte, sondern die ganze Woche lang versuchte, Kumquats zu organisieren, damit zwei einzelne Herren in den Genuss von Bombay Crushed kommen konnten – einem Cocktail übrigens, der nicht auf der Karte zu finden war. Am letzten Tag hat es dann tatsächlich noch geklappt. Danke Elli! Der Bombay Crushed war dann zwar nicht mehr Teil des Premium Alles-Inklusive-Konzepts, aber das konnte man ja nun auch wirklich nicht mehr verlangen. Und hey – vier Eurotaler für einen Cocktail, den es eigentlich gar nicht auf der Getränkekarte gab, ist echt nicht nicht zu viel verlangt. Ebenfalls lobend und dankend erwähnen möchten wir Bianca, die Lady aus dem Rauchersalon. Danke für persönliche Gespräche und die Tipps in Sachen Whisk(e)y. Die beiden Damen und ihre Kollegen in ihren Bereichen sorgten bei uns dafür, dass wir uns nicht wie zwei beliebige Gesichter unter Tausenden fühlten. Tolle Leistung!

Nicht immer nur in der Sonne liegen und brutzeln, durch die Gegend gurken oder fürstlich schlemmen – im Meerleben konnte man sich mittels originalen Exponaten, Hörmuscheln, dem Forschertisch, dem Meereskino oder dem Entdecker-Globus interessante Dinge rund um das Meer zu Gemüte führen. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Zurück zum Seetag: nachdem wir uns zur Abendbrotszeit im Anckelmannsplatz die Plautze vollgehauen hatten, kehrten wir nochmals in unserer Kabine ein. Die Sonne war bereits untergegangen, der Mond stand über uns am Himmel. Das MacBook tüdelte willkürlich gewählte Songs und wir saßen schweigend ins Gespräch vertieft auf dem Balkon und ließen die Szenerie auf uns wirken. Jedenfalls so lange bis es Zeit wurde für uns, in die Abtanzbar zu wackeln. Sonderlich lange machten wir an dem Abend jedoch nicht mehr, für den nächsten Tag war ein Landgang in Monaco angesetzt.

Allabendlicher Blick von unserem Balkon. Wer nicht wenigstens einmal den vollen Mond vom Wasser aus gesehen hat, der hat auch nur halb gelebt. ;)
Allabendlicher Blick von unserem Balkon. Wer nicht wenigstens einmal den vollen Mond vom Wasser aus gesehen hat, der hat auch nur halb gelebt. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Tag 3, 9. September 2014 – Monte Carlo, Monaco

Es gibt so vieles, was man pro Landgang an geführten Touren unternehmen kann. Heute stand unter anderem „Panoramafahrt entlang der Côte d’Azur“, „Bergdorf Èze und Nizza mit Weinprobe“, „Helicopterflug über Monaco“, „Rafting“ oder „Segwaytour durch Nizza“ auf dem Programm. Wir entschieden uns für „2 weltberühmte Städte: Nizza und Monaco“. Zwei Städte an der azurblauen Küste mit einem Schlag abgearbeitet – ajo, das kann man schon mal so machen, wa? Wie schon bei der Malta-Tour wurden wir mit klimatisierten Reisebussen durch die Gegend kutschiert. Treffpunkt war dieses Mal im Theater auf Deck 4 um 10:45 Uhr. So „spät“ wurde es bei den nachfolgenden Ausflügen nicht wieder, ganz im Gegenteil. Aber dazu kommen wir noch. Auch hier gab es eine ortsansässige Reiseleitung, die uns durch Kultur und Geschichte Nizzas und des Fürstentums Monaco führte. Wir gurkten zunächst mal nach Nizza, wo wir über den Blumenmarkt in der Altstadt flanierten, einen Blick auf die Côte d’Azur warfen und anschließend einen leckeren, mediterranen Salat in einer der zahlreichen Gaststätten schnabulierten. Die verstehen es echt zu leben, die Franzosen.

Die Ecke von Nizza, die wir während unseres kurzen Aufenthalts gesehen haben, war überfüllt mit kleinen Kneipen, Restaurants und Cafés. Direkt an der Côte d’Azur aber auch nur wenig überraschend. Wir empfanden Nizza als sehr schön und würden glatt noch einmal wiederkommen. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Anschließend ging es über die traumhaften Küstenstraßen weiter nach Monaco, wo wir entlang der weltberühmten Formel-1-Strecke in Richtung der Spielcasinos wanderten. Nicht ohne jedoch vorher an diesem Tage am Ozeanografischen Institut vorbei zu wackeln und die Kathedrale Kathedrale Notre-Dame-Immaculée zu besichtigen. Hier liegen die Gebeine vom Grace Kelly (ähem, Verzeihung: Fürstin Gracia Patricia von Monaco) und Fürst Rainier III. von Monaco begraben. Davon abgesehen war die Kathedrale auch so ein spektakulärer Bau, den man mal besichtigt haben kann. Schade nur, dass die Zeit nicht für einen Besuch des Ozeanischen Institutes gereicht hat. Wäre sicher auch interessant gewesen. Zurück zu Monaco und dem Besuch bei den Reichen und Schönen. Dass hier nur noch die finanzkräftigste Elite unserer Welt unterwegs war, müsste eigentlich nicht gesondert erwähnt werden, oder? Was hier an teuren Fahrzeugen unterwegs und an exklusiven Boutigen entlang des Casinos positioniert war, spottet jeglicher Beschreibung. Die Yachten, die vor unserem Schiff im Hafen lagen, eine größer und teurer als die andere, trug ein übriges dazu bei, dass wir uns kurzzeitig so fühlten, als wären wir in einer abgefahrenen Parallelwelt gelandet. Wer wollte, konnte auch noch einen Abstecher in die Spielhölle machen. Eine Möglichkeit, von der wir aber keinen Gebrauch machten. Wir hätten sonst womöglich nur unser ganzes Taschengeld für Rubbellose ausgegeben. Nachdem wir ungefähr eine gute Stunde durch Monte Carlo gelatscht sind, traten wir die Rückreise zum Schiff an. Und zack, schon waren ganz bequem acht weitere Stunden unseres Urlaubs vergangen. Time is like bullet, aber wirklich wahr!

Wie Ihr vielleicht schon erraten habt, haben wir zunächst auf dem Balkon gechillt und die immer unwirklicher wirkende Kulisse des Hafens von Monaco auf uns wirken lassen. Nach dem Essen (richtig, genau: wieder auf Deck 5 im Tag & Nacht Bistro) gingen wir auf das Pooldeck, die schöne Aussicht noch weiter genießen zu können. Mit all den vielen Lichtern, den teuren, riesigen Yachten, dem angestrahlten Casino usw. wirkt die Kulisse, die sich von Bord des Schiffes bietet, wie eine Fototapete, die an die Schiffswand geklebt zu sein schien. Ein wahrhaft spektakulärer Anblick von dem wir behaupten möchten, dass sich alleine deshalb die Reise gelohnt hat. Den Rest des Abends ließen wir abermals dort ausklingen, wo wir ihn an allen Tagen beendeten: in der Abtanzbar. Und erneut nicht allzu lange, schließlich wartete der nächste Landgang schon auf uns.

Schau doch mal abends in Monaco vom Deck des Kreuzfahrtschiffes Deines Vertrauens und Du könntest eine solche Aussicht geboten bekommen. Die Szenerie wirkte vollkommen unwirklich. Beinahe wie Fototapete, die an die Reling des Schiffes geklebt wurde.
Schau doch mal abends in Monaco vom Deck des Kreuzfahrtschiffes Deines Vertrauens und Du könntest eine solche Aussicht geboten bekommen. Die Szenerie wirkte vollkommen unwirklich. Beinahe wie Fototapete, die an die Reling der Mein Schiff 3 geklebt wurde. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Tag 4, 10. September 2014 – Ajaccio, Korsika

Angekommen in der Geburtsstadt Napoleons hatten wir auch hier im Vorfeld eine Entscheidung zu treffen: geführter Landgang oder Erkundung der Gegend auf eigene Faust? Und wenn geführt, welche Tour nimmt man da? Den Stadtrundgang durch Ajaccio? Eine Küstenwanderung? Das korsische Bergpanorama? Die Prunelli-Schlucht aus der Vogelperspektive? Oder doch lieber Sailaway mit dem Katamaran? Wir entschieden uns für etwas ganz anderes. Genussmenschen, die wir ja manchmal sind, fiel unsere Wahl auf „Das schöne Korsika für alle Sinne“. Was bedeutete: um 9 Uhr an der TUI Bar auf Deck 4 treffen, ab in einen Reisebus und dann begleitet von den Worten eines coolen Reiseführers der Marke „Lebemann deluxe“ in die Berge. Unser erster Halt war eine in diesen Bergen gelegene Essenzölmanufaktur. Abgesehen von der Ruhe und Stille, die sich in der grünen, sonnenbeschienen Landschaft ausbreitete und ein ganz eigenes Gefühl des inneren Friedens vermittelte, waren es vor allem die Kräuterdürfte, die diesen Abstecher zu einem besonderen Erlebnis werden ließen. Leider sind das Dinge, die sich schlecht in Worte und Bilder verpacken lassen. Sollte es möglich werden, Webseiten duften zu lassen, werden wir das einbauen, versprochen.

Nach einem kurzen Aufenthalt und der Möglichkeit, diverse Öle für den Heimgebrauch zu erwerben ging es weiter zu einer Nougatfabrik. Entgegen der bei uns vorherrschenden Meinung, Nougat müsse braun sein, ist echtes, in Handarbeit gefertigtes Nougat weiß. Unser Reiseleiter hatte schon Recht als er sagte, der Nougatmacher hat seinen Job verfehlt und müsste eigentlich Entertainer werden. Wir wurden Zeuge einer sehr kurzweiligen, unterhaltsamen Vorführung in Sachen Nougaterstellung, diverse Kostproben inklusive. Selbst dann, wenn man wie der Autor dieser Zeilen kein großer Freund von Süßkram ist muss man zugeben: das Zeug, das es in allen möglichen Geschmacksrichtungen gibt, ist eeeeeeeeecht lecker! Bei dem anschließenden Verkauf konnte sich der Nougatmacher, wohl nicht zuletzt wegen seiner Darbietung, über regen Zuspruch freuen. Auch wir machten von der Möglichkeit Gebrauch, ein leckeres Mitbringsel zu erwerben. Anschließend ging es weiter zur letzten Station dieses Tages: der Weinkelterei Peraldi. Hier bekamen wir eine Führung durch die Kelterei geboten sowie einen kurzen Abriss in Sachen Weinherstellung, ehe wir eine gute halbe Stunde mit dem Verkosten dreier Weinsorten verbringen durften. Französischen Käse inbegriffen. Auch hier konnte Wein in allen möglichen Farben und Formen gekauft werden. Und ey – echter korsischer Wein, hörma, da gehen wir doch nicht einfach achtlos daran vorbei, nech? ;) Anschließend ging es zurück zum Schiff. Da dieser Ausflug nur gute vier Stunden dauerte, hatten wir anschließend mehr als genug Gelegenheit, zunächst in Ruhe zu essen (richtig, Deck 5.) und dann auf dem Balkon für die Abendgestaltung auszuruhen, die neben neuerlicher Wanderung über das Schiffsdeck vor allem auch den Ausflug in die Abtanzbar beinhaltete. Irgendwie werden wir vorhersehbar, oder?

Kitschige Kalenderromantik in den Weinbergen der Peraldi Kelterei. Grundsätzlich hat uns Korsika landschaftlich sehr gut gefallen. Da lässt es sich aushalten. Wir würden womöglich Korsika als Urlaubsziel ins Auge fassen, wenn... ja wenn nicht ewig das Schiff locken würde.
Kitschige Kalenderromantik in den Weinbergen der Peraldi Kelterei. Grundsätzlich hat uns Korsika landschaftlich sehr gut gefallen. Da lässt es sich aushalten. Wir würden womöglich Korsika als Urlaubsziel ins Auge fassen, wenn… ja wenn nicht ewig das Schiff locken würde. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Tag 5, 11.09.2014 – Civitavecchia, Italien

Heute mussten wir eeeecht früh aus der Koje krabbeln. Unser Plan für den heutigen Tag sah vor, dass wir uns um 7:40 Uhr in der Abtanzbar einfinden sollten. Diese Luxusprobleme immer! Theoretisch hätten wir von gestern zu heute eigentlich gleich da bleiben können. Warum das frühe Aufstehen? Nun, nachdem wir im Veranstaltungsplan gesehen hatten, dass wir den „Besuch im Vatikanstaat“ buchen können, stand für uns umgehend fest: das machen wir! Rom gut und schön, das wäre sicherlich auch interessant gewesen, aber hey, wir reden hier vom Vatikan. Wie wir während unserer Tour mit der bezaubernden Tourleitung Patrizia erfuhren, war das auch die richtige Entscheidung. Vieles von dem, was man sich in Rom vielleicht angucken wöllte, war eh zu dem Zeitpunkt unseres Besuches eingerüstete Baustellte. Viel zu sehen soll es also nicht gegeben haben. Bezaubernd war Patrizia übrigens deshalb, weil sie von allen Reiseleuten, die wir erlebt haben, diejenige war, die so richtig ansteckend Feuer und Flamme war für das, was sie uns erzählte. Als wir in den vatikanischen Museen waren und sie uns vor einem Touchscreen die sixtinische Kapelle und das, was man dort zu sehen bekommt, erklärte, so schien es uns, als würde sie von innen heraus leuchten. Wer sich davon nicht anstecken ließ, den begeistert womöglich gar nichts mehr. Und das, obwohl sich Patrizia morgens spontan den Fuß verstaucht hatte. Tapfer die ganze Aktion durchgezogen hat sie dennoch, dafür ist ihr unser ewiger Respekt sicher. Wir mussten übrigens deshalb so zeitig los, da sich der Hafen von Civitavecchia ein ganzes Ende außerhalb Roms befindet und wir mit dem Bus zunächst etwas mehr als eine Stunde unterwegs waren, ehe wir den Vatikan erreichten. Das Wetter war an diesem morgen auch ungewöhnlich bescheiden. Anstatt des bisher gewohnten, durchgängigen Sonnenscheins gab es heute frische Temperaturen und Regen. Dies änderte sich im Laufe des Tages aber noch.

Regen und lange Menschenschlangen, die man hier nicht sieht, drückten beim Besuch des Vatikans anfangs die Stimmung. Das Geschiebe durch die vatikanischen Museen in Richtung sixtinischer Kapelle ließen diesen Ausflug zwar zu einem sehr interessanten, dafür aber auch sehr anstrengenden werden. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Was auch immer Ihr für Vorstellungen vom Vatikan haben mögt – ein bisschen was davon muss sicherlich über Bord geworfen werden, wenn man die vatikanischen Museen (die „Musei Vaticani„) erreicht. Unglaublich, was sich hier schon zu dieser frühen Stunde an Menschen angesammelt hatte. Es heißt, bis 15tausend Leute werden hier jeden Tag durchgeschleift. Nachdem wir eine flughafenähnliche Sicherheitskontrolle passiert hatten, bekamen wir Funkgeräte ausgehändigt und trafen auf unsere Vatikanführerin. Die Funkgeräte, unser Knopp im Ohr, waren nötig, damit wir uns im Gedränge nicht verloren und vor allem aber, damit wir hören konnten, was nette Dame uns über die vatikanischen Gärten und den Vatikan selbst zu erzählen hatte. Durch die weitläufigen Grünanlagen gewandert zu sein, das ist definitiv ein Erlebnis, welches wir nicht mehr missen möchten. Ob wir allerdings das nachfolgende Geschiebe, quasi wie wandelnde Ölsardinen, durch die vatikanischen Museen auf dem Weg zur sixtinischen Kapelle nochmal haben müssen, ist sehr fraglich. In den Gängen war es teilweise so laut und so voll, dass all die vielen Wandteppiche und Deckengemälde, eines mächtiger und eindrucksvoller als das andere, gar nicht richtig zur Geltung kamen. Mit anderen Worten: so richtig schön war das leider nicht. Wir haben keine Ahnung, ob es möglich ist, Termine zu erwischen, an denen der Vatikan nicht dermaßen krass überlaufen ist, Kreuzfahrer sollten diese Information jedoch beherzigen, wenn sie ihren Landgang in und um Rom planen – vor allem, wenn sie das auf eigene Faust tun wollen. Irgendwann erreichten wir die sixtinische Kapelle dennoch, während es draußen wettertechnisch beinahe so aussah, als wollte kurz die Welt untergehen. Logisch, wenn die zwei Quoten-Gruftis dieser Kreuzfahrt schon mal heiligen Boden betreten…

Kurz bevor wir die Vatikanischen Museen erneut betraten um die Sixtinische Kapelle zu besichtigen, entwickelten sich die gelegentlichen kurzen Regenschauer noch zu einem Gewitter, dessen Blitze sich just in dem Moment entluden, als wir das heilige Gemäuer betraten. Jupp, wir ließen kein Klischee aus. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Von der sixtinischen Kapelle selbst können wir Euch leider keine Fotos zeigen, da man im Inneren nicht nur dazu angehalten ist, die Klappe zu halten, sondern auch striktes Foto- und Videoverbot herrscht und das eine wie das andere von einer Vielzahl an Sicherheitsleuten entsprechend resolut durchgesetzt wird. Ihr dürft uns aber glauben, dass es ein unglaubliches Gefühl ist, im Inneren dieses sehr geschichtsträchtigen Gemäuers zu stehen und bauklötzestaunend Michelangelos Deckenmalerei zu bewundern. Der gute Mann hat ja nur 30 Jahre seines Lebens damit verbracht, die Bibel an die Decke zu malen. Das mal gesehen zu haben gehört schon irgendwie zu den Dingen, die man auf der To-Do-Liste des Lebens zu stehen haben sollte. Am besten mit einem Haken dahinter.

Auf den Spuren von Kardinälen und Päpsten in den vatikanischen Gärten. Im Gegensatz zu den Museen herrschte hier noch nicht so ein Andrang, sodass man das Gesehene tatsächlich ein bisschen wirken lassen konnte. Das war im späteren Verlaufe dieser Tour nur noch bedingt möglich.
Auf den Spuren von Kardinälen und Päpsten in den vatikanischen Gärten. Im Gegensatz zu den Museen herrschte hier noch nicht so ein Andrang, sodass man das Gesehene tatsächlich ein bisschen wirken lassen konnte. Das war im späteren Verlaufe dieser Tour nur noch bedingt möglich. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Nachdem wir die sixtinische Kapelle mit unseren Blicken förmlich aufgesogen hatten, verließen wir die vatikanischen Museen, um in der Nähe des Petersplatzes in einem schicken Restaurant ein sehr leckeres Vier-Gänge-Menü zum Mittag zu essen. Inzwischen hatte sich der Himmel auch aufklärt und die Sonne ballerte gnadenlos heiß auf uns hernieder. Was vor allem auf dem Petersplatz zu einem echten Hitzestau führte. Etwas overdressed aufgrund der Wettervorhersage standen wir dort in der brütenden Hitze gut im eigenen Saft. Es hätte die Möglichkeit bestanden, auch noch den Petersdom von innen zu besichtigen. Einige Teilnehmer unserer Reisegruppe nutzten diese Möglichkeit. Nachdem wir aber gesehen hatten, dass wir das Ende der Schlange an Menschen, die ebenfalls auf diese glorreiche Idee kam und sich einmal um den kompletten Petersplatz wickelte, eben nicht sehen konnten, ließen wir von diesem Vorhaben ab. Ein bisschen schade fanden wir das schon, andererseits: wenn dir die Sonne gnadenlos und mit aller Macht auf den Pelz scheint und du eine Stunde lang anstehen müsstest für ein Vergnügen von allenfalls wenigen Minuten, dann überlegst du dir das sicher auch zweimal. Wir sind stattdessen einfach so über den Petersplatz gewackelt und haben das alles auf uns wirken lassen. Beeindruckt waren wir so oder so.

Der Petersdom. Oder wenigstens ein kleiner Teil davon. Grundsätzlich war ein Ausflug in den Petersdom in unserem Ausflug inkludiert. Nachdem wir aber die lange Schlange an Menschen gesehen hatten, die ebenfalls auf die glorreiche Idee gekommen waren, sich das Bauwerk zu betrachten, haben wir von diesem Vorhaben Abstand genommen. Einmal Geschiebe durch eine riesige Menschenmenge hat uns für den Tag gereicht. Zudem brannte die Sonne mit unbarmherziger Hitze auf den Petersplatz. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Nach einer guten Stunde, die für die Besichtigung des Petersplatzes zur Verfügung stand, ging es zurück zum Schiff. Gott sei Dank – der nächste Tag würde wieder ein Seetag sein. Mit anderen Worten: Feiern in der Abtanzbar und am nächsten Tag ausschlafen.

Die Abtanzbar. An jedem Abend unsere letzte Station, bevor wir iiiiirgendwann zurück in die Kabine gingen.
Die Abtanzbar. An jedem Abend unsere letzte Station, bevor wir iiiiirgendwann zurück in die Kabine gingen. / Foto: Roman Jasiek / AVALOST

Tag 6 – 12.09.2014 – Seetag

Ausschlafen! Insgesamt müssen wir festhalten, dass vor allem der Schlaf auf unserer Reise ein bisschen zu kurz gekommen ist. Hach aber es gab und gibt einfach immer viel zu viel zu tun. Ob nun Landgänge oder Feierei in der Abtanzbar – irgendwas ist ja immer. Kapitän Remko Fehr, der Schweizer der sich stets mit den Worten „ich bin’s, Ihr Captain mein Captain“ meldete, verkündete vormittags, dass der heutige Seetag zwei Besonderheiten mitbrächte. Die eine war eine Mann-über-Bord-Übung, da die Dünung der Wellen es wohl zugelassen hatte, dass der Ozeanriese eine Schleife fahren, ein Beiboot zu Wasser lassen und der über Bord geworfene Rettungsring einsammeln konnte. Das zu beobachten war schon spannend. Angedacht war auch, ein paar Messungen vorzunehmen (die Mein Schiff 3 ist schließlich in gewisser Weise auch ein bisschen forschend unterwegs), allerdings war dafür der Seegang dann doch zu stark. Dafür konnte das Filmteam ein paar spektakuläre Außenaufnahmen direkt auf der offenen See aufnehmen, die Käufer der Reise-DVD sich nun immer und immer wieder anschauen können.

Am zweiten Seetag nutzte die Besatzung das Wetter für eine Mann-über-Bord-Übung. Eigentlich war zusätzlich angedacht, einige Messungen durchzuführen, das wurde aufgrund des Seegangs aber verhindert. Dafür nutzte das Filmteam den knapp einstündigen Stopp des Schiffes, um ein paar spannende Außenaufnahmen von inmitten irgendwo im Nirgendwo des Mittelmeeres zu machen.
Am zweiten Seetag nutzte die Besatzung das Wetter für eine Mann-über-Bord-Übung. Eigentlich war zusätzlich angedacht, einige Messungen durchzuführen, das wurde aufgrund des Seegangs aber verhindert. Dafür nutzte das Filmteam den knapp einstündigen Stopp des Schiffes, um ein paar spannende Außenaufnahmen von inmitten irgendwo im Nirgendwo des Mittelmeeres zu machen. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Die andere, deutlich aufregendere Besonderheit sollte in den Abendstunden, so ab 22.30 Uhr circa, stattfinden. Da näherte sich die Mein Schiff 3 dem aktiven Vulkan auf Stromboli. Der Kapitän betonte, dass man zwar dicht an den Vulkan heranfahren, dennoch aber stets in einer Wassertiefe von 500 bis 1000 Metern verbleiben würde. Kapitän Fehr hat es zwar nicht gesagt, aber es wusste jeder: wir sind ja hier schließlich auch nicht auf der Costa Concordia. Nachdem wir Zeuge der Seenotübung wurden, verbrachten wir den Tag an Bord damit, die Winkel des Schiffes zu erkunden, die wir noch nicht so bewusst wahrgenommen hatten, hingen an der Überschaubar auf dem Pooldeck und auf unserem Balkon herum. Zum Abendessen machten wir zur Abwechslung mal wieder einen Ausflug zum Anckelmannplatz, ehe wir uns kurz nach 22 Uhr auf Deck begaben und dabei Zeuge werden durften, wie sich die Mein Schiff 3 tatsächlich dicht dem Stromboli näherte. Und ja, auch die „Vulkanfürze“, wie der Kapitän es nannte, konnten wir beobachten genauso wie die Lava, welch die „Lavarutsche“ hinab glitt. Ein fast voller Mond beleuchtete die Szenerie und machte es für alle Gäste ziemlich sicher zu einem spektakulären, unvergesslichen Erlebnis. Danke Captain, mein Captain, für die Vorbeifahrt am Stromboli. Die Mein Schiff 3 wurde sogar gewendet, sodass das Geschehen quasi von beiden Schiffsseiten aus in Augenschein genommen werden konnte.

Wie man hier wenigstens ein bisschen erahnen kann, befinden wir uns auf diesem Foto gerade mit der Mein Schiff 3 in unmittelbarer Nähe des Vulkans auf Stromboli und konnten Zeuge der "Vulkanfürze" werden (O-Ton Kapitän Fehr), die heißes Vulkangestein in einer Art Lavarutsche hinabsausen ließ. Der Captain hat das Schiff sogar gewendet und die jeweils dem Vulkan zugewandte Seite abgedunkelt, damit auch wirklich jeder einen Blick auf dieses fantastische Schauspiel werfen konnte. Wir finden: ein ganz feiner Zug des Kapitäns und nur einer von unzähligen Dingen, die unsere Reise so sehr zu etwas besonderem gemacht haben.
Wie man hier wenigstens ein bisschen erahnen kann, befinden wir uns auf diesem Foto gerade mit der Mein Schiff 3 in unmittelbarer Nähe des Vulkans auf Stromboli und konnten Zeuge der „Vulkanfürze“ werden (O-Ton Kapitän Fehr), die heißes Vulkangestein in einer Art Lavarutsche hinabsausen ließ. Der Captain hat das Schiff sogar gewendet und die jeweils dem Vulkan zugewandte Seite abgedunkelt, damit auch wirklich jeder einen Blick auf dieses fantastische Schauspiel werfen konnte. Wir finden: ein ganz feiner Zug des Kapitäns und nur einer von unzähligen Dingen, die unsere Reise so sehr zu etwas besonderem gemacht haben. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Wir kehrten anschließend kurz in unsere Kabine zurück. Und ganz ehrlich Leute, wenn man auf dem Balkon seiner Kabine steht, die Luft mitten in der Nacht noch immer gefällige 28 Grad warm ist, der Wind die Wellen auf der Meeresoberfläche tanzen lässt, über einem ein endloser Sternenhimmel, ein aktiver Vulkan und ein Mond, der alles in unwirkliches Licht taucht und noch dazu im Hintergrund VNV NationsNova“ ertönt, dann kommt das einem perfekten Moment ziemlich nahe. Einigermaßen ergriffen von alledem machten wir uns anschließend auf den Weg in die Abtanzbar, um genau das zu tun: abzutanzen. Nachdem uns DJ Knut auch Musikwünsche wie And One, Projekt Pitchfork oder Wolfsheim erfüllte, entwickelte sich das zu einem gelungenen Abschluss eines weiteren gelungenen Tages.


Tag 7 – 13. September 2014 – Catania, Italien

Drei Stunden Nachtruhe müssen ganz offensichtlich reichen, wenn man sich um 8 Uhr morgens am Buchungsschalter auf Deck 4 einfinden möchte, um anschließend an der Tour „Wanderung entlang eines Lavastroms“ teilzunehmen. Die Alternativen hätten beispielsweise auch „Quad-Abenteuer auf dem Ätna“, „Antikes Syrakus“, „Naturerlebnis Alcantara-Schlucht“ oder ein „Nachmittag am Strand“ sein können. So wurde es aber das Gegurke mit Jeeps gute 1800 Meter den Ätna hinauf, wo die schroffe Schönheit des schwarzen Vulkangesteins mit seiner überschaubaren Vegetation auf uns wirken ließen. Wer mochte, konnte sich mit Wanderstöcken ausstatten lassen, ehe es den Ätna bis auf 2200 Meter hinauf ging – durch die Wolkendecke hindurch in ein anderes Wetter. Das gehörte definitiv auch zu den Dingen, die man ganz sicher nicht alle Tage zu sehen bekommt – alleine das Panorama, das sich uns und unseren Kameras bot, war die Wucht in Tüten! Unterwegs galt es übrigens noch, lecker italienisches Eis zu essen. Auch wenn die Zutaten nicht wirklich andere sind als hier – irgendwie schmeckt es ja vor Ort doch besser. Nach knappen 5 Stunden, die dieser Landgang in Anspruch genommen hatte, ging es zurück aufs Schiff, wo wir uns so langsam mit dem Gedanken abfinden mussten, dass die Stunde des Abschieds unaufhaltbar näher rückte.

Wanderung den Ätna hinauf. Es passiert auch nicht alle Tage, dass man mal auf einem Vulkan spazieren geht. Für wen so eine Schiffsreise nicht nur dazu dient, sich den ganzen Tag in die Sonne zu packen sondern vor allem eine prima Möglicheit darstellt, viel von der Welt zu sehen, der wird bei den vielfältigen Landgängen sicher etwas finden, um seinen Horizont zu erweitern. Mit jedem Landgang. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Den Nachmittag verbrachten wir abermals auf dem Pooldeck und in der Kabine, ehe wir abends mit maximaler Unlust unsere Koffer packten. Diese hatten bis Mitternacht vor der Kabinentüre zu stehen, damit sie pünktlich zur Abreise im Gepäckzelt am Hafen auf uns warten konnten. Wir beschlossen, abends ein letztes Mal die Nacht zum Tage zu machen. Zunächst gab es an Deck eine Poolparty, wo an diesem Abend der Pool sogar bis 23.30 Uhr genutzt werden konnte. Uns zog es aber pünktlich zur Eröffnung der Abtanzbar genau dorthin, wo wir – quasi als kleines Highlight zum Schluss – die zu Beginn der Reise versprochenen Bombey Crushed serviert bekamen. Vorab galt es aber, noch ein paar Dinge zu erledigen, die wir noch gemacht haben wollten, zu denen wir bis dato aber nicht gekommen waren. Einen der leckeren Molekül-Cocktails in der Diamant-Bar probieren zum Beispiel. Solltet Ihr dereinst mal mit der Mein Schiff 3 unterwegs sein – gönnt Euch die paar Taler extra und probiert das mal aus. Ziemlich abgefahrenes Zeug! Außerdem hatten wir es bisher nicht geschafft, im Rauchersalon mal ein paar der dort angebotenen Whiskysorten zu probieren. Auch das haben wir in dieser Nacht noch schnell eingeschoben. Sieben Tage sind einfach zu wenig, um alles zu probieren und zu erleben, sagten wir das schon? Nachdem diese Dinge auf unserem Zettelchen auch mit einem Haken versehen waren, ging es aber zurück in die Abtanzbar, um ein letztes Mal mit der Mannschaft dort, Mitreisenden die wir kennengelernt hatten (Grüße an dieser Stelle unter anderem an Andrea und Sandra) und dem DJ ein bisschen zu feiern. Hach Kinners, Ihr werdet uns fehlen. Es muss vier oder fünf Uhr gewesen sein, als wir zum letzten Mal in unsere Kabine zurückkehrten.

... und dann stehste halt plötzlich am Rande eines Vulkans und guckst so. Und fühlst dich einmal mehr ziemlich klein und ziemlich unbedeutend.
… und dann stehste halt plötzlich am Rande eines Vulkans und guckst so. Und fühlst dich einmal mehr ziemlich klein und ziemlich unbedeutend. / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

Tag 8, 14. September 2014 – Valetta, Malta

Das Klingeln des Weckers war an diesem Morgen besonders brutal. Nicht nur, weil die letzte Nacht aus feierlichen Gründen wieder einmal extrem kurz ausgefallen war, sondern weil wir auch bis 9 Uhr die Kabine verlassen haben mussten. Klar, das Housekeeping Team (hello Jimena) musste die Kabinen ja auch noch für die Ankunft der nächsten Gäste, die das große Abenteuer erst noch vor sich hatten, bereit machen. Als Spätabreisende durften wir alle weiteren, öffentlichen Einrichtungen jedoch noch nutzen. Als Transferzeitpunkt zurück zum Flughafen war 13.30 Uhr angesetzt. Genug Zeit also, noch einmal zu frühstücken und wehmütig die letzten Runden auf dem Schiff zu drehen. Noch bis zu dem Moment, an dem wir endgültig im Flieger saßen und auf den Start warteten dachten wir uns die ganze Zeit: noch ist es nicht zu spät, noch können wir aussteigen und wieder zurück aufs Schiff. Jeder für sich: zurück auf mein Schiff. Was für ein passender Name für diesen Kahn! ?

Ach du Schöne... Dich und deine Besatzung wieder verlassen zu müssen ist uns ganz schön schwer gefallen. Wir sind auch mit einer Träne im Knopfloch abgereist. Aber geh mal davon aus: bei nächstmöglicher Gelegenheit sind wir wieder bei Dir, die Fahrt mit Dir war einfach zu schön und die sieben Tage, die wir zusammen hatten, zählen für uns zu den besten Tagen überhaupt!
Ach du Schöne… Dich und deine Besatzung wieder verlassen zu müssen ist uns ganz schön schwer gefallen. Wir sind auch mit einer Träne im Knopfloch abgereist. Aber geh mal davon aus: bei nächstmöglicher Gelegenheit sind wir wieder bei dir oder einer deiner Schwestern, die Fahrt mit dir war einfach zu schön und die sieben Tage, die wir zusammen hatten, zählen für uns zu den besten Tagen überhaupt! / Foto: Michael Kanzler / AVALOST

7 Tage, 5 Länder und eine unüberschaubare Vielzahl an Eindrücken und Erinnerungen später, die erst jetzt so nach und nach ins Bewusstsein drängen, da die Reizüberflutung während des Geschehens sehr enorm sein kann, bleibt uns nur zu sagen: das war ein sensationeller Urlaub! Eine Reise, die wir ganz sicher niemals vergessen werden. Wir sind dankbar für diese perfekte Urlaubswelt, die die Mein Schiff 3 und vor allem ihre Besatzung ermöglicht hat. Und wie so viele, die einmal eine Kreuzfahrt gemacht haben, werden auch wir bei nächstmöglicher Gelegenheit wieder ein Schiff besteigen. Wir sind uns absolut sicher, dass wenn es soweit ist, das Schiff einen dunkelblauen Rumpf haben wird und an der Seite Schriftzüge stehen werden, die uns etwas von „Wohlfühlen“ und „Aufleben“ erzählen. Danke für die Aufmerksamkeit.


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