AUSTRA – Olympia

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Schon komisch, manchmal: da bekommt man zu Rezensionszwecken ein Album vorgesetzt, von dem es im Pressetext heißt, das Vorgängerwerk sei einer der Überraschungsknaller des Jahres 2010 gewesen. Die Rede ist von AUSTRA und deren Debütalbum „Feel It Break“. Darauf enthalten: „Lose It“, ein Liedchen, dem die Kollegen vom Spiegel attestierten: „Dieses Lied kennt kein entkommen. Es ist bekloppt, nervtötend und großartig. Wer es einmal im Kopf hat, bekommt es tagelang nicht mehr heraus„. Aha. Ich frage mich gerade entsetzt, wo ich das Jahr 2010 verbracht habe, dass ich davon damals so überhaupt gar nüscht mitbekommen habe. Während ich darüber noch ein wenig nachdenke, stelle ich Euch in der Zwischenzeit schon mal das neue Album „Olympia“ vor, das in wenigen Tagen das Licht der Händlerregale erblickt.

Es hat sich etwas getan im Bandgefüge Austras, nachdem die Truppe um Katie Stelmanis ausgiebig mit Bands wie The XX um den Planeten getourt sind. Aus den einstmals 3 festen Bandmitgliedern sind in der Zwischenzeit sechs Leute geworden. Die Tourbegleiter sind einfach mit an Bord geblieben. Aufgrund der Tatsache, dass es nun doch eine vergleichsweise große Band geworden ist, hat sich auch die Herangehensweise von Austra-Chefin Katie verändert. Sie sagt: „Früher hätte ich die Songs ausgearbeitet, bevor ich sie der Band vorstelle. Dieses Mal habe ich sie blank gelassen und die anderen haben sie ausgefüllt„. Das mag erklären, warum Austra im Vergleich zum Vorgängerwerk musikalisch sehr, sehr viel gereifter klingen. Vergleicht man die beiden Alben, so ist „Feel It Break“ wesentlich piepsiger, künstlicher und wirkt so, als sei es direkt einer musizierenden Brotdose entsprungen. „Olympia“ hingegen stellt mächtige Sounds in den Raum, teilweise mit sehr böse wabernden Bässen und hübschen Klangspielereien, die ihre Wurzeln im synthiegeschwängerten Sound der späten 70er bzw. der 80er Jahre haben. Ohne dass sich Austra mit ihrem Zweitwerk in irgendeiner Form an der populären, musikalischen Rückgewinnung der 80er beteiligen würden. Katie & Co. ziehen hier konsequent ihr eigenes Ding durch, das sehr speziell ist und sich geschickt tieferer Vergleiche entzieht. Möglicherweise kommen die Gedanken an die 80er auch durch Katies Stimme zustande, die schon mal Ähnlichkeiten mit Kate Bush aufweist.

Dass das Album unter anderem von Damian Taylor (Björk, The Killers) und Tom Elmhirst (Adele, Eraruse) produziert wurde, mag ein Grund für den satten Klang sein, der sich raumfüllend ausbreitet. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Songs von der Band durchweg live eingespielt worden sind. Ihr könnt mir erzählen was ihr wollt, das klangliche Erlebnis ist in so einem Fall immer ein anderes, als wenn die Mucke Stück für Stück zusammengesetzt wird. Oder womöglich komplett aus der Konserve kommt. In solchen Fallen ist die Musik immer irgendwie gepresst. Tolle Songs und Melodien darf man sich dabei gewiss auch anhören, das Erlebnis der Musik ist dabei jedoch ein völlig anderes. Auch im Bezug auf die Ausgestaltung der Songs haben sich Austra einiges einfallen lassen, um zu gefallen. Ganz gleich, ob es nun Sounds sind, die haarscharf an Dubstep vorbeiwobbeln oder ob Austra auf Glasflaschen herumtrommeln so dass man meint, Tina Turner käme gleich um die Ecke um uns zu erklären, dass sie den Regen an ihrem Fenster nicht aushalten könne. Inhaltlich wälzen Katie und Band sehr persönliche gefärbte Themen, deren Spektrum vom Ende einer Beziehung bis hin zum Verliebtsein reichen. Das kommt immer gut und lässt die Musik sich authentischer anfühlen.

Soweit so gut. Knackpunkt bei Austra ist und bleibt aber Katies Gesang. Sie verfügt durchaus über eine markante Stimme, die nicht nur von mir gemachten Vergleiche zu Kate Bush sind durchaus gerechtfertigt. Dennoch muss an dieser Stelle festgehalten werden: jedermanns Sache ist sie nicht. Etwas abgemildert wird dieser Umstand dadurch, dass viele Songs mehrstimmig vorgetragen werden und Katies Stimme somit zu einem Element unter vielen wird. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Dennoch ein Tipp an dieser Stelle: hört Euch das Eröffnungsstück „What We Done“ an oder zieht Euch das Video zu „Home“ rein. Wenn Euch das zusagt, dann ist diese spezielle Mischung aus Electro und Indiepop etwas für Euch. Wenn nicht, wird Euch wahrscheinlich auch der Rest des Albums nicht mehr kicken, mag der Sound noch so gut sein.[/highlight]

Fazit

Puuh! Austras „Olympia“ stellt mich echt vor eine schwierige Herausforderung, was eine Beurteilung des Gehörten angeht. Musikalisch ist das Album für mich über jeden Zweifel erhaben. Ich könnte in den abgefahrenen, schon irgendwie einzigartigen Songs förmlich baden, mich geradezu mit der satten Produktion und den spleenigen Arrangements überschütten. Aber Katies Stimme und ich, wir werden wohl keine Freunde mehr. Nicht dass es ihr an Ausdruckskraft oder Wiedererkennungsmerkmalen mangeln würde, nö, aber der exaltierte Gesang harmoniert schlicht und ergreifend nicht mit meinem Wohlfühlempfinden. Daher betrachte ich Olympia als handwerklich perfektes, in hohem Maße abwechslungsreiches Album, das aufgrund seiner sehr speziellen Natur eine nähere Betrachtung durch Euch verdient. Hört es Euch an und entscheidet selbst, ob ihr mit dem Gesang klar kommt. Ich tue es nicht und finde es tatsächlich ein bisschen schade.


[tabs tab1=“Cover“ tab2=“Infos“ tab3=“Titelliste“ tab4=“Anspieltipps“ tab5=“Video“]

[tab id=1]AUSTRA_-_Olympia_720[/tab]
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  • Medium: Audio CD (14. Juni 2013)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: MJM Music PL

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  1. What We Done
  2. Forgive Me
  3. Painful Like
  4. Sleep
  5. Home
  6. Fire
  7. I Don’t Care (I’m A Man)
  8. We Become
  9. Reconcile
  10. Annie (Oh Muse, You)
  11. You Changed My Life
  12. Hurt Me Now

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  1. What We Done
  2. Forgive Me
  3. Painful Like
  4. We Become

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Austra – Home (Official Video) von domino

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    Roman Jasiek
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