Foto: Autumn Moon Festival

AUTUMN MOON FESTIVAL 2015 – Ein Bericht

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Was tut man nicht alles, wenn man nicht weiß, was man am Wochenende so unternehmen könnte? Ganz einfach: Man lässt sich zu einem Experiment überreden. Das Experiment hieß in diesem Fall AUTUMN MOON und war ein Festival, dass zum ersten Mal in dieser Form stattfinden sollte. Nachdem ich nun wieder zu Hause bin, kann ich nur eins sagen, das Experiment hat sich mehr als gelohnt! Aber der Reihe nach.

Am Freitag ging es zusammen mit Nic. unmittelbar nach der Arbeit los in Richtung Hameln. Die ersten Bands sollten schon ab 15 Uhr spielen, was wir unmöglich schaffen konnten, aber egal – es war ja ein Experiment. Das bereits gebuchte Hotel war etwas teurer als gedacht, aber Zimmer direkt am Festivalgelände sind ein ungewohnter Luxus, den man sich auch mal gönnen sollte.
Nach einer echt entspannten Anreise machten wir uns auf die Suche nach einem kostenfreien Parkplatz, wollte das Hotel doch einen eher horrenden Preis für die Unterkunft unseres Vehikels über Nacht. Und ein bißchen wieder einsparen wollten wir ja dann doch schon. Einigen Besuchern dürfte das eher schwer gefallen sein, spielte sich doch das ganze Spektakel mitten in der Stadt ab, was die kostengünstigen Parkmöglichkeiten für ein längeres Abstellen doch eher rar werden ließ. Aber wir hatten sehr viel Glück und wurden schnell in der Nähe fündig.

Nach dem Einchecken bezogen wir unsere Zimmer. Eines mit Blick auf den inneren Hotelhof und eines mit Blick die Örtlichkeiten, die für die nächsten 48 Stunden unser Aufenthaltsort werden sollte – die Rattenfängerhalle und dem gesamten Mitelaltermarkt. Ein wirklich einladender Blick. Nach dem Umziehen und Losgehen, macht sich gleich bemerkbar, was sich am nächsten Morgen beim Frühstücksbuffet bestätigen sollte: die meisten Zimmer im Hotel sind mit Festival Besuchern belegt. Die Aussicht auf zwei Minuten Fußweg bis zur Halle hatte wohl auch andere Gäste überzeugt, tiefer in die Tasche zu greifen. Auf zur Bändchenausabe. Eine „Schlange“ von nur drei Leute stand vor mir – nicht der Rede wert! Und an der Ausgabe für Gäste und Presse war ebenfalls nicht viel los. Wohl auch besser, denn das Raussuchen der einzelnen, angemeldeten Gäste wurde unmittelbar am Eingang zur Halle gemacht, was bei höhrem Besucheraufkommen vielleicht zu Behinderungen geführt hätte. Das schien also der erste Hinweis zu sein, dass das Festival dieses Mal eher wenig Besucher angelockt hatte.

Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de
Omnia. Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de

Ab in die Halle und zum ersten Act IN STRICT CONFIDENCE. Das erste was auffiel war, dass es dort tatsächlich ungewöhnlich leer war. Der zweite Blick fiel dann auf ein großes Piratenschiff, welches als Bar dienen sollte und direkt in der Hallenmitte aufgestellt worden ist. Nett! Dann gleich links die Plattform für die körperlich Versehrten, die besser als bei vielen anderen Festivals so stand, so dass von da aus auch wirklich die Bühne gesehen werden konnte. Die Rattenfängerhalle selbst ist eine typische Mehrzweckhalle, die die Macher des Autumn Moon mit den Mittel die sie als Erstlingsfestival haben, wirklich gemütlich eingerichtet hatten: mit Licht und wenigen Akzenten wie ordentlichen Stehtischen und kleinen Sitzlandschaften, schafften sie eine heimelige Atmosphäre. Dass man in einem eigentlich so nüchternen Bau stand, vergass man dadurch schon nach wenigen Sekunden – aber spätestens als die Musik einsetzte.
Wisst ihr, ich bin immer sehr schwer zufrieden zu stellen was den Sound bei Konzerten angeht. Und was soll ich sagen? Das Team dieses neuen Festivals hat an diesem Wochenende auf allen Bühnen einen unfassbar guten Sound abgeliefert. Kein Scheppern, kein Zerren. Glasklarer Sound und das egal wo man stand und die Musik genoß. So konnten wir dieses erste Konzert wirklich in vollen Zügen genießen und ich war gespannt, wie die nächsten Bands und Locations sich präsentieren sollten.

Unser Plan sagte als nächstes, uns an CULTUS FEROX auf der zweiten Bühne, der Sumpfblume in der Nähe, zu erfreuen. Wir fanden uns auf dem Gelände wunderbar einfach zurecht, so dass wir in kürzester Zeit bei der „Sumpfe“, wie sie vor Ort liebevoll genannt wird, ankamen. Am Eingang ging’s durch das kleine Bistro des Kultur- und Kommunikationszentrums, über einen kleinen Hinterhof, in ein Nebengebäude. Dort schallte uns bereits ohrenbetäubend laute Musik entgegen. Etwas zu laut, für meinen Geschmack, aber die Leute feierten in der kleineren der beiden Venues sehr ausgelassen und hatten ihren Spaß. Aber auch die Mittelalterrocker schafften es hier nicht, dass es schepperte oder verzerrte. Einfach glasklare, (sehr) laute Musik. Für Nic. zu heftig, also entschieden wir uns doch wieder, diesen Act auszulassen und später wieder zu kommen.

Bei unserer Spontan-Planung leider etwas untergegangen war die dritte Location, einem Weserausflugsdampfer, der auf dem halben Weg vom Markt zur Sumpfe am Kai festgemacht hatte. Dort sollten hauptsächlich unbekanntere Bands ihren Auftritt haben. Eine tolle Idee, die Nic auch von anderen Festivals, wie dem Amphi und ihrem „Call the Ship 2 Port“, in ähnlicher Art her schon kannte und die Erwartungen waren groß. Also sind wir nach einem kurzen Abstecher auf den Markt noch passend zu DUNKELSCHÖN angekommen, als wir auf dem Schiff einkehrten. Das arg lieblose Ambiente dort sagte uns leider nicht wirklich zu. Das leergeräumte Unterdeck diente als Bühne, Aufenthaltsraum und Tanzfläche zugleich. Das Ganze war leider gar nicht im Still der anderen Locations gehalten, denn es gab im Grunde gar keine Deko oder Accessoires. Ich bin nicht wirklich ein Riese, aber in einer Konzertlocation mit der Hand die Decke zu erreichen, war für mich neu. Da wir so weder die Band sehen konnten, noch die Musik genießen konnten, haben wir etwas enttäuscht das Schiff wieder verlassen.

Diorama. Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de
Diorama. Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de

Auf dem öffentlichen Mittelaltermarkt im Zentrum des Geschehens sah man viele, von anderen Märkten bekannte Stände, aber zwischendurch fand man auch schon mal ungewöhnliche Sachen, wie z.B. Stände aus der SteampunkSzene. Für Freunde des Schmiedehandwerks war, wie ich finde, hier im großen Maßstab gesorgt: Vom Goldschmied für feinstes Geschmeide bis hin zu den guten Waffenschmieden aus Tschechien war allerlei vertreten.
Wie auf dem Markt so auch in den Hallen gab es gutes Bier und guten Met und allerlei „Spielereien“. Spätestens beim Met merkte man wieder dass das Festival von Leuten organisiert worden war, die nicht jeden Cent herausquetschen wollten. Der war nämlich mal richtig gut.
Auch die mit ins Boot gekommenen Gastronomiebetriebe drum herum hatten durchweg tolle Sachen zu wirklich fairen Preisen im Angebot. Kaffee an der Halle der Sumpfblume für 1€ oder ein ordentliches Mittagessen im Bistro davor, das man dort schon mit etwas zu Trinken für insgesamt rund 10€ bekommen kann, ist wirklich klasse. Und noch dazu mit einer wunderbaren Aussicht auf die Weser bei Tag und Nacht.

Den Hamelnern, die mal zum Bummeln auf den Mystic Halloween Markt gekommen waren, hatte man zwar zu Beginn irgendwie angesehen, dass sie so viele schwarz gekleidete Leute noch nie auf einem Haufen gesehen hatten. Aber nach einem kurzen Beäugen und der Feststellung, dass die meisten dann doch friedlich und freundlich sind und auch nur auf Wunsch beißen, gewöhnten sie sich sichtlich schnell an die Gegebenheiten, so dass sich eine schöne Vermischung der Anwohner und den Szenegängern einstellte.

So verteilt sich das Autumn Moon Festival um die Rattenfängerhalle in Hameln. Foto: Autumn Moon Festival
So verteilt sich das Autumn Moon Festival um die Rattenfänger-Halle in Hameln. Foto: Autumn Moon Festival

Auch wenn die Wege auf dem AUTUMN MOON wirklich kurz sind, wurde uns da schon klar, dass wir nicht mal im Ansatz alles Gebotene besuchen könnten, ohne dass wir uns dazu vorher im Klaren gewesen wären. Im Line-Up fanden sich über zwei volle Tage, bis spät in die Nacht, Künstler wie z.B. QNTAL, MEGAHERZ, TYING TIFFANY, CLAN OF XYMOX oder auch TANZWUT oder SCHWARZER ENGEL wieder. Alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Das wären dann insgesamt 30 Bands auf drei Bühnen gewesen, dazu noch diverse Lesungen und einige besondere Shows, die zum Martktreiben dazugehörten. Auch dort befand sich eine kleine Bühne. Aber der Tag hat leider noch immer nur 24 Stunden. Für diejenigen, die Samstag bereits bis 11 Uhr den Weg aus dem Bett gefunden hatten, standen zwei Workshops zur Auswahl, die zwar einen extra Obolus gekostet hätten, aber in das Gesamtkonzept der Veranstalter passten. Da drehte sich bei dem einen Mitmachteil alles um die wunderbare Technik der Camer Obscura, und als Alternative bot sich ein Trommelworkshop an. Darüber können wir hier leider nichts Genaueres sagen, weil wir beide dieses Kunststück nach dem Freitagabend nicht vollbrachten. Denn als Nachtfutter für die Ohren, hatten wir die Aftershowpartys an beiden Abenden in der Rattenfängerhalle fest eingeplant.

Es ist schon unheimlich, was ein Festival im Herbst mit einem macht. Man muss sich erstmal daran gewöhnen, dass es dunkel ist und man trotzdem noch Stunden bis zur Party zum Tagesabschluss hat. Aber wenn man sich dort umschaute und umhörte, war das für viele genauso ungewohnt wie für mich. Also wurde das einfach durch den ein oder anderen extra Krug Met, Kirschbier oder einem gewöhnlichen Gerstensaft ausgeglichen. So hatte die frühe Dämmerung absolut keinen negativen Einfluss auf die ohnehin sehr angenehme und ausgelassene Stimmung, es war eher das Gegenteil der Fall. Je später der Abend, umso mehr wurde auf den Konzerten getanzt. Zwar sorgte die Burlesk- und Akrobatik-Showeinlage die als Puffer vor den Aftershowpartys eingeschoben worden war, dafür, dass sich die Reihen etwas lichteten, aber der Tanzwut der verbliebenen tat das keinen Abriss. Platz war nun genug und die Musikauswahl war absolut grossartig. So hatten wir dann auch nebenbei die Gelegenheit, Nic.’s Geburtstag gebührend, mit den dort angetroffenen Freunden, zu feiern.

Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de
Beyond The Black. Foto: Frank Schildener / redaktionsbuero.de

Zu jedem Zeitpunkt dieses Festivals hatte ich das Gefühl, dass nicht nur die Macher, sondern auch die Künstler selbst immer mit Feuereifer dabei waren. Man hat es jedem einzelnen angesehen und angehört, dass sie wirklich Bock hatten. Selbst ein sonst eher wortkarger Alexander Veljanov (DEINE LAKAIEN), den wir am Freitag sahen, fühlte sich so gut aufgehoben, dass er zu einem wahren Redner wurde. Und auch der Entertainer vorm Herrn, Steve Naghavi, dann am Samstag, fühlte sich sichtbar und hörbar wohl und proklamierte sich mit AND ONE, nach einem großen Lob auf die Veranstalter, gleich für die nächsten 20 Jahre als Headliner dieses Festivals. Ja, Steve, wir standen in einer Turnhalle. Wir jedenfalls kommen gerne wieder. Diese Party lassen wir uns nicht entgehen!
An beiden Tagen (Fr & Sa) haben sich Newcomer mit etablierten Künstlern abgewechselt, so dass man viele neue Bands zu hören bekommen hat. Meine persönlichen Favoriten waren dabei am Freitag, neben dem Headliner DEINE LAKAIEN, IN STRICT CONFIDENCE und die unglaublich guten OMNIA. Am Samstag haben mich dann DIORAMA und BEYOND THE BLACK neben AND ONE am meisten mitgerissen.

Was das AUTUMN MOON bei mir, wie sicher auch bei vielen weiteren Besuchern, sehr gut in Erinnerung bleiben lässt, ist, dass dort sehr viel mehr Besucher eher aus den ruhigeren im Leben stehenden Musikliebhabern stammten, als man es sonst auf vielen etablierteren Festivals und Märkten gewohnt ist. Das oft grölende Partyfolk war mir nicht aufgefallen. Also ist das angepeilte Konzept, ein besonderes Festival zu kreieren, voll aufgegangen und bittet – nein schreit – nach Fortsetzung.

Wenn ich diese Zeilen schreibe, sind mittlerweile nun schon ein paar Tage vergangen und meine Beine sagten mir mit einem Riesenmuskelkater: „Mach das bitte nie wieder!“ Aber mein Kopf und Herz sagen: „Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!“ Unser Experiment war auf jeden Fall erfolgreich. Die kleinen Unstimmigkeiten im Ablauf werden nur sehr aufmerksamen Besuchern aufgefallen sein. Und wenn die dann noch nach und nach abgestellt werden, weil sich das Team findet und einspielt, wird sich das AUTUM MOON FESTIVAL in Hameln aus einem einstigen Mittelaltermarkt zu einem Top Festival der schwarzen Szene entwickeln, das bald sicher kein Geheimtipp mehr sein wird. Für nächstes Jahr sind unsere Tickets jedenfalls bereits gekauft. Haltet euch schon mal das Wochenende vom 14.-16.10.2016 frei oder besser noch: Nutzt das X-Mas Special ab Mitte November um das Ticket bereits vorab vergünstigt zu kaufen.

Einen besonderen Dank gilt an dieser Stelle unserem Freund Frank Schildener von redaktionsbuero.de, den wir dazu bewegen konnten, Avalost ein paar Bilder für diesen Bericht zur Verfügung zu stellen, obwohl er diese sonst nur im Auftrag erstellt und entsprechend an den Mann bringt. Und auch einen Dank an die liebe Nic. die mich bei meinem Erstlingswerk hier sehr unterstützt hat. Danke!


Hinweis: Die Teilnahme an dieser Veranstaltung erfolgte auf eigene Kosten.


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