BÜNGER – Besser scheitern

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Die schöne Stadt Hamburg wird wohl nicht nur von Ansässigen gerne als Tor zur großen, weiten Welt betrachtet. Die zweitgrößte Stadt Deutschlands verspricht durch ihre Anbindung an die Nordsee Freiheit, den Weg nach draußen und wird wohl so manches Mal Fernweh wecken. Und da der Weg in beide Richtungen funktioniert, werden sicherlich nicht wenige Einflüsse, Eindrücke und/oder Geschichten in die Hansestadt gespült. Was zu einer Wechselwirkung führt, die, gepaart mit Lebenserfahrung und Beobachtungsgabe dazu führt, dass sich wunderbare Geschichten erzählen lassen. Verpackt in Musik. Geschichten, wie sie BÜNGER auf seinem Debütalbum „Besser scheiter“ erzählt.

Das Gefühl kennen wir doch alle: dann und wann erscheint uns das Leben wie ein Käfig, aus dem man nur zu gerne entfliehen möchte. Wunsch und Wille sind da, aber wie nur macht man es wahr? Und weil keine Antwort, kein Lösungsvorschlag so richtig passen mag, träumen wir allenfalls von der Landflucht ins Vielbesserland und ergeben uns ansonsten weiterhin unserem Schicksal. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Freiheit fängt im Geiste an. So sieht es auch Bünger: „Meine Freiheit beginnt im Kopf und wird im Herzen gelebt„. Und selbst wenn es gelingt, einen ersten Schritt in Richtung Freiheit und Veränderung zu unternehmen, so bedeutet es nicht unbedingt auch, dass die Reise gelingt. Bünger sagt: „Wir nehmen uns immer wieder vor, unser Leben in den Griff zu bekommen und versagen dennoch oft durch zu strenge Vorsätze, innere Dämonen und überraschende Schicksalsschläge. Letzten Endes reicht es vermutlich, einfach viel Spaß zu haben und mit jedem Mal etwas besser zu scheitern.„[/highlight]

Büngers Freiheit ist: Musik zu machen, wie sie ihm gefällt, nicht notwendigerweise darauf bedacht, was Kritiker dazu sagen oder einen maximalen kommerziellen Erfolg zu erzielen. Manchmal mit schwerem Blues-Einschlag („Solche Tage“) versehen, manchmal mit Chanson (Ich werd’s versuchen“) spielend, manchmal Folk („Am Ende wieder Licht“) – Bünger versteht es, seinen Songs eine melancholische Stimmung zu verpassen, die einen erdigen, im positiven Sinne dreckigen Charakter haben. So wie die Lieblingskneipe, wo die Luft mit Zigarettenqualm und Bier- und Whiskyaromen geschwängert ist, wo die Klowände mit Sprüchen und Kritzeleien tapeziert sind, wo schummriges Licht den Raum erfüllt und wo sich manchmal ganz schön schräge Figuren herumtummeln. Ein Ort zum Wohlfühlen, aber von Schickimicki weit entfernt. Gut so. Ein Ort zum Wohlfühlen sind auch Büngers Songs. Inspiration lieferten hier Johnny Cash und Tom Waits, Udo Lindenberg und Rio Reiser, Van Morrison und Element Of Crime. Tatsächlich ist Büngers „Schöner scheitern“ musikalisch dem Tun von Sven Regeners Edelkapelle sehr ähnlich und auch stimmlich sind sich beide Künstler manchmal ziemlich nah: irgendwie verlebt und doch sehr markant. So als wären die Herren von Hamburg aus einmal um die Welt gesegelt, um dann, wieder zuhause in der Stammkneipe, ihre Geschichten zu erzählen.

[highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Und während Bünger, der komplett ausgeschrieben Sven Bünger heißt, beispielsweise davon erzählt, wie man selbst in einer der schönsten Städte Deutschlands einen Großstadtkoller bekommen kann, weil alles irgendwie nur noch Fassade ist und die Einwohner nur noch leere Marionetten („Diese Stadt“), verpackt er seine Lyrik in ein musikalisches Gerüst, in dem Kontrabass und Mandoline genauso zuhause sind wie Ukulele, Banjo und Akkordeon. Dadurch entsteht nur einmal mehr der Eindruck, es hier mit musikalischem Seemannsgarn zu tun zu haben. Angespült durch die Nordsee, aufgefischt im Hamburger Hafen.[/highlight]

„Schöner scheitern“ mag Büngers Debütalbum sein. Ein Neuling in der Musiklandschaft ist er dennoch nicht. Genau genommen ist er seit 1981 als Musiker tätig. Entweder als Produzent, Songwriter, Gitarrist und Sänger, der bereits Bands und Künstler wie Madsen, Johannes Oerding oder Pascal Finkenauer auf der Agenda stehen hatte. Zu seinem Produzententum sagt Bünger: „Zu den schönsten Momenten gehört es, wenn ich jemandem zuhöre, der wächst und plötzlich selbst Flügel bekommt„. Im Bezug auf Bünger gilt schlussendlich: hört ihm zu und die Flügel bekommt Ihr. Oder wenigstens Eure Gedanken. Angetrieben durch den Aufwind, die Büngers Musik liefert, treten sie ihre Reise in die große weite Welt hinaus an. Und der Käfig? Der steht so lange offen.

Fazit

Wie Ihr vielleicht wisst, bin ich ja bekennender Steve-Jobs-Anhänger. Was Bünger mit Jobs zu tun hat? Nüscht. Ich musste bei „Besser scheitern“ nur an Steve Jobs‘ Stanford-Rede denken, bei der er drei Geschichten über das Leben, die Liebe und Tod erzählte. „No big deal“, sagte er. „No big deal“ sind auch die Geschichten, die Bünger auf seinem Album erzählt. Schlichte, aber gerade deshalb wirkungsvolle Großstädtergeschichten, die im dämmrigen Zwielicht eines Hafenlokals, quasi am Puls des geerdeten Lebens, vermutlich ihre größte Wirkung erzielen. Wer so ein Lokal gerade nicht zur Hand hat oder den ansässigen DJ nicht dazu bewegen kann, mal Bünger zu spielen, denkt sich die entsprechende Kulisse einfach hinzu. Fällt bei diesen atmosphärisch dichten Songs ja auch nicht schwer. „Besser scheitern“ ist ein weiteres Paradebeispiel dafür, wie gut deutschsprachige Popmusik sein kann. Der Gegenentwurf zum Scheitern.


[tabs tab1=“Cover“ tab2=“Infos“ tab3=“Titelliste“ tab4=“Anspieltipps“ tab5=“Video“]

[tab id=1]BUNGER_Cover_Album_besser_scheitern_1500[/tab]
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  • Medium: Audio CD (26. April 2013)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: Chef Records Ratekau (Edel Kultur)

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  1. Am Ende wieder Licht
  2. Ein Lied
  3. Alles das
  4. Wenn der Mond
  5. Ich werd’s versuchen
  6. Von Anfang an
  7. Diese Stadt
  8. Solche Tage
  9. Das Glück
  10. Zurück

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  1. Am Ende wieder Licht
  2. Wenn der Mond
  3. Ich werd’s versuchen
  4. Diese Stadt

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