DEICHKIND - Niveau Weshalb Warum
Foto: Sultan Günther Music

DEICHKIND – Niveau Weshalb Warum

Liebe lesende Person! Wie wäre es zur Einführung mit einer kleinen Runde „Wer bin ich“? Räuspern. Knicklicht an. Müllsack an. Bin ich schon am Limit? Yippie Yippie Yeah, Krawall und Remmidemmi! Leider geil. – Das war jetzt nicht sonderlich schwer, was? Keine andere deutsche Band ist in den letzten Jahren so eine aktive Brutstätte der geflügelten Worte gewesen wie Deichkind. Und das ist auch gut so. Und wissen Sie was noch gut ist? Deichkind hauen dieses Jahr mit ihrem sechsten Album „Niveau Weshalb Warum“ direkt potenzielle Ergänzung für meine leider geile Darstellung der Band raus. Eine erste Singleauskopplung hat es mit „So ‚ne Musik“ im Dezember bereits gegeben.

„So ‚ne Musik“ schon gehört? – Und alle nur so „Yeah“. In dem Fall will ich mich mit dem ersten Song des Albums nicht länger als nötig aufhalten. Konsum, Musiklandschaft, Rückkehr. Die Themen des Textes sind ganz klassisch Deichkind – eine Feststellung, die sich durch das ganze Album ziehen wird. Der Sound ist elektrisch, treibend und geht einem direkt in Mark und Bein über. Sie denken aber nicht nur im Bezug auf ihre Musik ganz groß („Denken Sie groß“), sondern auch in Sachen Frühstück. Größenwahn und Blattgold auf den Smacks gehen in ihren Texten eben besser als bestens Hand in Hand.

Die Kritik auf Spaßmacherart wird fortgesetzt und wendet sich einen Song lang von Konsum und Geldgeilheit ab, um sich auf die ewige blaue Seuche unserer Gesellschaft zu konzentrieren. Willkommen in Facebooknation. „Like mich am Arsch“ rechnet ab mit modernen Medien, Petitionen, Apps und macht Werbung für Zettel schreiben statt Onlinewahnsinn. Fettes Like dafür.

„Powered By Emotion“ kommt nach dem Hip-Hop-Elektro-Sound des Vorgängers, der so einfach wie typisch ist, noch elektrolastiger daher und weckt um ein Haar Assoziationen in Richtung Kraftwerk. „Alle wollen nur dein Bestes…“ lautet die Botschaft dieses fetzigen, etwas düsteren Songs, und rechnet mit Konzernen und ihren beknackten Werbesprüchen ab.

Nicht wirklich ruhiger, aber ein bisschen unspektakulärer kommt „Porzellan und Elefanten“ als aktuellste Hymne ungleicher Liebe daher und predigt, dass sich Gegensätze anziehen. Und das tun sie ja auch. Manchmal. Dem von mir persönlich als solches empfundene Hängerchen des Albums folgt „Was habt Ihr?“, welche eine zugegebenermaßen lustige Ode von Ferris MC an sich selbst darstellt. Dieser alberne repetitiv-bingo-bongo Song stellt ganz klar Freaktum über Kreditwürdigkeit, was ja auch eine der gängigeren Messages von Deichkind an die Welt ist. Die Folge der eher gediegeneren Songs reißt auch mit „Mehr als Lebensgefährlich“ nicht ab. Eindringlich und humoristisch nimmt dieser Song sogenannte First World Problems auf die Schippe – „Echt schwach vom Universum“.

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Seit dem Trödeltrupp (zu sehen im deutschen Qualitätsfernsehen) wissen wir, dass das Geld im Keller liegt und deshalb Flohmarkt auch total cool ist. „Der Flohmarkt ruft“ ist nicht nur entspannt, sondern richtig lässig und sicherlich nicht nur der perfekte Song zum Packen von Flohmarktkartons. Alltäglichstes vom Alltäglichen in Style und Sound gekleidet klingt genau so. Das hier ist definitiv eine würdige Antwort auf „I wear your granddad‘s clothes, I look incredible“.

„Naschfuchs“ ist ein elektrisch aufgeladener Song über Snacks als Therapiemöglichkeit gegen Angst und Kummer oder Gummibären als würdiger Drogenersatz. Selten klangen Schilderung von Fressflashs wirkungsvoller und so der Realität entnommen wie hier. Außerdem… wie süß ist denn bitte der Begriff Naschfuchs? Katzen rocken nicht halb so hart wie Füchse.

Im Vergleich zum restlichen Album stinkt „Die Welt ist fertig“ als eher ausdrucksloser und glatter Song über die Vollendung der Welt ab, dessen Höhepunkt das PING! einer Mikrowelle ist. Leider wahr.
Der Quatschsong „Niveau Weshalb Warum“, mit Referenzen von der Sesamstraße bis zum Aldi um die Ecke, ist neben seiner Funktion als Comedy-Einlage Namensgeber des Albums. Lustige Samples, ein einfacher Beat und lauter W-Fragen dominieren den Song. Kann man haben, muss man aber nicht.

Die angenehme Mischung aus lustigen und ernsten Texten ist eine Linie, die Deichkind schon seit ungefähr immer konsequent gefahren sind. So folgt auf einen prolligen Titelsong ein tendenziell melancholischerer Song. „Hauptsache nichts mit Menschen“ handelt von Crowd-Müdigkeit und beschreibt Situationen im Leben, in denen einem Menschenmengen richtig auf den Sack gehen. Die Alternative zu Konzert und Party: Essen bestellen und lange duschen. Introvertierte werden diesen langsamen, smoothen Song lieben.

Den Abschluss bildet der Technoeinschlag des Albums mit dem geistreichen Titel „Oma gib Handtasche“, der zumindest bei mir bereits vor dem ersten Hören ein dämliches, breites Grinsen ausgelöst hat. Die Techno-Utze mit genau einem Sample ist so besonders wie das Gebastelte eines Kindergartenkindes… Oma gib Handtasche!

Fazit

Wieder mal beste Leistung von den Typen, die am Deich wohnen. Ich habe zwar kein Äquivalent zu „Leider geil“, „Krawall und Remmidemmi“ und Konsorten finden können, war aber trotzdem hellauf begeistert von der Stilsicherheit und der Treue, die Deichkind sich selbst gegenüber hält. Die gerade Linie von Deichkind beruht scheinbar vor allem darauf keine ganz so gerade Linie zu fahren. Zwischen Klamauk und Ernst, Elektro und HipHop, Mülltüten und Style gibt es keine Grenzen. Amüsant, anregend und über alle Maßen tanzbar ist „Niveau Weshalb Warum“ ein weiteres gelungenes Album der Hamburger Jungs. Und alle so Yeah!


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[su_tab title=“Infos“]

  • Medium: Audio CD (30. Januar 2015)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: Sultan Günther Music (Universal Music)

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  1. So ’ne Musik
  2. Denken Sie groß
  3. Like mich am Arsch
  4. Powered By Emotion
  5. Porzellan und Elefanten
  6. Was habt Ihr?
  7. Mehr als lebensgefährlich
  8. Der Flohmarkt ruft (feat. Herr Spiegelei)
  9. Naschfuchs
  10. Die Welt ist fertig
  11. Niveau Weshalb Warum
  12. Hauptsache nichts mit Menschen
  13. Oma gib Handtasche

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[su_tab title=“Anspieltipps“]

  1. So ’ne Musik
  2. Powered by Emotion
  3. Mehr als lebensgefährlich
  4. Der Flohmarkt ruft (feat. Herr Spiegelei)
  5. Hauptsache nichts mit Menschen
  6. Oma gib Handtasche

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