DESERTED – Heroes

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Wenn ich mich hier so umgucke stelle ich fest, dass wir uns hier schon lange nicht mehr über geschmeidige Rockmusik unterhalten haben. Ich meine damit nicht die Sorte Mucke, die ein bisschen mit Rockelementen spielt, den Schwerpunkt ansonsten aber eher auf Pop legt. Nee, nee – gemeint ist die Mucke, durch die sich Leute mit langen Haaren dazu animiert fühlen, durch nackenunfreundliches Bewegen des Kopfes die langen Loden rotieren zu lassen. Oder Luftgitarre spielend durch die Einrichtung zu tänzeln. Die Sorte, wo man sich dazu bewegen und die Texte mitgröhlen muss, einfach weil die Musik dazu zwingt. Eben genau die Sorte Musik, die DESERTED mit „Heroes“ liefert. Bock auf Rock? Na dann los.

Wenn Ihr die Band Deserted bisher nicht auf dem Schirm hattet, ist das kein Beinbruch. Mit „Heroes“ präsentieren die vier Kölner bzw. Bonner Musiker, die immerhin auch schon seit 10 Jahren Musik machen, ihr nunmehr drittes Album. Und aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei, oder wie war das? Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass sich beim Hören des Albums dieses komische Gefühl einstellt, die letzten Jahre unter einem Stein verbracht zu haben, da man erst jetzt dieses musikalische Kleinod entdeckt. Sollte es Euch ähnlich gehen – macht nüscht, Ihr seid damit nicht alleine. Ich muss gestehen, dass ich Deserted auch erst seit wenigen Wochen kenne. Ohne die aktive Mithilfe seitens der Band selbst, würde ich vermutlich noch immer durch das Tal der Ahnungslosen wandern und wüsste nicht, was das Rheingebiet hiermit für eine musikalische Spezialität zu bieten hat! Wissen soll ja geteilt werden und in diesem Fall ist es mir ein wahres Vergnügen, jetzt meinerseits von Deserted erzählen zu können.

Was braucht denn eigentlich eine gute Rockband, um zu funktionieren? Einen Sänger, klar. Den Job übernimmt hier Philipp Honrath. Des Weiteren: Gitarre, die fröhlich schrammelt. Jo, darum kümmert sich Björn Donath. Einen Bass, der das Gesamtbild abrundet, darf ebenfalls nicht fehlen. Philipp Immenkötter ist der Mann dafür. Und schlussendlich: ohne Schlagzeug wäre das alles immer noch nichts. Jens Fischer spielt für Deserted die Drums. Musikalisch braucht es also offensichtlich nicht viel. Wenn nun jeder allerdings einfach nur so seine Instrumente malträtierte – dabei käme vielleicht Krach heraus, mit dem man unliebsame Haustürvertreter vom Hofe jagen könnte, nicht aber gute Rockmusik. Um zu überzeugen braucht es vor allem ein sicheres Gespür und ein talentiertes Händchen dafür, Songwriting, Arrangements und Produktion zu einem gefälligen Ganzen zu vereinen. Will sagen: wenn sich beim Hören so ein „geil, das rock!“-Gefühl einstellt, ist alles gut.

Und das ist es. „Heroes“ beinhaltet 12 Songs, allesamt angesiedelt im Bereich der Rockmusik härterer Gangart, ohne jedoch dabei auf catchy Refrains zu verzichten. Die breitbeinig aufgestellten Gitarren- und Basswände scheppern schon sehr anständig aus den Boxen und werden von den druckvollen Drums hervorragend ergänzt. Ergänzend dazu die angenehme, durchaus vielseite Stimme von Sänger Philipp, der sich auch nicht zu fein ist dafür, manches Mal Geschrei als Stilmittel zu verwenden („Head Up“). Das gibt dem Sound der Band manchmal fast schon einen leicht metallischen Anstrich. Philipps eigener Aussage nach war es das Anliegen, ein Album zu schaffen, das bei einer Live-Darbietung ordentlich abrockt und beim Autofahren Spaß macht. Live habe ich die Jungs noch nicht gesehen. Es fällt aber nicht schwer zu glauben, dass dieses Album für einige Bewegung vor der Bühne sorgt. Die Autotauglichkeit hingegen kann ich bestätigen. Mir tut jedes Mal so ein bisschen mein Lenkrad leid, wenn ich mir „Heroes“ im Auto anhöre. Dieses ständige, energische Getrommel auf dem Lenkrad kann nicht gut sein. Die knackigen, auf den Punkt gebrachten Songs – kaum einer erreicht eine Laufzeit von vier Minuten – vermischen Härte und Eingängigkeit so geschickt, dass man sie wohl noch im Radio spielen könnte. Erfreulicherweise wirken Deserted dabei aber nicht so, als wären sie extra zu diesem Zwecke irgendwie heruntergeregelt worden.

Womit wir zu einem weiteren Punkt kommen, der dieses Album bemerkenswert macht. „Heroes“ erscheint nicht durch den Vertrieb eines großen Labels, auch wenn man das aller gebotenen Professionalität nach vermuten könnte. Nö, Deserted machen das alles alleine. Damit „Heroes“ auch so heranreifen konnte, wie wir es nun zu hören bekommen, nahm die Band ein bisschen Geld in die Hand, verschanzte sich im Ladeside Studio in Berlin und nahm das Album zusammen mit Dirk Burke (u.a. tätig für In Extremo und Rammstein) auf. Das Mastering wurde in Düsseldorf vorgenommen. Genauer: in der Skyline Tonfabrik durch Kai Blankenberg (u.a. H-Blockx oder Guano Apes). Dies und das sichere Gespür der Band, es rockend krachen zu lassen dürfte wohl erklären, warum „Heroes“ nach industriegestützter Oberliga klingt. Es ist schlicht erstaunlich.

Neben dem bereits erwähnten, vergleichweise harten „Head Up“ sei noch „Move On“ erwähnt, das mit seinem beinahe zarten Gitarrenspiel, welches immer wieder hervor lugt, ein bisschen wie ein Kontrastprogramm wirkt. Der Text des bedauerns trägt ein Übriges dazu bei, dem Song den Stempel „Musik mit Gefühl“ verpassen zu wollen. Das Titelstück „Heroes“ hingegen ist eine Partyhymne, die man bei Konzerten sicher gut mitgröhlen kann. Besonderes Augenmerk muss jedoch dem Song „Don’t Look Back“ gewidmet werden, handelt es sich hierbei doch um ein Duett mit Charlotte Klauser, Frontfrau der Kölner Rockladies The Black Sheep. Hach diese Stimme! „Don’t Look Back“ ist eine gefühlvolle Nummer mit ordentlich Dampf dahinter, die vor allem von den beiden, erstaunlich gut miteinander harmonierenden Stimmen lebt. Das können die gerne noch einmal machen, wenn Ihr mich fragt. Passt gut zusammen. Wenn Ihr an den Anfang dieses Jahres denkt, erinnert Ihr Euch vielleicht, dass die Damen von The Black Sheep ebenfalls ein wichtiges Thema für uns waren und sind. Daher musste ich zwingend mal nachfragen, wie es zu dieser spannenden Kollaboration kam. Philip erklärte mir: „Charly (und die übrigen Mädels von The Black Sheep) kennen wir schon eine ganze Weile. 2010 haben wir zusammen ein Konzert im Polodrom (Jüchen) gespielt und sind uns seitdem immer mal wieder über den Weg gelaufen. Auf die Idee, Charly zum Duett einzuladen, sind wir tatsächlich erst während der Aufnahmen gekommen. Ich hatte bis dato immer alle Zweitstimmen selbst eingesungen, aber irgendwie brauchte der Song (zumindest auf der Platte) weibliche Vocals. Charly war dann so nett, extra nach Berlin zu reisen, um ihn dort einzusingen. Wir werden das bei Gelegenheit auch sicher mal Live performen…

So war das also damals. Übrigens: solltet Ihr Bock haben mal zu gucken, ob „Heroes“ nicht nur zum Autofahren taugt, sondern eventuell auch live so abgeht, wie man es vermuten muss und Ihr Euch darüber hinaus Ende August im Siegburger Dunstkreis aufhaltet: Deserted spielen am 28. August zusammen mit Tito & Tarantula im Kubana. Tatsächlich bin auch ich geneigt zu prüfen, ob ich es zeitlich hinbekomme, am 28. nach Siegburg zu gurken – auf CD konserviert haben mich Deserted nämlich bereits überzeugt.

Fazit

Rockt’s nicht, bockt’s nicht. Seht Ihr ähnlich? Noch dazu steht Euch aktuell der Sinn nach einer feinen Platte aus dem Bereich der alternativen Rockmusik, bei der sich Eingängigkeit und eine gewisse Portion Härte harmonisch vermengen? Dann ist Deserteds drittes Album „Heroes“ definitiv eine Empfehlung. Zudem ist es mächtig beeindruckend, wie professionell die Scheibe klingt, wie sauber und druckvoll die Produktion aus den Boxen scheppert – unfassbar, dass kein großes Label im Hintergrund wirkte, um mittels entsprechender finanzieller Zuwendung ein solches Werk zu ermöglichen. Alles Handarbeit und aus eigener Tasche finanziert! Das macht das Album gleich noch einmal so spektakulär. Und wäre das alles noch nicht genug, gibt es als finalen Bonus noch das Duett mit Lichtgestalt Charly von The Black Sheep. Lange Rede, gar kein Sinn: Deserted machen mit „Heroes“ alles richtig – und Ihr mit dem Erwerb dieses Albums.


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[su_tab title=“Cover“]Deserted - Heroes[/su_tab]
[su_tab title=“Infos“]

  • Medium: Audio CD (15. März 2014)
  • Label: erscheint im Eigenvertrieb
  • Anzahl Tonträger: 1

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[su_tab title=“Trackliste“]

  1. Rewrite History
  2. First World Problems
  3. Heroes
  4. Friends
  5. Don’t Look Back (feat. Charlotte Klauser)
  6. Going Down
  7. Days Like These
  8. Chasing After You
  9. Run
  10. Move On
  11. Head Up
  12. Revenge

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[su_tab title=“Anspieltipps“]

  1. Heroes
  2. Don’t Look Back
  3. Going Down
  4. Move On
  5. Head Up

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[su_tab title=“Spotify“]

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[su_tab title=“Klangwelle“]

Im Falle von „Heroes“ gibt es ein paar Dinge, die sich förmlich aufdrängen, wenn man weiter auf dieser Klangwelle sufen möchte. Das letzte H-BLOCKX Album „HBLX“ zum Beispiel. Alternativ Burn Season mit ihrem gleichnamigen Album von 2005. Wer hingegen noch ein bisschen die Stimme von Charlotte Klauser anschmachten möchte, kann dies mit dem aktuellen The Black Sheep Album „Politics“ tun.

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