DSX - Anonymous EP
Foto: DSX

DSX – Anonymous EP

Die tollste Aufgabe, der wir hier nachgehen dürfen, ist das Perlentauchen: In einem schier endlosen Ozean an Veröffentlichungen die Schätze zu bergen, von denen wir glauben, dass sie Euch gefallen könnten oder von der wir der Meinung sind, dass wir Euch unbedingt davon berichten müssen. Einstweilen passiert es aber auch, dass wir gar nicht selbst tauchen müssen, sondern die Perlen von selbst angespült werden. So geschehen im Falle der „Anonymous“ EP aus dem Hause DSX. DSX als Projekt mag ein Neuling sein, der kreative Kopf dahinter ist es definitiv nicht.

Früher oder später wird es unter Garantie irgendein Spatz von den Dächern pfeifen, daher lassen wir an dieser Stelle die Katze aus dem Sack: Bei DSX handelt es sich um ein Projekt von Dejan Samardzic, der Freunden hochwertiger elektronischer Musik als ein Teil des dynamischen Haujobb-Duos bekannt sein dürfte. Zwar wollte Dejan das nicht an die große Glocke hängen, um die Aufmerksamkeit nicht von der Musik abzulenken – der Name „Anonymous“ ist für seine EP nicht ohne Grund gewählt – aber da es für neue Projekte in einem übersättigten Markt immer schwerer wird, Fuß zu fassen, erwähnen wir es an dieser Stelle trotzdem. Warum? Weil wir von DSX sehr überzeugt sind – und das, ohne dass wir die ganze Zeit Assoziationen an Haujobb gehabt hätten. Haujobb ist Haujobb und DSX ist DSX. Punkt. Und das, Ladys & Gentlemen, ist auch gut so. Wir haben es hier mit einer 4-Track-EP zu tun – das schreit förmlich nach einer Einzelbetrachtung der jeweiligen Songs.

Demoniac: Youtube-Jünger und Facebook-Aktivisten wird dieser Song in den letzten Tag möglicherweise schon mal untergekommen sein, fand er doch als Appetitanreger in Form eines Musikvideos bereits vorab den Weg ins Netz. Eigenwillig, das wird wohl einer der ersten Eindrücke sein, die man zu diesem Stück gewinnt. Ungewöhnlich in der Melodie und nicht auf den ersten Hör eingängig, gefällt diese extrem unterkühlte, distanzierte Nummer vor allem durch die Vocals von Cursed Chimera-Sängerin Emily Steigerwald. Nicht zuletzt durch die Drums, die einstweilen wirken wie Pistolenschüsse entwickelt dieser Song nach mehrmaligen Hören jedoch eine Sogwirkung und weckt Assoziationen an einen Spaziergang durch eine eiskalte Maschinenwelt.

Don’t Resist: Eine reine Instrumentalnummer, die aufgrund ihres anfänglichen Beats ein wenig an klassische EBM-Mucke erinnert, im weiteren Verlauf durch die Samples und die eingestreuten Klangspielereien eine andere Richtung bekommt. Tanzen ließe es sich dazu wohl nur schlecht, dafür ist die Nummer für den Einsatz in Clubs trotz des treibenden Beats etwas zu sperrig. Zusammen mit dem hochtönenden Geklicker im Hintergrund fühlt sich der Song eher an wie eine Reise mit einem automatisierten Hochgeschwindigkeitszug, Ziel unbekannt.

Anonymous: Endlich wieder ein paar Vocals. Herrlich düstere Grundstimmung hier und mächtige, quietschende Synthies, bevor der Beat einsetzt. Wenn sich bisher keine Endzeitstimmung eingestellt hat – spätestens ab diesem Track dürfte das wohl der Fall sein. Dieser Song ginge auch als inoffizielle Nachspielzeit des sensationellen Haujobb-Albums „New World March“ durch, das ja durch eine ähnlich bedrückende Atmosphäre zu begeistern wusste. Und durch eine ähnlich hohes musikalisches Niveau, aber das überrascht an dieser Stelle wohl nicht wirklich.

Information War: Und noch ein rein instrumentaler Song, der mit etwas gehobenem Tempo überzeugt. Und wieder einmal kommen wir nicht umhin, uns hier an das Geräusch erinnert zu fühlen, wenn Metall auf Metall schlägt. Kompromisslos geht es hier nach vorne und, da es sich hierbei bereits um den letzten Track dieser EP handelt, lässt es den Hörer mit einem Gefühl des Hungers zurück. Hunger nach mehr. Oder anders: würden die Borg (Ihr wisst schon, diese Maschinen-Fraggles aus Star Trek) Musik machen, wäre man wohl spätestens jetzt assimiliert.

Ungewöhnlich ist das Wort der Stunde im Falle der „Anonymous EP„. Dejan hätte es sich einfach machen und für seine Wanderei auf Solo-Pfaden einen schlichten Abklatsch von Haujobb zusammenschustern können. Kurz noch der schreibenden Zunft und im Internet verbreitet, wer dahinter steckt und fertig wäre sicherlich der vorprogrammierte Erfolg gewesen. Hat er aber nicht. Stattdessen entschied sich der Mann für den steinigen Weg: eine musikalische Vision umzusetzen, die aufgrund ihrer experimentellen Natur mit Sicherheit nicht jedermans Geschmack treffen wird. Muss sie aber auch nicht. Wer mit FuturePop, EBM, Harsh Electro, AggroTech und was weiß ich sonst noch glücklich wird, soll das tun. Wer aber hungrig ist nach mehr, wer Bock hat auf Horizonterweiterung, wem das übliche Einerlei inzwischen gehörig auf die Nüsse geht, bekommt mit DSX‚ „Anonymous EP“ eine mächtig gewaltige Alternative.


Kalt, mechanisch, experimentell, ungewöhnlich – so lässt sich das Tun von DSX in knappen Stichpunkten gut umschreiben. Bei einem Musiker, der sich ansonsten seine Lorbeeren als Teil von Haujobb verdient, nicht wirklich überraschend. Ich musste bei der „Anonymous EP“ die ganze Zeit an die Terminator-Soundtracks eines Brad Fiedels denken. In ihrer unterkühlten Schlichtheit sind sich die Werke sehr ähnlich. Müsste ich also jetzt einen dystopischen Sciene-Fiction-Film mit Musik unterlegen, wäre „Anonymous“ mein Mittel der Wahl. Und wenn Ihr Bock auf elektronische Mucke habt, die sich wohltuend vom langweiligen Einheitsbrei abhebt – Ihr bekommt „Anonymous“ in Kürze auf Vinyl oder beim mp3-Dealer (iTunes, Amazon usw.) Eures Vertrauens. Bitte tut Euch und der musikalischen Vielfalt einen Gefallen und unterstützt DSX. Danke!


DSX - Anonymous EP Cover


Kalt, mechanisch, experimentell, ungewöhnlich - so lässt sich das Tun von DSX in knappen Stichpunkten gut umschreiben. Bei einem Musiker, der sich ansonsten seine Lorbeeren als Teil von Haujobb verdient, nicht wirklich überraschend. Ich musste bei der "Anonymous EP" die ganze Zeit an die Terminator-Soundtracks eines Brad Fiedels denken. In ihrer unterkühlten Schlichtheit sind sich die Werke sehr ähnlich. Müsste ich also jetzt einen dystopischen Sciene-Fiction-Film mit Musik unterlegen, wäre "Anonymous" mein Mittel der Wahl.
INHALT / KONZEPT.7.5
TEXTE.6.6
GESANG.7
PRODUKTION.7.5
UMFANG.7
GESAMTEINDRUCK.7.5
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Kalt, mechanisch und ziemlich eindrucksvoll
7.2
TOTAL.