EMMA6 – Passen

Es wird wieder Zeit für Gutes aus deutschen Landen. 2011 traten EMMA6 mit ihrem Debütalbum „Soundtrack für dieses Jahr“ ins Rampenlicht. Zwei Jahre später stellen sie sich mit „Passen“ der schwierigen Aufgabe, nach einem beachtlichen Debütalbum ein Nachfolgewerk zu präsentieren, das mit allen möglichen (und unmöglichen) Erwartungshaltungen fertig werden muss. Entgegen des Titels „Passen“ ist genau das keine Option für das Trio. Und das ist auch gut so.

Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Soundtrack für dieses Jahr“ wirkt „Passen“ bei weitem nicht mehr so leichtfüßig. Es hat sich eine anständige Portion Melancholie in Texte und Melodien eingeschlichen. Bei einem Albumstitel, der ein Ende, in welcher Form auch immer, impliziert, gar nicht so verwunderlich. Und auch grundsätzlich keine schlechte Sache. Melancholie muss ja nicht zwangsweise in Gejammer ausarten. Anstatt zu beklagen, dass Vergangenes vergangen ist, soll man sich stattdessen ja viel lieber freuen, dass es überhaupt passierte. Und so wird jeder von Euch das Gefühl kennen, an Erlebnisse, Begegnungen, Beziehungen, Lebensabschnitte oder was auch immer zurückzudenken, gleichermaßen begleitet von einem Gefühl der Wärme und einem leichten Stechen in der Brust. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Und damit zurück zu „Passen“ von Emma6. Genau dieses wunderbare, widersprüchliche Gefühl vermitteln viele der hier versammelten Songs.[/highlight]

Womöglich passiert das zwangsläufig, wenn man wie die Brüder Peter (Gesang, Gitarre) und Henrik Trevisan (Schlagzeug, Gesang) und der Dritte im Bunde, Dominik Republik (Bass, Synthies, Gesang) von Köln nach Hamburg übersiedelt, dort auf engem Raum wohnt und zwischen all dem Alt und Neu, Gehen und Ankommen ein neues Album aufnimmt. Irgendwas bleibt zurück, irgendwas beginnt. Ein hübsches Beispiel ist das Titelstück, eine feingliedrig arrangierte Pop-Perle, die uns vor Ohren führt, dass es nicht immer ganz so einfach ist, loszulassen. Selbst dann, wenn beispielsweise eine Beziehung schlicht und ergreifend keinen Sinn mehr macht, weil sich die Beteiligten in unterschiedliche Richtungen bewegt haben. Einzig die Hoffnung auf ein „es könnte ja doch noch mal besser werden“ und gleichzeitig die Angst vor dem, was danach kommt, lässt diese Kiste weiterbestehen. Ich bin mir sicher, in diesem Dilemma steckten wohl die allermeisten von Euch auch schon mal. Zwischenmenschliches ist überhaupt ein großes Thema dieses Albums. Das vorab zumindest schon mal als Video veröffentlichte „Wie es nie war“ könnte man als Anknüpfungspunkt dazu betrachten. Die Zeit nach dem Ende, wenn die Erkenntnis kommt. Verpackt in sehr hübsche Texte. Kann ein Herz aus Gold sein / wenn es einfach rostet?

Zwischendurch machen die Jungs allerdings tatsächlich auch mal Party. Erwähnt werden muss in dem Zusammenhang „Ich hab die Band zuerst gekannt“, eine augenzwinkernde Abrechnung mit Musikklugscheißern. Also mit Leuten wie mir. :D Überraschend weil gänzlich unerwartet wird es zum Schluss: „Drehen uns im Kreis“ wird monotonem Electro-Gestampfe eingeleitet, nur um sich dann in einen fetzigen Indie-Rock Song zu verwandeln. Ein Experiment, das ganz hervorragend funktioniert.

Emma6 und Mark Tavassol (Gitarrist von Wir sind Helden) servieren elf hervorragend arrangierte und produzierte Songs, stets im Spannungsfeld zwischen Pop und Rock angesiedelt und immer mit einer anständigen Portion Unabhängigkeit versehen. Und selbst wenn ein Stück vermeintlich leichtfüßig daher kommt wie etwa „Die Tage, die“, so schwingt auch immer herzergreifende Wehmut mit.

Fazit

Deutschsprachige Indie Pop- und Rockalben gab es in diesem Jahr mehr als genug, viele davon durchaus sehr hochwertig. So einige stehen überdies noch in den Startlöchern. Freunde dieser Musikrichtung müssen also nicht darben. Ist da noch Platz für eine weitere Band und ihre kleinen Geschichten? Na aber sischer dat! Wie sich am Beispiel von Emma6′ Album „Passen“ zeigt, ist längst nicht alles erzählt. 11 Geschichten mitten aus dem Leben, no big deal. Ein kleines, aber bemerkenswertes Funkeln in einem immer unübersichtlicher werdenden Rauschen. Daher gibt es an dieser Stelle von mir eine klare Empfehlung für alle, die sich für solcherei Musik begeistern können und gerne mal ein bisschen in bittersüßer Wehmut schwimmen. In gewisser Weise ist es wie beim Debütalbum immer noch ein Soundtrack für dieses Jahr. Und für das nächste.


[tabs tab1=“Cover“ tab2=“Infos“ tab3=“Titelliste“ tab4=“Anspieltipps“ tab5=“Spotify“ tab6=“Video“]

[tab id=1]Emma6 - Passen Cover[/tab]
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  • Medium: Audio CD (16. August 2013)
  • Label: Universal Music
  • Anzahl Tonträger: 1

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  1. Ein Traum
  2. Passen
  3. Wie es nie war
  4. Fast
  5. Ab und zu
  6. Ich hab die Band zuerst gekannt
  7. Wärst du die Welt
  8. Auf seine Art
  9. Die Tage, die
  10. Köln-Wien
  11. Drehen uns im Kreis

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  1. Passen
  2. Wie es nie war
  3. Ich hab die Band zuerst gekannt
  4. Drehen uns im Kreis

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