FENECH SOLER – Rituals

Das Leben hat es manchmal so an sich, sich selbst ein bisschen schwer zu machen. Das Universum schickt einen auf eine Reise und mal geht es auf, dann wieder ab und meistens geht es danach wieder auf. Es kommt aber auch vor, dass es erst mal noch weiter runter geht. Und dann nochmal. Jeder, der auf dieser Erde wandelt, hat schon seine ganz eigenen Schicksalsschläge erlebt und die Faust nach dem eigenen Leben geschüttelt. Aber oft sind es genau diese Wendungen, die Menschen zusammenbringen und über die sie sich einander verbunden fühlen. Nach dem Motto ‚Geteiltes Leid ist halbes Leid‘ teilen Fenech-Soler ihre Geschichte und ihre Erfahrungen mit dem Leben und seinen Tücken durch ihr aktuelles Album „Rituals“.

Es war nicht von Anfang an sicher, ob es ein zweites Album geben würde nach einem erfolgreichen Debüt und ersten ausverkauften Touren durch Großbritannien und Australien, als 2011 bekannt wurde, dass Frontsänger Ben Duffy, wie sein Bruder wenige Jahre zuvor, an Krebs erkrankt war. Letzte Shows wurden beendet, dann folgten die Behandlung und Ungewissheit wie es weitergehen würde. Dass es nach viermonatiger Pause weitergehen konnte, ist der Beweis dafür, dass es eben auch wieder aufwärts geht im Leben. Das Produkt dieser glücklichen Wendung, diesem persönlichen Happy End, spiegelt genau diesen Erfolg und die Rückkehr ins Leben in Form von extrem tanzbaren, elektronischen Songs wieder.

Die Band kam schon damals aus dem Land Dance- und Clubhits und bleibt sich, was das angeht, weiter absolut treu. Bei einem ersten Reinschnuppern in das Album fallen einem die modischen, magischen und mitreißenden Sounds sofort auf, die gleichzeitig aber ganz geerdet und unaufgeregt scheinen. Es klingt nach Vergänglichkeit, nach einem zarten Moment von Jugendlichkeit von dem man weiß, dass einem auch dieser nur über eine kurze Zeitspanne im Leben bleibt. Genauer denke ich dabei beispielsweise an den Song „Fading“, der die Sonne als einen verblassenden Stern besingt oder den selbsterklärenden Titel „Youth“. Das, so stelle ich es mir vor, wären Songs, die Mädchen in Crop Tops und Jungs mit wasserstoffblonden Haaren hören. Genau das hier könnte bei Germany’s Next Topmodel im Hintergrund laufen. Aber dann höre ich genauer hin, weil ich bei dem letzten Gedanken ein bisschen die Nase rümpfen muss. Fenech-Soler als Gebrauchs-Pop?

Dabei ist es gerade dieser Pop-Charakter an einigen Ecken und Enden, welcher das Album oft so geerdet wirken lässt. Es geht einem ein bisschen in die Beine, nicht aber in die Hüfte. Es ist aufregend genug, um aufmerksam zu werden, aber nicht aufdringlich. Die Texte sind nicht speziell, aber gehen einem ans Herz. Pop heißt nicht gleich Plastik, Copy and Paste, Stumpfsinn und pure Einfallslosigkeit, wenn er denn gut gemacht ist. Ben Duffy äußerte sich dazu wie folgt:

Ich denke, dass die Pop-Elemente ganz klar nicht eingeplant waren, aber wir haben sie genauso wenig ausgeschlossen. Für uns geht es darum, darauf zu achten, was eine gute Pop-Platte ausmacht. Wir hatten keine Angst davor, ein Pop-Album zu machen. Es geht darum, auf einer universalen Ebene mit Leuten in Verbindung zu treten, und dabei trotzdem unseren Wurzeln treu zu bleiben.

Was genau eine gute Pop-Platte ausmacht oder weshalb man sich vor Pop fürchten muss, benennt er zwar nicht, aber man kann am Beispiel „Rituals“ durchaus hören was er meint. Das Album klingt nicht nur cool und elektrisch. Es ist keine Hintergrundmusik für irgendwas, es steht im Mittelpunkt und scheint ganz für sich. Der Sound ist jugendlich und frisch, die Songs schimmern durch ihre Einflüsse aus Dance, Pop und Elektro wie reines Perlmutt. Die Songs „Maiyu“ und „Glow“ sind dabei die absoluten Clubhits, laut und kräftig. „Magnetic“ besticht durch seinen starken Chorus, treibende Beats und seine Lautstärke. Dem gegenüber stehen ganz magische und smoothe Songs wie „Two Cities“, die die gelassenere und coolere, vielleicht auch etwas düstere Seite der Band beweisen. Dieses Album ist voll mit Songs, die einem unwirkliche Soundwelten in denen Beat, Glanz und Leben zu Hause sind, zeigen.

Selbst Menschen, die (vielleicht zu recht) der Meinung sind, dass ‚echte‘ Musik mit ‚echten‘ Instrumenten gemacht werden muss, kommen auf ihre Kosten. Neben diesen beeindruckenden Elektrosounds beinhaltet das Album nämlich auch 6 Akustikversionen – darunter „Last Forever“ und „In Our Blood“ – die absolut back to the roots sind. Bens Stimme kommt voll zur Geltung und die Songs, die eben noch so unantastbar und stylish wirkten, werden plötzlich ganz menschlich und nah.


„Rituals“ ist ein ganz vielschichtiges Album und der größte Beweis für das Talent der Band. Es ist diese Verbindung zwischen den Genres und das hörbare ‚Ja‘ zum Leben was das zweite Album der Band ausmacht. So ist es nicht nur die Geschichte der Band und die Erfahrung, die Frontsänger Ben gemacht und verarbeitet hat, über die ein Bonding zwischen Band und Zuhörer entsteht. Es nimmt sich die besten Teile der Popmusik, so wie die Einfachheit und das Potenzial alle möglichen Zuhörer zu berühren, fügt Dance-Elemente hinzu, die mit ihrem mitreißenden Klang einen Appell an die Tanzbeine richten und variieren Elektro- und Akustiksounds, um ihre Authentizität zu beweisen – mit Erfolg.



„Rituals“ ist ein ganz vielschichtiges Album und der größte Beweis für das Talent der Band. Es ist diese Verbindung zwischen den Genres und das hörbare ‚Ja‘ zum Leben was das zweite Album der Band ausmacht. So ist es nicht nur die Geschichte der Band und die Erfahrung, die Frontsänger Ben gemacht und verarbeitet hat, über die ein Bonding zwischen Band und Zuhörer entsteht. Es nimmt sich die besten Teile der Popmusik, so wie die Einfachheit und das Potenzial alle möglichen Zuhörer zu berühren, fügt Dance-Elemente hinzu, die mit ihrem mitreißenden Klang einen Appell an die Tanzbeine richten und variieren Elektro- und Akustiksounds, um ihre Authentizität zu beweisen - mit Erfolg.
INHALT / KONZEPT.7
TEXTE.7
GESANG.7.5
PRODUKTION.7.5
UMFANG.7.5
GESAMTEINDRUCK.7
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Bisschen Electro, bisschen Indie, bisschen Pop - viel gute Unterhaltung
7.3
TOTAL.

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