HURTS - Happiness
Foto: Sony Music

HURTS – Happiness

Die englische Synthie-Pop-Band HURTS gehört zu DEN Senkrechtstartern in diesem Jahr – und somit zu den Phänomenen der Popkultur, denen man in diesem Jahr weder entkommen, noch sich ihnen entziehen kann. Ihr Hit „Wonderful Life“, dessen Karriere als Youtube-Video begann, wird inzwischen auf allen möglichen und unmöglichen Kanälen rauf- und runtergedudelt. Aber was ist dran an dem Duo aus Manchester? Sind sie nur eine weitere Seifenblase am Pop-Himmel, die schneller zerplatzt als man die Namen der Protagonisten auswendig lernen kann? Oder sind sie vielleicht doch „the next big thing“ und womöglich gekommen, um zu bleiben?

Für das Plattenlabel ist die Musik von Theo Hutchcraft und Adam Anderson der geglückte Versuch, wenigstens etwas von dem Geist der 80er Jahre wieder lebendig zu machen. Darüber hinaus gibt es Leute in meinem Bekanntenkreis, welche den Beiden attestieren, die größte Sensation im Bereich Synthie-Pop seit Depeche Mode zu sein! Ein ganz schön großer Schuh, der den Herren da angezogen wird, wenn Ihr mich fragt – und trotzdem beweisen Hurts mit ihrem sensationellen Debütalbum „Happiness„, dass sie mit den nicht unerheblichen Erwartungen sehr souverän umgehen können.

Das mag vielleicht daran liegen, dass Hutchcraft und Anderson mit dem Projekt Hurts vielleicht Neuland betreten, aber dennoch keine Frischlinge im Musikgeschäft sind. Vor Hurts feierten die Beiden, die sich quasi während einer Prügelei gemeinsamer Freunde vor einer Bar kennenlernten, erste Erfolge mit einer Band namens Daggers. Eine Art Kontrastprogramm zu ihrem jetzigen Schaffen, wenn man so möchte. Die Daggers waren eine kommerziell orientierte, leicht konsumierbare Popgruppe. Nun, die leichte Konsumierbarkeit der Musik haben die beiden Bands als verbindendes Element gemeinsam. Ansonsten ist das, was die feinen Herren, die nicht zum Lachen, dafür aber zum Musizieren in den Keller gehen, jetzt produzieren, deutlich nachhaltiger.

Auf „Hapiness“ gelingt ihnen nämlich das Kunststück, leichtfüßige, eingängige und immer wieder wehmütige Songs tatsächlich mit einem Hauch 80er Spirit zu versehen, ohne dabei kitschig oder aufgesetzt zu wirken. Die Emotionen, die Hutchcraft in seine wunderbar warme Stimme legt, wirken genauso authentisch wie die Texte, die sich – wenig überraschend – auch dem Thema „große Gefühle“ unterordnen lassen. Interessant ist in dem Zusammenhang mit Hutchcrafts vielschichtigem Gesang übrigens, dass er sich das Singen nach eigenen Aussagen selbst beibrachte, einfach indem er in Clubs immer mitsang.

In einem Interview sagte Adam Anderson einmal, er liebe Musik. Sie fülle „die innere Leere, die ich fühle. Wenigstens einen Teil davon„. Ich bin mir sicher, dieses Gefühl kennt wohl jeder von uns. An Tagen, in denen dieses Gefühl Überhand zu nehmen droht, erscheint ein Song wie „Wonderful Life“ geradezu wie Balsam für die geknechtete Seele. An Tagen, an denen man fürchtet sich selbst zu verlieren, den Boden unter den Füßen entrissen zu bekommen und in ein Loch ohne Boden zu stürzen, da ist ein Song wie „Silver Lining“ womöglich das Netz, welches sich spannt um den Aufprall zu verhindern. Und an Tagen, wenn das Liebeskummer vom Handeln und Denken Besitz ergreift… – ist dann ein Stück wie „Unspoken“ nicht ein Trost? Liefert es nicht ein Gefühl davon, dass irgendwo da draußen irgendjemand existiert, der diesen Kummer kennt und ihn teilt?

Perfekt komponiert, arrangiert und produziert ist „Happiness“ der ideale Begleiter durch die letzten Tage des Sommers, durch den Herbst und auch durch den Winter. Aber trotzdem: das Handwerkliche ist es nicht, was die Faszination Hurts ausmacht. Handwerklich geschickt sind viele Bands, gerne wird durch die Produzenten auch noch mal viel herausgeholt. Es ist die Leidenschaft, mit der die Band an ihre Musik herangeht, dieses unvoreingenommene „wir machen das jetzt mal so, wie wir es für richtig halten“ – und das kleine, irgendwie bittersüße Gefühl des Glücks, das sie damit beim Hörer erzeugen können. Ich frage Euch: wie viel mehr kann man von einer Band bzw. von einem Album erwarten? Eben. Also geht hin und kauft diese Scheibe. Danke!


Hurts hören ist ein bisschen so wie heisse Schokolade an (wettertechnisch wie emotional) kalten Tagen – es beschert einfach ein Gefühl des Wohlbefindens, vielleicht sogar des Glücks. Macht das Hurts zur größten Entdeckung seit Depeche Mode? Nein. Macht es Hurts zum gelungenen Revival der 80er Jahre? Nein. Sind Hurts tatsächlich „the next big thing“? Wird sich zeigen. Dennoch: „Happiness“ ist eines der wichtigsten Synthie-Pop Alben überhaupt geworden und ganz nebenbei eines der großartigsten in diesem Jahr. So viele frische Ideen, so viel fast schon unbekümmert wirkendes Herangehen, so viel Gefühl und so viel Können findet man nicht alle Tage. Ob sie gekommen sind, um zu bleiben, wird sich zeigen. Wünschenswert ist es in jedem Falle!


Perfekt komponiert, arrangiert und produziert ist "Happiness" der ideale Begleiter durch die letzten Tage des Sommers, durch den Herbst und auch durch den Winter. Aber trotzdem: das Handwerkliche ist es nicht, was die Faszination Hurts ausmacht.
INHALT / KONZEPT.8
TEXTE.8
GESANG.9
PRODUKTION.8.5
UMFANG.8
GESAMTEINDRUCK.8.5
LESERWERTUNG.0 Bewertungen0
POSITIV.
Sensationelles Debüt, ein neuer Stern am Synthie-Pop-Himmel
Theos Stimme
8.3
TOTAL.