JUNIOR – Self Fulfilling Prophets

Im Bezug auf Ruhm und Ehre in der Musikwelt gibt es mehrere Möglichkeiten, zum Ziel zu kommen. Eine Idee ist, sich musikalisch am Massengeschmack zu orientieren und darauf zu hoffen, damit einen der A&R Manager großer Plattenfirmen zu überzeugen. Mit etwas Glück gibt es einen Plattenvertrag und weitreichende mediale Verbreitung. Dauerwerbung in den üblichen Elektronikketten inklusive. Andere Möglichkeit: ausgelatsche Pfade einfach ausgelatsche Pfade sein lassen und konsequent ein ganz eigenes Ding durchziehen. Welches der künstlerisch wertvollere Weg ist und welches der finanziell ertragreichere, das lasse ich an dieser Stelle unkommentiert. Ich brauchte das nur als Herleitung, um jetzt auf das neue JUNIOR Album „Self Fulfilling Prophets“ zu sprechen zu kommen. Dies vielleicht noch vorab: das Duo entschied sich scheinbar für die zweite Variante.

Überrascht es irgendwen von Euch wenn ich erzähle, dass sich das Duo JUNIOR in Berlin kennenlernte und dort ihre Wirkstätte hat? Nicht wirklich, oder? Bei all den vielen Bands mit Berliner Homebase, die wir uns hier zuletzt so angeguckt haben, wenig überraschend. Warum nicht mal Parchim? Oder Plöhn? Mit weniger als zwanzig- bzw. zehntausend Einwohnern jeweils zu klein, um Musikerpersönlichkeiten hervorzubringen, sagste? Ach Lötzinn! Ian Fisher, Singer/Songwriter, stammt aus Ste. Genevieve, Missouri. Das ist so ein schnuckeliges Örtchen, das mit etwa 4400 Einwohnern auch nur wenig größer ist als eine Kaffeetasse. Das kann es also nicht sein. Jedenfalls: irgendwann, irgendwo und irgendwie verschlägt es diesen Fisher nach Berlin, wo er eines nachhaltigen Tages auf Fabian Kalker trifft. Kalker, musikalisch ausgebildet, verdiente sich seine ersten Sporen in Clubs in London und Berlin. Logisch. Die Clublandschaft Parchims oder Plöhns ist diesbezüglich vielleicht wirklich zu wenig ergiebig. Mit Theatermucke hielt sich Kalker über Wasser, während er sich mit mit einer Handvoll altmodischen Zeugs ein kleines Studio einrichtete. Wie, wann, wo und unter welchen Umständen sich Kalker und Fisher kennenlernten, ist nicht überliefert. Ich würde eine Zufallsbegegnung in Parchim aber ausschließen wollen. Es wird wohl eher irgendwo in der alternativen/untergründigen Musiklandschaft unserer Hauptstadt gewesen sein, wo sich die Wege der beiden Herren kreuzten. Was auch immer der Anlass war – wenig später befand man sich bereits in Kalkers Studio, um Songs aufzunehmen.

Zutaten des ziemlich speziellen, einzigartigen Sounds: Texte, die ihre Inspiration in den Werken T.S. Eliots oder Erich Fromms finden, gepaart mit vermeintlichem Minimalismus. Meist braucht es nicht mehr als ein paar einfache Akkorde und den abgefahrenen Klang eines Wurlitzer E-Pianios. Ein paar elektronische Spielereien, ein leichtes Gestampfe, ein paar Drums und Gesang, der ein bisschen wie durch ein Megafon gesungen wirkt – und schon haste einen faszinierenden Sound, der sich frisch und wohltuend von dem üblichen Einerlei im Pop-Bereich abhebt. Wird vielleicht nicht jedem A&R Manager schmecken – muss es ja aber auch nicht. Musikalische Inspirationen finden Junior in Depeche Mode und Joy Division – schon wieder wenig überraschend – aber auch in The Police, Danger Mouse, Damon Albarn oder den Beatles. Und tatsächlich: in Songs wie „Traces Of A Maker“ überkommt mich aufgrund von Melodiebogen und verfremdeten, exaltierten Gesang kurz der Eindruck, John Lennon höchstselbst wäre noch einmal herabgestiegen, um unerledigtes Business in Form dieser Platte zu abzuschließen. Oh und mit „I Don’t Listen Much“ haben Junior auch gleich das Meisterstück vorgelegt. Eine hübsche Hymne für die alternative Clublandschaft. Döt-dö-dö-dööt. Zum Abschluss des Albums packt das Duo mit „Skindeep Times“ die Rock-Harke aus, bestellt damit noch mal ein anderes Feld und verneigt sich, bewusst oder unbewusst, vor Garbages besten Tagen. Auch wenn sich der – man muss es so nennen, auch schon beim Debüt – typische Sound der Band durch das ganze Album zieht, mangelt es dennoch nicht an Abwechslung. Zumal: kurz und knackig sind die Songs ausgefallen, da kann sich eh schlecht Langeweile einschleichen.

Einziger wirklicher Haken an diesem Album: die Gesamtspielzeit! Mit einer knappen halben Stunde nur wenig mehr als Zwischensnack. Andererseits kann man es dafür öfter konsumieren. Macht ja nicht dick.

Fazit

Ein fetziges und pfigges kleines Album ist es geworden, das Debütalbum von Junior. Es lebt von seinem oberflächlich betrachteten Minimalismus, überrascht dadurch aber nur noch mehr durch die detailversessene Verspieltheit. Ian Fisher und Fabian Kalker schufen ein Album, dass sich ganz gekonnt zwischen alle Stühle. Ist es Pop? Ist es Indie? Ist es elektronisch oder doch der Geist der Beatles in die Neuzeit gebeamt? Weder Fisch noch Fleisch noch Gemüse wird es dennoch jedem Konsumenten schmecken, dessen Herz sich für eigenwillige, dennoch eingängige Musik erwärmen lässt. Mich haben Junior mit „Self Fulfilling Prophets“ überzeugt. Ob es ihnen bei Euch auch gelingt, müsst Ihr schon selbst herausfinden. ;) Gehört haben sollte man das Album allemal.


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  • Medium: Audio CD (28. Februar 2014)
  • Label: Popup-Records (Cargo Records)
  • Anzahl Tonträger: 1
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  1. Die Bushwick
  2. I Don’t Listen Much
  3. Bad Habit
  4. Unreal City
  5. At Least I Wrote A Song About It
  6. Living In the Flesh
  7. Traces Of A Maker
  8. Spanish Harlem Incident (Bob Dylan Cover)
  9. Echoes
  10. Skindeep Times
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  1. I Don’t Listen Much
  2. Unreal City
  3. At Least I Wrote A Song About It
  4. Traces Of A Maker
  5. Skindeep Times
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