MIRIAM BRYANT – Raised In Rain

Was bin ich doch manchmal einfach gestrickt: Da reicht es bei Promotern schon hin, in der Pressemitteilung zu erklären, bei der vorliegenden Sache handele es sich um eine spannende Neuentdeckung aus Schweden. Und BÄÄMM!! – schon ist mein grundsätzliches Interesse geweckt. Tatsächlich habe ich es noch nicht erlebt, dass Musik, die aus Schweden exportiert wurde, nicht wenigstens gut war. Von Pop bis Metal – ein paar der tollsten Bands kommen von dort. Ein paar der weltweit erfolgreichsten ebenfalls. Bei Interesse werft mal einen Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Beitrag. ;) Mit MIRIAM BRYANT schickt sich eine junge Künstlerin an, nicht nur ein weiterer Eintrag in dieser unheimlich langen Künstlerliste zu werden, sondern eventuell der Musikwelt ihren Stempel aufzudrücken. „Raised In Rain“ heißt ihr Debütalbum, ist seit einigen Tagen bei uns erhältlich – drum lasst uns doch mal gucken, wie gut sie so stempelt.

Zarte 21 Jahre ist die Dame erst alt, demzufolge ist die Biografie noch recht überschaubar. Als Kind eines britischen Bäckers und einer finnischen Lehrerin wurde sie in Göteborg geboren. Da sammeln sich bestimmt genügend unterschiedlichste Eindrücke und Einflüsse an, die die junge Dame auf ihrem Weg zur Musikerin formten. Noch dazu, wenn man wie Frau Bryant schon in frühen Kindertagen beschließt, seine Brötchen künftig mit der Musikmacherei zu verdienen. Sie sagt: „Ich konnte angeblich eher singen als sprechen“. Und weiter: „Wenn ich keinen Plattenvertrag bekommen hätte, würde ich es weiterversuchen“. Ich bin mir sicher: nicht nur ich werde wohl von einem angenehmen Aha-Erlebnis überrascht worden sein, nachdem das belanglose Intro („Prelude“) gehört war und erstmals Miriams wahrlich eindrucksvolle Stimme in „Etched In Stone“ aus den Boxen tönte. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, wäre zu vermuten gewesen, Adele hätte das Fach gewechselt und würde nun teilweise treibende, teilweise soulige und teilweise elektronisch angehauchte Popmusik mit hoher Eingängigkeit machen. Dieser Eindruck wiederholt sich bei „Push Play“ noch mal. Nicht dass wir uns hier falsch verstehen: Miriam Bryant ist nicht etwa eine Kopie der britischen Sängerin, die schon mal Regen in Flammen setze. Mit ihrem unbeschwerten Pop beschreitet Bryant durchaus eigene Wege, die Stimme erinnert eben nur manchmal an ein anderes Gesangstalent. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Und ich staune immer wieder, wie aus so einer zierlichen Person so eine Stimmgewalt entspringen kann. Von ganz hoch nach ganz tief und wieder zurück und das, ohne dass es dabei so wirkt, als müsse sie dafür wirklich arbeiten. Da steckt eine Kraft dahinter, die so manches Pop-Piepstimmchen vor Neid hoffentlich verstummen lässt.[/highlight]

Unbeschwert wirkt ihre Musik. Auch deshalb, weil sich die Dame scheinbar nicht zu viele Gedanken darüber macht. Sie sagt: „Ich bin eher ein Bauch- als ein Kopfmensch“. Das erste Mal für Aufsehen rund um den musikinteressierten Globus machte Bryant mit dem Stück „Finders Keepers“. Dieser, so sagt sie, sei in einer halben Stunde entstanden. So schnell kann das also gehen. Es zeugt von einer hohen Trefferquote ihres Bauchgefühls, denn nicht immer ist es von Erfolg oder Qualität gekrönt, gleich den ersten Take, der im Kasten ist, auch zu verwenden. Diese jungspundische Sorglosigkeit findet sich auch in ihren Texten wieder, die sicherlich keinen Literaturnobelpreis gewinnen, dafür aber auf charmante Weise das Seelenleben einer jungen Frau spiegeln: „Meine Texte sind alle persönlich und vor allem ehrlich. Aber ich gebe keine Richtung oder Interpretationen vor, ich finde es interessanter, wenn sich der Zuhörer sein eigenes Bild macht“. Und ein eigenes Bild machen, das kann ich Euch nur empfehlen. Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, wo Wollen auf Können trifft.

Um es zum Abschluss noch einmal bewusst zu betonen: herausragendstes Merkmal hier ist die Stimme dieser jungen Frau, die sich so wohltuend von so vielen Pop-Hupfdohlen abhebt, welche man ohne Autotune vermutlich gar nicht erst auf die Menschheit loslassen könnte. Miriam selbst hielt ihre Stimme in jungen Jahren übrigens nicht für ein Geschenk oder eine Gabe. „In der Schule habe ich mich nicht getraut, vor meinen Klassenkameraden zu singen. Dafür gab es auch eine Sechs in der Musik-AG. Außerdem mochte ich meine Stimme zuerst gar nicht“, sagt sie. Schön, dass sich das mit den Jahren verändert hat. Zurück zur Ausgangsfrage: für einen permanenten Stempel reicht es mit „Raised In Rain“ noch nicht ganz. Manchmal ist die Mehrstimmigkeit doch nicht das richtige Mittel der Wahl, manchmal wirkt die Produktion mit seinen Streichern, Xylofonen, nachhallenden Klavierklimpereien usw. zuuu sehr auf Gefälligkeit getrimmt. Und durch die Anordnung der Songs flacht der Spannungsbogen zum Ende hin leider etwas ab, da hiermit Tempo aus dem Album genommen wurde. Das ist insofern unklar, da die Reihenfolge bei Spotify beispielsweise eine andere, spannendere ist. Dort wird uns das „Prelude“ auch als „Interlude“ verkauft. Höm. Dennoch: das Potential etwas zu schaffen, das bleibt, ist definitiv da. Und bevor ich nun weiter auf hohem Niveau jammere, höre ich jetzt einfach mit einer klaren Empfehlung auf.

Fazit

Ok, schieben wir mal den Umstand beiseite, dass mir diese Produktion hier in wenigen Momenten eine Spur zuuu überkandidelt erscheint. Ich mich immer wieder bei den hier versammelten 12 Songs dabei ertappt, mich anerkennend über die markante Stimme zu freuen! Irgendwo zwischen Adele und Amy Whitehouse schließt Miriam Bryant mit ihrer unschuldigen Popmucke eine eine längst überfällige Lücke. Falls Ihr Euch mit besagten Stimmen anfreunden könnt, hört hier mal rein. Und ich persönlich fühle mich abermals in meiner Ansicht bestätigt, dass es sich bei Schweden um das Musikexportland Nummer 1 handelt. Wie machen die das nur immer?


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  • Medium: Audio CD (8. November 2013)
  • Label: Polydor (Universal)
  • Anzahl Tonträger: 1
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  1. Prelude
  2. Etched In Stone
  3. Push Play
  4. Last Soul On Earth
  5. Easy Street
  6. Hate The Way You Smile
  7. Finding Keepers
  8. A Cappella Song
  9. Alone Isn’t Lonely
  10. Bleeding Out
  11. Raised In Rain
  12. Since You Left
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  1. Etched In Stone
  2. Push Pay
  3. Bleeding Out
  4. Raised In Rain
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