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POSSESSION – DAS DUNKLE IN DIR (BLU-RAY)

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Man nehme: einen in Scheidung lebenden Vater zweier Töchter im Teenager-Alter, eine seltsame alte Kiste, die auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen jemals geöffnet werden darf, würze das mit dämonischen und besitzergreifenden Mächten und lasse das von Ole Bornedal zu einem Filmchen köcheln, während Sam Raimi die Oberaufsicht führt. Heraus kommt dabei dann so etwas wie POSSESSION – DAS DUNKLE IN DIR. Die ungeschnittene Blu-Ray ist hier schon mal ins Haus geflattert. Schauen wir mal, ob genannte Mixtur schmeckt.

Inhaltsangabe

Kurz mal aus der entsprechenden News zum Film zitiert: Auf einem Flohmarkt kauft das Mädchen Em (gespielt von Natasha Calis) ein antikes Kästchen, das offenbar nicht dafür vorgesehen ist, jemals (wieder) geöffnet zu werden. Irgendwie schafft sie es aber doch – und damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Em beginnt sich zu verändern, wird immer aggressiver. Ems Eltern Clyde (gespielt von Jeffrey Dean Morgan, der ja einschlägige Erfahrungen mit dem Übernatürlichen gesammelt hat; siehe “Supernatural”) und Stephanie (Kyra Sedgwick) kommen recht schnell auf die Spur, dass Ems sonderbares Verhalten mit dem Kästchen zu tun haben muss und beginnen mit Nachforschungen. Dabei stellen sie fest, dass in dem Kästchen ein Totengeist gefangen war, der sich von Seelen Lebender ernährt – und sich nun im Körper der kleinen Em eingenistet hat…

Bewertung des Films

Noch bevor die erste Szene über die Mattscheibe geflimmert ist, weist ein Schriftzug darauf hin, dass der Film auf einer wahren Begebenheit basiere. Nun ja. Grundlage wird wohl eher gewesen sein, dass der im Film erwähnte Dibbuk dem jüdischen Volksglauben entspringt. Und wie das immer so ist mit diesen Dingen – jeder Glaube muss einen Ursprung haben. Wenn Ihr Euch für das Thema interessiert – Wikipedia hat weiterführende Links und Literaturtipps dazu parat.

© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment
© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment

Zurück zum Film: Ole Bornedals Inszenierung schwankt, so will es uns jedenfalls der Pressetext erklären, „zwischen europäischem Autorenfilm und kommerzieller Hollywoodproduktion“. Welch schnuckelige Umschreibung dafür, dass sich der Regisseur zu sehr auf die hübschen Bilder, die er einfängt, sowie auf den darstellerischen Glücksgriff Natasha Calis verlässt. Der Film plätschert über seine Laufzeit von etwa 94 Minuten in gemächlichem Tempo vor sich hin und lässt dabei jegliche Spannung vermissen. Irgendwie wollen die ganzen, vermeintlich Grusel erzeugenden Momente nicht zünden. Völlig wumpe, ob es die Finger sind, die ganz plötzlich im Rachen der besessenen Em auftauchen oder die finale Konfrontation mit dem Dibbuk – was hätte spannend werden können, wird mit bemerkenswerter Sachlichkeit auf Film gebannt, dass es beinahe schon wieder beeindruckend ist. Wären da nicht Jeffrey Dean Morgan, der seine Rolle als besorgter Familienvater wie einen gutmütigen Plüschteddy spielt, sowie die bereits erwähnte Natasha Calis, die als vom Dämon besessenes Biest zu einer echten Furire mutiert – der Film müsste komplett ohne Glanzpunkte auskommen. Vielleicht gab es aber auch einfach schon zu viele Exorzismus-Filme und Bornedal wählte den Weg der Entschleunigung mit Bedacht. Man weiß es nicht. Übrigens handelt es sich um doppelten Wortwert, wenn „Possession“ an dieser Stelle Blutarmut unterstellt ist. Immerhin ein Merkmal.

© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment
© 2013 STUDIOCANAL Home Entertainment

Um die anfänglich erwähnte Metapher der Köchelei noch einmal aufzugreifen: diesen Film als Mahlzeit in einem Restaurant serviert könnte man zwar konsumieren, Trinkgeld gäbe es aber keines.

Bewertung der Blu-Ray

Wie von Studiocanal Home Entertainment nicht anders gewohnt, ist auch diese Blu-ray technisch in Ordnung. Das Bild wie so oft schön scharf, bei dem die Farben in den entsprechenden Szenen kräftig und lebhaft herüberkommen. Die Körnung geht in Ordnung, gehört bei einem Horror-/Gruselfilm auch irgendwie mit dazu. Auch am Ton gibt es nüscht auszusetzen. Wobei hier mit entsprechender Spielerei sicherlich mehr Horror hätte erzeugt werden können. Mehrkanalton sollte auch entsprechend genutzt werden. Wobei das allerdings ein Problem des Films selbst, nicht aber der Blu-ray ist. Darüber hinaus hat man noch ein paar Extras mit auf den Blauling gepackt. Neben den üblichen Spielereien wie Trailer und TV-Spot gibt es das ebenfalls von Studiocanal gewohnte Wendecover, mittels welchem Ihr Euch des hässlichen FSK-Logos entledigen könnt. Abgerundet wird die Sache durch einen Audiokommentar von Ole Bornedal sowie einer Featurette zur „wahren Geschichte der Dibbuk-Box“. So viel dann also zur „wahren Begebenheit“.


So richtig überzeugt hat mich „Possession“ nicht. Erst kommt der Film nicht so richtig in die Gänge, nur damit anschließend auch nicht so fürchterlich viel passiert. Klar, die Exorzismus-Thematik ist ausgelutscht und aufgrund der Natur der Sache eingeschränkt – etwas spannender hätte man das aber schon inszenieren dürfen, woll? Immerhin: die ruhige, ja klassische Kameraführung ist ein willkommenes Kontrastprogramm zu dem ganzen Found-Footage-Quatsch der letzten Zeit. Falls Ihr einen Ausflug zum Filmverleih Eures Vertrauens macht, könnt Ihr Euch den Streifen mal mitnehmen – kaufen müsst Ihr ihn aber definitiv nicht.


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    Roman Jasiek
  • Rückblickend betrachtet hat mir das Museum irgendwie besser gefallen als...
    Roman Jasiek
  • Die Kollegen bei Electrozombies haben auch eine schöne Review zu...
    Roman Jasiek
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