PRIDE AND FALL: Neues Album "Of Lust And Desire" erscheint am 30. August

PRIDE AND FALL – Of Lust And Desire

Faszinierende Sache, diese Zeit. Es gibt Buchautoren, welche die Theorie aufstellen, es gäbe gar keine Zeit, allenfalls Veränderungen (Lesetipp am Rande: Martin Suters „Die Zeit, die Zeit“). Manchmal bin ich geneigt, dieser Theorie zu folgen. Zum Beispiel fällt es mir gerade schwer zu glauben, dass es tatsächlich schon wieder sechs Jahre her ist, dass uns PRIDE AND FALL mit einem Album beglückten. Gefühlt kam „In My Time Of Dying“ gerade eben erst auf den Markt. Es ist wohl aber eher ein Zeichen von höchster Güte, wenn ein Album noch so präsent ist, als ein Zeichen verwirrender Zeittheorien. Wer seinem Kalender vertraut, streicht sich jetzt bitte den 30. August ganz dick an. Dann nämlich veröffentlichen die Norweger ihr neues Album „Of Lust And Desire“. Endlich!

„In My Time Of Dying“ war nicht weniger als episch. Mit „The Painful Regret“, „I Wither“, „Adored“ oder dem Titelstück haben die norwegischen FuturePop-Lieblinge eine ganze Reihe unsterblicher Hymnen geschaffen, die die Zeit (oder jedwede Veränderung) überdauern werden. Unmöglich, das zu überbieten. Nun neigt der Mensch aber dazu, Erwartungen zu entwickeln, dass nachfolgendes immer besser, toller, höher, schneller, weiter, lauter, mächtiger, wasauchimmer sein muss. So werden Zwänge geschaffen, in die man sich als Künstler hineinbegeben kann. Will man allerdings wirklich vorwärts kommen, lässt man all das links liegen und gibt nur dem eigenen Verlangen nach. Die Mission, mit der Pride And Fall mit „Of Lust And Desire“ antreten, ist folgende: sie wollen uns klar machen, dass (auferlegte) Erwartungen, Statussymbole und Erfolge, der ewig gleiche Trott, dass all das und noch mehr unterm Strich eigentlich einen Scheiß wert ist, wenn das letzte Stündlein schlägt. Warst du glücklich? Zufrieden? Bist du deinen Leidenschaften gefolgt? Oder hast du doch nur Zeit verplempert, aber nüscht verändert? Ist der eingeschlagene Weg es am Ende wert gewesen? Ja? Nein? Zeit hin oder her – verändere!

So wie sich Pride And Fall verändert haben. Es ist überliefert, dass sich die drei Herren Ende 2011 getroffen haben und dabei feststellten, dass sie selbst nicht über genügend Freiräume verfügten. Also schufen sie sich welche. Die einzige Möglichkeit, nach einem Überalbum wie dem letzten weiterzukommen. [highlight highlight-color=“eg. #F96E5B“ font-color=“eg. #f8f8f8″]Sechs Jahre nach dem letzten Album sprudeln Pride And Fall förmlich über vor Lust am eigenen Tun. Und das ist in jeder Sekunde hörbar.[/highlight]

Die erste Überraschung gibt es direkt zu Beginn des Albums in Form des sehr düsteren, schweren „Sculptor Of Lust And Desire“. Mit seinen orchestral anmutenden, anklagenden Synthieteppichen würde es auch ganz hervorragend auf ein Arcana Album, irgendwann um die Jahrtausendwende herum, passen. Krasses Teil mit Oha!-Effekt. Das nachfolgende „Hollow“ stimmt gleich wieder versöhnlich, klingt es doch genau so, wie Pride And Fall seit Anbeginn klingen: tanzbar, futurepopig, düster – gleichwohl eingängig, fesselnd. Spannender hingegen wird es wieder bei „Turn The Lights On“, bei dem einen die peitschenden Synthies nicht nur wie Lasergeschosse um die Ohren gefeuert werden, sondern überdies wieder dieser markante, bedrohlich anmutende Flüster-Schrei-Singsang zum Einsatz kommt. Ganz klar eines der Highlights dieser Scheibe. Hin und wieder wird es auch rein Instrumental, wie etwa bei „The Void „Let Me Go First““, das wie ein verlorenes Stück des „Blade Runner“-Soundtracks wirkt. Zeit, sich großartig von ausufernden Synthies einlullen zu lassen, bleibt jedoch nicht. Das anschließende „The Comforter“ holt den Zuhörer mit seinen knochentrockenen, stampfenden Rhythmen sofort auf den Boden der Tatsachen zurück. So muss es klingen, wenn Maschinen maschieren. Mit „Fear Your Love“ schaffen Pride And Fall ganz geschmeidig eine DER FuturePop-Hymnen des Jahres 2013, das nicht zuletzt der untergründigen, wabernden Bässe mächtig Eindruck schindet. Mit „Epilogue“ beschließt das Trio ein sensationelles Album mit einem sensationellen Song, der, genau wie die anderen 10 Songs zuvor, gleichermaßen schwermütig und doch unheimlich einnehmend ist. Und dann sind da ja auch noch die wohl echten Drums, die dem Song einen ganz besonderen, sehr schweren Sound verleihen.

Überhaupt: „Of Lust And Desire“ ist durchaus schwere Kost düsterelektronischer Musik. Das kann empfindliche Menschen schon mal ihre gute Laune kosten. Macht aber nüscht, belanglose gute-Laune-Lala gibt es schließlich wie Sand am Meer, zudem war das noch nie die Baustelle von Pride And Fall. Die immer wieder durchdringende, mitunter negative Konnotation von „Lust und Leidenschaft“ in den Texten macht es neben der düsteren musikalischen Ausgestaltung nicht besser. Nach sechs viel zu langen Jahren präsentieren die Norweger unterm Strich nicht nur ein Album, das sich wie das dunklere Schwesteralbum des Vorgängers anfühlt und die Zeit, die dazwischen liegt, beinahe bedeutungslos macht. Es dokumentiert viel mehr die Veränderung hin zu noch dunkleren Arrangements. Vor allem aber weckt es das Verlangen, sich diesem Album mit aller gebotenen Lust hinzugeben. Wieder und wieder. Vielleicht lassen sich einige der obigen Fragen anschließend mit einem positiven Ja beantworten.

Fazit

Um noch mal die Sache mit der Zeit aufzugreifen: „Of Lust And Desire“ fühlt sich wie eine direkte Fortsetzung von „In My Time Of Dying“ an, als wären zwischen beiden Alben nicht 6 Jahre vergangen. Vielleicht existiert Zeit ja tatsächlich nicht, sondern wirklich nur Veränderung. Diese Veränderungen im Sound der Norweger sind deutlich zu hören. Experimentier- und Spielfreude springt einem aus jeder Sekunde förmlich ins Ohr. Und dennoch klingt es nach wie vor unverkennbar nach Pride And Fall. Mit „Of Lust And Desire“ hat das Trio einen weiteren Klassiker geschaffen, der noch präsent sein wird, wenn das nächste Album anrückt. Und dann werden wir uns wieder Fragen, wo die Zeit geblieben ist.


[tabs tab1=“Cover“ tab2=“Infos“ tab3=“Titelliste“ tab4=“Anspieltipps“ tab5=“Spotify“]

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  • Medium: Audio CD (30. August 2013)
  • Label: Dependent Records
  • Anzahl Tonträger: 1

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  1. Sculptor Of Lust And Desire
  2. Hollow
  3. Passionate Pain
  4. Turn The Lights On
  5. The Void „Let Me Go First“
  6. The Comforter
  7. The Knife
  8. Reborn
  9. A River Runs Through It
  10. Fear Your Love
  11. Epilogue

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  1. Turn The Lights On
  2. The Void „Let Me Go First“
  3. The Comforter
  4. Fear Your Love
  5. Epilogue

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