Foto: Slave Republic

SLAVE REPUBLIC – Quest For Love

Ein zweites Album, so sagt man, ist immer schwierig. Vor allem dann, wenn das Erstlingswerk von hoher Güte war. Es passierte so oft, dass Künstler am Erwartungsdruck im Bezug auf Album Nummer 2 in den Ohren der Presse-Affen, der Konsumenten und Fans scheiterten. Und wird auch künftig immer wieder passieren. Nach ihrem im Jahre 2010 erschienen Debütalbum „Electric One“ geht das Duo SLAVE REPUBLIC mit dem seit dem 15. Februar erhältlichen Zweitwerk „Quest For Love“ den für jede Band schweren Weg. Wie sie sich dabei schlagen? Hmm.

Als Synth-Pop verkauft das Label Accession Records das neue Album des Duos Alec Fu und Alex J. Alice. Sie selbst benennen es New Wave. Irgendwie trifft das aber alles nicht so richtig den Kern der Sache. Hinter der (gewohnt fetten) Produktion Daniel Myers verbirgt sich sicherlich auch irgendwo Synthpop und/oder New Wave. Vor allem ist es aber Electro-Pop düsterer Machart, bei dem es eher um dicke, die Tanzfläche zu Beben bringende Bässe als leichtfüßige Melodien geht. Grundsätzlich nicht verkehrt, eigentlich.

Das Cover von „Quest For Love“ hätte nicht treffender sein können. Dieses auffällige rote Herz auf schwarzem Untergrund trittt den Kern der Sache ziemlich gut, nicht nur des Albumtitels wegen. Die Sounds, sie pulsieren auf ganz famose Weise durch die (bei Accession scheinbar üblichen) 10 Songs dieses Albums. Die restlichen drei Songs sind Remixe, die ganz nett anzuhören sind, dem jeweiligen Song aber nicht wirklich neue Songs abgewinnen. Und richtig, bei einem Album mit einem so prägnanten Namen ist es nicht verwunderlich, dass die Liebe mit all ihren merkwürdigen Wegen, die sie beschreitet, das Kernthema des Albums ist. Bei „Menage A Trois“ spricht schon der Titel für sich, beim Titelstück ist es der Text („Some day I’ll break the heart of every girl I know. Some day I’ll tear apart your heart. All the cities I’ve seen – I’m only here for the answer. I ‚m on a quest for love.„). Und „Primärreiz„, das Stück, bei dem Labelkollege Torben Wendt seine 1A-Stimme mit eingebunden hat, ist wie eine musikalische Abhandlung des nach wie vor grassierenden „Shades Of Grey„-Themas. Und als solches ziemlich Banane, aber die Fetischisten der Szene werden es vielleicht mögen.

Slave Republics zweites Werk besticht neben dem Gespür für hübsche Melodien und erfreulich gutem Gesang durch eine sehr hochwertige Produktion. Der Sound dieses Albums mit all seinen vielen, liebevoll platzierten und verspielten Details ist definitiv über jeden Zweifel erhaben. Überrascht aber insofern auch nicht, wenn man liest, dass Daniel Myer da seine Finger im Spiel hatte. Was genauso wenig überrascht, scheint er doch beinahe so etwas wie der Haus- und Hofproduzent Accessions zu sein. Immerhin ist die Haujobb-Legende wenigstens seit „Freak Perfume“ auch für Diary Of Dreams (gleiches Label) als Produzent tätig.

Quest For Love“ macht so vieles richtig. Es ist abwechslungsreich (vielleicht zu sehr?), behandelt ein unsterbliches Thema (vielleicht doch zu ausgelutscht?), ist sauber produziert und insgesamt von hoher Güte. Und doch – der letzte Kick, der mich mit den Fingern schnippen und sagen lässt, „jo, das isses“ – der fehlt. Im ersten Moment fand ich es noch kuhl, aber dieses Element, dass mich auch am Ende des Jahres diese Scheibe noch aus dem Regal ziehen lässt, ist einfach nicht da. Dennoch: Hört es Euch an, lasst Euch überzeugen oder auch nicht. Aber Eure Aufmerksamkeit haben die Jungs in jedem Fall verdient.


Fazit: Ich kann nicht genau sagen, woran es denn wohl liegt, dass mich Slave Republics zweites Werk nicht so kickt, wie es vielleicht nach all den vielen Vorschusslorbeeren müsste. Handwerklich ist an diesem Album nüscht auszusetzen, auch im Hinblick auf Produktion nicht. Natürlich nicht, schließlich hatte Daniel Myer hier seine goldenen Hände im Spiel. Auch im Hinblick auf Inhalt und Gesang finde ich nichts, was ich wirklich bekritteln könnte. Und doch… irgendwie will der Funke bei mir nicht überspringen. Vielleicht zu glatt? Vielleicht zu wenig klare Linie und zu viel Wilderei in zu vielen Genres? Ich weiß es echt nicht. Ich bin mir sicher, dass es eine Menge Musikfreunde da draußen gibt, die mit diesem zweifellos hochwertigen Album glücklich werden können. Ich selbst zähle jedoch nicht dazu. Irgendwas fehlt. Wer weiß, vielleicht können mich die Jungs live überzeugen. Ich würde das gut finden.


Slave Republic - Quest For Love Cover