SOLAR FAKE - Reasons To Kill

SOLAR FAKE – Reasons To Kill

Den Pressetext in Händen, das neue SOLAR FAKE Album „Reasons to kill“ via Kopfhörer in den Gehörgängen, wage ich mich an das Review zum neuen Album. Sollten schon wieder zwei Jahre seit dem letzten Album „Frontiers“ vergangen sein? Vermutlich kam mir die Wartezeit nicht so lang vor, da ich das Berliner Electroduo aus Sven Friedrich und Frank Arnold aufgrund meiner Vorliebe für deren Musik in der Zwischenzeit das ein oder andere mal live gesehen habe. Ob nun live oder von der Silberscheibe, SOLAR FAKE haben es mit dem Songmaterial der vorangegangenen beiden Alben stets verstanden, die Menge zu begeistern und zum Tanzen zu animieren. Inwieweit ihnen das mit „Reasons to kill“ gelingen wird, zeigt sich ab dem 25. Oktober 2013, denn dann ist die Scheibe offiziell beim Plattendealer eures Vertrauens erhältlich.

2011 haben SOLAR FAKE mit ihrem Album „Frontiers“ die eigene Messlatte schon sehr hoch gehängt. Um die 8 Wochen Topplatzierungen in den DAC zu wiederholen, ist neuer Wind gefragt, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren. Bei einem Pressetext, der „Trance-Einflüsse“, sowie „Dubstep-, Industrial- und EBM-Anleihen“ verspricht, kann einem da schon angst und bange werden. Also mal hören was die elf brandneuen…, halt. Gab es da nicht Anfang Dezember schon Track 5 „Reset to default“ als MP3 zum kostenlosen Download? Korrekt. Also mal hören, was die zehn brandneuen Tracks zu bieten haben:

Schon der erste Song auf dem Album „I hate you more than my life“ liefert die im Vorwort angekündigten Dubstep-Einflüsse und schreit förmlich danach, die Fangemeinde zu polarisieren. Love it or leave it, doch in homöopathischer Dosis wie hier verwendet, erscheint der Dubstep als erfrischendes Element. „I hate you more than my life“ bleibt ein echter SOLAR FAKE Song, der mit kraftvollem Beat überzeugt und die Fans von den Stühlen reißen wird. Der Song mit den zwei Gesichtern „Face me“ erinnert ein wenig an „Stigmata Rain“ vom „Broken Grid“ Album. Während Strophe und Bridge einen zuckersüßen Synthie-Pop-Song, aus der Feder von Sven Friedrich, verheißen lassen, schlägt dem Hörer als Refrain eine Riesen-Woge aus verzerrtem Synthie und verzerrter Gesangsstimme entgegen. Schon bei „Stigmata Rain“ wirkte das sehr gewöhnungsbedürftig, doch nach mehrmaligem Hören des Songs, erkennt man seinen Reiz. „Face me“ wird sicher seinen Weg in die Clubs finden.

„Change the view“ ändert tatsächlich den Blick auf „Reasons to kill“, kommt es doch stilistisch als Fortführung von „I hate you more than my life“ daher, mit stark überzeichneter Dosis Dubstep. Too much oder nur ungewohnt? Nein! In gekonnter Weise unterstreicht die Musik hier den ironischen Textinhalt und wer will schon immer das gleiche hören? Dass auch eingefleischte Industrial-Fans auf ihre Kosten kommen, beweisen SOLAR FAKE mit „When I bite“. Mit Synthie-Power-Chords und verzerrter Gesangsstimme kann hier wieder mal live so richtig abgefeiert werden. Ein Song der ohne Schnörkel Druck macht.

„Reset to default“ war ja bereits als kostenlose Hörprobe veröffentlicht. Durch seinen charismatischen Gesangsstil verleiht Sven Friedrich dem Song die typische SOLAR FAKE Seele. Spätestens jetzt dürfte der Hörer die Gewissheit haben, dass das richtige Album im Player ist. Bei „Rise and fall“ ist das ebenso, wobei der Song außerdem noch sehr auffallend wie „Where are you“ vom „Frontiers“ Album klingt. Dennoch ist „Rise and fall“ eine schöne Electro-Pop Ballade, die ein wenig den Charme der 80er versprüht. Mit „I’d rather break“ erschaffen Sven und Frank schon wieder einen potentiellen Club-Hit. Nicht nur der Kampf gegen sich selbst, sondern auch gegen die letzten Zweifler an „Reasons to kill“ dürfte nun gewonnen sein, entfernen wir uns doch aus den 80ern wieder in die Gegenwart. „My Spaces“ schließt stilistisch wieder an „Face me“ an, wobei der Graben zwischen melodischer Strophe und Aggro-Pop Refrain nicht ganz so krass auffällt. Allerdings wirkt das Ganze auch nicht so aufwändig und bleibt vielleicht deshalb nicht so lange beim Hörer präsent.

Wie schon auf den letzten Alben von SOLAR FAKE darf natürlich ein Cover-Song auf „Reasons to kill“ nicht fehlen. Dieses mal wagt sich Sven Friedrich an „One step closer“, mit dem 2001 Linkin Park die Charts stürmten. Und das mit einer Interpretation, die ganz ohne Gitarren auskommen muss und dem Original doch an Druck und Tempo in nichts nachstehen darf. Um das zu bewerkstelligen, wurden die verschiedenen Synthiesounds kurzerhand durch einen Gitarren-Verstärker gejagt und aufgenommen, verrät Sven. Das Ergebnis ist erstaunlich und trotz allem kein Stilbruch, weder für SOLAR FAKE, noch den Song „One step closer“.

Mit „My bleeding heart“ ist das Album dann auf dem absoluten Höhepunkt angekommen. Ein Industrial-Kracher, bei dem scheinbar bis auf die Drums alles durch den Verzerrer gejagt wurde. Für mich auf jeden Fall einer der Anspieltipps. Der Song geht auf die Ohren und in die Beine. Scheinbar um den musikalisch gezogenen Kreis wieder zu schließen finden sich auch hier noch einmal die Dubstep-Elemente, die ich in den letzten Songs doch so gar nicht vermisst habe. Den Abschluss des Albums bildet „The pages“. Als schwermütige Pianoballade beginnend, streift der Song nach und nach den Mantel der Trübsinnigkeit ab und verwandelt sich in eine ruhige und doch kraftvolle Synthesizer-Dance-Nummer. Am Ende entlässt der Song den Hörer mit einem wohligen und doch nachdenklichen Gefühl in die Stille. Wow, was für ein rundes Arrangement.

Fazit

Zwei Jahre haben SOLAR FAKE an „Reasons to kill“, ihrem drittem Album gearbeitet. Hinzugekommen sind dem Zeitgeist entsprechende Elemente aus Dubstep und Industrial, ohne den eigenen Ursprung zu verlassen. Herausgekommen ist ein frischer, neuer und doch noch immer urtypischer SOLAR FAKE Sound. Die Kompositionen sind liebevoll auf die Lyrics abgestimmt. Die düsteren Stimmungsbilder werden durch die enorme Power der meisten Songs einfach weggeblasen. Alles in allem finden sich auf dem neuen Album nur tanzbare Songs, die ab nächster Woche in den Clubs rauf und runter gespielt werden. Mission accomplished.


[tabs tab1=“Cover“ tab2=“Infos“ tab3=“Titelliste“ tab4=“Anspieltipps“]

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  • Medium: Audio CD (25. Oktober 2013)
  • Anzahl Tonträger: 1
  • Label: SPV (Synthetic Symphony)

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  1. I Hate You More Than My Life
  2. Face Me
  3. Change The View
  4. When I Bite
  5. Reset To Default
  6. Rise And Fall
  7. I’d Rather Break
  8. My Spaces
  9. One Step Closer
  10. My Bleeding Heart
  11. The Pages

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  1. I Hate You More Than My Life
  2. Face Me
  3. Rise And Fall
  4. My Bleeding Heart
  5. The Pages

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