Foto: klima-streik.org

Klimastreik am 20. September 2019 – Unser Appell zum Mitmachen!

Neulich habe ich es in diesem Zusammenhang das erste Mal so richtig mit der Angst zu tun bekommen. Am menschengemachten Klimawandel habe ich keinen Zweifel. Genauso wenig daran, dass dieser Klimawandel uns vor ernsthafte Probleme und Bedrohungen stellt. Viele Diskussionen und Debatten habe ich aufmerksam verfolgt und bei all dem Gequatsche von irgendwelchen Klimazielen, die (gefühlt) iiiirgendwann mal erreicht werden wollen, kam mir das alles dennoch ein Stück weit abstrakt vor. Wie etwas, dessen Folgen wir zwar immer mehr zu spüren bekommen (wie beispielsweise die sehr heißen und trockenen Sommer), was aber dennoch nichts ist, das uns in unserem klimatisch noch gemütlichen Deutschland zu meinen Lebzeiten einholen würde. Es war trotz allem irgendwie ungreifbar, weil auch die Klimaziele alle so weit weg schienen. Zeit wäre ja noch genug, das Ruder herumzureißen, man müsste nur eben mal anfangen. Und dann las ich einen Artikel, den Auslöser für den Moment der Panik, in dem es darum ging, dass sich die Klimaforscher mit hoher Wahrscheinlichkeit verrechnet haben. Um satte 70 Jahre. Und zwar nicht noch weiter 70 Jahre in die Zukunft. Sondern dass all die Folgen, die ganzen Horrorszenarien von denen man immer und immer wieder liest, uns womöglich sehr viel früher einholen werden, als gedacht. 70 Jahre früher. Und nun sitze ich hier, tippe diesen Artikel und bitte Euch, am 20. September 2019 ebenfalls am #Klimastreik in Eurer Stadt teilzunehmen. Die Zeit, von der wohl nicht nur ich dachte, wir hätten sie noch – wir haben sie vielleicht nicht mehr.

Unter www.klima-streik.org/demos könnt Ihr nachschauen, wo und zu welcher Uhrzeit die entsprechende Demo, die aus der „Fridays for Future“-Bewegung und dessen Demos hervorgegangen ist, stattfindet. Wer beispielsweise, wie ich, in Magdeburg an der Demo teilnehmen möchte – der Anpfiff erfolgt um 12 Uhr am Domplatz.

Ist es nicht komisch, dass dieser Aufruf, diese Bitte, dieser Appell auf einem Blog erscheint, der auch das Thema Kreuzfahrten behandelt? Nein. Auch wenn wir uns durchaus als Fans dieser Form des Reisens betrachten, so stehen wir vielen Dingen auch kritisch gegenüber und wissen um die Probleme, die es noch zu lösen gilt. In den Artikeln, die wir zu dem Thema veröffentlichen, ist durchaus herauszulesen, dass wir der Branche regelmäßig unterstellen, längst nicht alles zu tun, was möglich ist, um das Ziel von „Green Cruising“ zu erreichen. Es passiert viel, ja, und in Teilen werden sogar Vorreiterrollen für die gesamte Schifffahrt eingenommen, aber das ist noch längst nicht alles, was machbar ist. Und ganz ehrlich: Ich bin für jeden Klimaaktivisten, für jeden kritischen Kommentar, Bericht oder Artikel dankbar. All das brachte die Branche in Aufruhr, weil sie sich (in vielen Punkten zu Recht) so sehr an den Pranger gestellt fühlt, dass man sich gerade auffallend darum bemüht, ökologischer und nachhaltiger zu werden – um, im besten Fall, bald sagen zu können: Jo, die Fahrt mit so einem Schiff ist inzwischen richtig umwelt- und sozialverträglich.

Aus gleichem Grund bin ich auch der Fridays for Future-Bewegung dankbar. Wenn die Schülerinnen und Schüler nicht auf die Straße anstatt zur Schule gegangen wären, dann wäre das Thema Klima vermutlich weiterhin nur ein „Weiter so“-Punkt auf der politischen Agenda, wie viele andere Probleme auch. Das Klima-Thema ist aber unser dringendstes. Und bedingt durch diese Proteste scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Was, wenn die Vermutung der Forscher hinsichtlich der verschätzten 70 Jahre wirklich stimmt, auch allerhöchste Zeit ist!

Im privaten Bereich kann man viele Dinge tun, um den persönlichen CO₂-Fußabdruck zu minimieren. Man kann seine Lebensmittel regional und unverpackt kaufen, die weitgereisten Avocados einfach ignorieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und/oder Fahrrad fahren wo und wann immer möglich, den Urlaub inländisch verbringen, seine technischen Geräte bei Nichtnutzung komplett abschalten, beim Duschen den Wasserverbrauch reduzieren, Bäume pflanzen, Geld an Klima-Projekte spenden und was weiß ich nicht noch alles. Alles gut, alles richtig. Trotzdem denke ich, dass ohne entsprechende, sinnvolle politische Vorgaben und Gesetze, die vor allem der Industrie das Thema auf die Agenda tackert, das alles nur Tropfen auf heißen Steinen sein werden. Ich denke gerade an fossile Brennstoffe oder die Massentierhaltung von Rindvieh.

Möglichkeiten der politischen Mitbestimmung und daher Zukunftsgestaltung in Deutschland sind beispielsweise Wahlen. Eine andere: Demonstrationen. Artikel 8 unseres Grundgesetzes erlaubt uns: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“ So steht es dort geschrieben. Wir sollten (und müssen!) am 20. September 2019 von diesem Recht Gebrauch machen. Friedlich und ohne Stress(-macherei). Es ist unsere momentan größte und beste Chance der Regierung zu verdeutlichen, dass das Thema Klima keines ist, dass noch auf die lange Bank geschoben werden kann. So wie die vielen kritischen Stimmen die Kreuzfahrt- (oder von mir aus auch: Automobil-)Branche in Bewegung versetzt haben, so gilt es, am 20. September 2019 dem ganzen Rest die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu verdeutlichen. Und selbst wenn sich die Wissenschaftler hinsichtlich der 70 Jahre doch geirrt haben sollten – die Veränderungen, die Klimaschutz bewirken, können wohl kaum von Nachteil sein. In Anlehnung an einen früheren Wahlspruch unserer Kanzlerin: Für eine Welt, in der wir gut und gerne leben.