Cover des Comics Spider-Man & Madame Web von Panini Comics.

Vor dem Kinostart: Paninis „Spider-Man & Madame Web“ vereint unterhaltsame Kurzgeschichten aus zwei Epochen

Foto: Panini Comics

Neulich war ich im Kino. Da sind mir Plakate zu „Madame Web“ aufgefallen, der am 14. Februar 2024 starten soll. Und auch wenn das Plakat zum Film die Verbindung eigentlich relativ deutlich macht – wer nicht in der Welt der Marvel-Comics und/oder Filme zu Hause ist, wird möglicherweise gar nicht auf dem Schirm haben, dass Madame Web nicht nur dem Namen nach mit Spider-Man vernetzt ist. Der Film, so erklärt es die offizielle Webseite, erzähle die Entstehungsgeschichte von Madame Web (gespielt von Dakota Johnson) als eigenständigen Film innerhalb des „Spider-Man“-Universums von Sony. Aber was hat es mit Madame Web eigentlich auf sich? Was macht sie so besonders, dass man ihr direkt einen ganzen Film widmet? Wer diesbezüglich Fragezeichen über dem Kopf hat oder vielleicht auch einfach nur Erinnerungen auffrischen möchte, kann natürlich Google bemühen. Oder ab dem 6. Februar zum Comicshop seines Vertrauens pilgern und sich das Büchlein „Spider-Man & Madame Web“ mitnehmen. Panini Comics betreibt hier anlässlich des nahenden Kinostarts Bildungs- und Aufklärungsarbeit in Form zweier vergnüglicher Kurzgeschichten.

Zunächst einmal müssen wir festhalten: Hinter Madame Web verbirgt sich die mysteriöse Cassandra Webb, die als Medium die Gabe hat, die Zukunft zwar einigermaßen vage, aber dennoch treffsicher genug vorherzusehen, dass es für alle Beteiligten Konsequenzen hat. Große Kräfte kommen bekanntlich selten ohne einen Preis; die Cassandra Webb, die wir hier kennenlernen, ist dem Tod sehr viel näher als dem Leben. Eigentlich hält nur ein hochkomplexes Gebilde aus Maschinen und Drähten die alte Dame am Leben. Ein Gebilde übrigens, das nicht zufällig aussieht wie ein Spinnennetz. Ihr Hirn wird mit Stromstößen versorgt, während gleichzeitig die Lunge beatmet und das Blut gewaschen wird. Und doch hat sie dieses enorme Talent, das dazu führt, die Bekanntschaft mit Peter Parker alias der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft zu machen. Dieser hat zunächst alle Netze voll zu tun, eine Entführung und einen Beinahe-Mord im Daily Globe aufzuklären bzw. zu verhindern. Und anschließend bekommt er es mit dem Juggernaut zu tun, einem schier unaufhaltsamen Gegner, der Madame Web zu entführen versucht. Chaos und Verwüstung auf den Straßen New Yorks inklusive.

In der zweiten Story dieses Comics liegt New York bereits in Schutt und Asche. Bzw. wird es liegen. Oder könnte. Oder, dem Titel „Schrödingers Katastrophe“ entsprechend: ist gleichzeitig zerstört und auch nicht. Ein Schritt durch ein Zeitportal, das nur einen Tag in die Zukunft führt, gewährt Peter Parker einen Blick auf die Dinge, die kommen. Oder auch nicht. Es liegt an ihm, das zu verhindern. Unterwegs trifft er dabei auch Julia Carpenter, welche die Nachfolge von Cassandra Webb angetreten hat und die versucht, Peter davon zu überzeugen, dass ihm weder die Avengers noch die Fantastic Four noch sonst jemand dabei helfen kann, dieses Problem zu lösen. Sie hätten schließlich allesamt ganz eigene Schicksale zu erfüllen. Um Drama und Spannung zu erhöhen, bleibt Peter selbstredend auch nicht viel Zeit, um den Zustand der möglichen Katastrophe in eine Richtung zu bewegen, die weniger atomar ausfällt …

Dieses kleine Büchlein ist aus mehrerlei Sicht interessant. Zum einen natürlich durch die Wahl der Geschichten. Die ersten drei Storys stammen aus dem Jahr 1963. Die Figur Spider-Man hatte in Amazing Fantasy #15 (August 1962) ihren ersten Auftritt, war also hier noch mehr als grün hinter den Ohren. Gezeichnet wurden die Geschichten von der Comiclegende John Romita Jr. und allein schon des enorm hohen Nostalgiefaktors wegen gewinnt dieser Comic Sympathiepunkte. Die Story und Zeichnungen damals hatten einfach ein vollkommen anderes Flair, eine ganz andere Erzählweise, ein anderes Tempo … Hach, das war eine wunderbare Zeitreise! Ich fühlte mich auch ein wenig in jene Tage zurückversetzt, als der Condor Verlag noch diese kleinen Taschenbücher veröffentlichte, zu denen unter anderem „Die Spinne“ gehörte. Aufgrund des verkleinerten Formats damals mit teilweise ziemlich stark gekürzten Texten, dafür aber auch nur 5 Mark 80 teuer. Taschengeldkompatibel, quasi. Ein paar dieser Büchlein stehen auch heute noch bei mir herum. Ich frage mich, ob das ungewöhnliche und deutlich kleinere Format von „Spider-Man & Madame Web“ dem Format der Condor-Bücher einen Tribut zollt. Ich wüsste sonst keine andere Erklärung, warum Panini hier von der üblichen Größe abweicht. Andererseits experimentieren sie ja gerne mal mit unterschiedlichen Größen herum.

Die zweite Story ist aus 1999, die Zeichnungen kommen hier von Humberto Ramos, der mich mit seinem Stil ein bisschen an die leicht überdrehten, ein bisschen Manga-haften Zeichnungen erinnert, wie sie damals nicht nur von Ramos, sondern auch von Künstlern wie beispielsweise Joe Madureira („Battle Chasers“) angefertigt wurden. Und der auch heute natürlich immer wieder anzutreffen ist. Ein krasser Stilbruch zur vorhergehenden Geschichte, aber da beide Geschichten (logischerweise) in sich geschlossen sind, durchaus zu verkraften. Und auch wenn dieses kleine Zeitreise-Drama wirklich spannend ausgefallen ist, so ist mir hier nicht so ganz klar, warum sich Panini für diese Geschichte entschieden hat. Denn so richtig relevant ist Madame Web hier meines Erachtens nicht. Um ehrlich zu sein: ob sie da nun ihre 20 Cent in die Gegend meint oder Peng – es ist ziemlich unspektakulär und belanglos. Vielleicht suchte man nach einer Kurzgeschichte mit Madame Web, um den Comic nicht weiter aufzublähen und somit im Budget zu bleiben? Darüber kann ich nur spekulieren.

Unterm Strich bleibt aber festzuhalten: Wer mit dem Kinogang liebäugelt und vorher herausfinden möchte, was es mit Madame Web auf sich hat oder die Erinnerungen auffrischen möchte, kann sich das Büchlein ruhig mitnehmen. Zumal es mit einem Preis von 12 Euro auch durchaus im Rahmen bleibt. Marvel-Fans allgemein und Spidey-Fans ganz besonders sei dieses Büchlein wegen der klassischen Geschichte mit den Zeichnungen John Romita Juniors ans Herz gelegt. Es ist ein netter, kleiner Comic-Snack für zwischendurch, dessen Preis-Spaß-Verhältnis vollkommen in Ordnung ist.

Fazit
Unterm Strich bleibt aber festzuhalten: Wer mit dem Kinogang liebäugelt und vorher herausfinden möchte, was es mit Madame Web auf sich hat oder die Erinnerungen auffrischen möchte, kann sich das Büchlein ruhig mitnehmen. Zumal es mit einem Preis von 12 Euro auch durchaus im Rahmen bleibt. Marvel-Fans allgemein und Spidey-Fans ganz besonders sei dieses Büchlein wegen der klassischen Geschichte mit den Zeichnungen John Romita Juniors ans Herz gelegt. Es ist ein netter, kleiner Comic-Snack für zwischendurch, dessen Preis-Spaß-Verhältnis vollkommen in Ordnung ist.
Pro
Erster Teil aus den 60er- und zweiter Teil aus den späten 90er-Jahren
Die Zeichnungen von John Romita Jr. bringen Bonuspunkt dank Nostalgiefaktor
Format erinnert an frühere "Die Spinne"-Comictaschenbücher von Condor
Fairer Preis
Kontra
Zweite Geschichte ist zwar spannend, aber hat nur am Rande etwas mit Madame Web zu tun
2.8
Wertung
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